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Kommentar: Zurechtgestutzt

Die Deutsche Bank will schrumpfen, um zu wachsen. Damit zieht sie endlich Konsequenzen aus den Folgen der Finanzkrise. Ein Erfolgsgarant ist das aber nicht, meint Henrik Böhme.

Man ist bescheidener geworden hinter der Glasfassade der Deutschen Bank. In manchen Momenten der Pressekonferenz, auf der die beiden Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain die künftige Strategie des Geldhauses erläuterten, war sogar so etwas wie Demut zu spüren. Gespielt oder nicht: Die Rückkehr zur Normalität ist ein schmerzhafter Prozess, und teuer obendrein.

Die Deutsche Bank hatte ein großes Rad gedreht und es irgendwie unbeschadet durch die Finanzkrise geschafft. Trotzdem oder gerade deshalb wird sie immer wieder von der Vergangenheit eingeholt. Eine Vergangenheit, in der Bescheidenheit verpönt war. Die Folge: Razzien im Hauptquartier, drastische Geldstrafen, verhängt durch Gerichte oder Regulierer, jede Menge Kratzer an der Fassade.

Zwischen Demut und Arroganz

Und dann doch auch wieder solche Sätze: Man werde sich künftig stärker auf die Kunden konzentrieren, die an einer für beide Seiten vorteilhaften Partnerschaft interessiert sind. Sprich: Wer nur Kosten verursacht, den wollen wir nicht mehr haben. Hätte ich ein Konto bei der Deutschen Bank, ich würde es noch heute kündigen.

Aber gut, zurück zur Bescheidenheit. Das macht die Bank ja nicht, weil sie da lauter Selbsthilfegruppen haben. Die Bank ist vielmehr die Getriebene, sie handelt aus der Not heraus. Sie verdient zu wenig Geld, sie bezahlt einen hohen Preis für die Gier, die in den vergangenen Jahren das Geschäftsmodell geprägt hat. Wenn die Welt etwas aus der großen Krise nach Lehman gelernt hat, dann das: Der Steuerzahler soll nie mehr für die Fehler der zockenden Banker einstehen und zur Kasse gebeten werden.

Teure Vergangenheit

Die Deutsche Bank beschäftigt mittlerweile zusätzlich 700 Mitarbeiter, die den anderen auf die Finger schauen. Damit keine Zinssätze mehr manipuliert werden und nicht mit CO2-Zertifikaten der Fiskus betrogen wird. Die Bank muss Millionen und Abermillionen zur Seite legen, um die Strafen, die weltweit gegen sie verhängt werden, bezahlen zu können. Alles das sind Spätfolgen der großen Krise. Richtig ist, was Jürgen Fitschen gesagt hat: Die Bank ist heute eine andere. Hinzugefügt sei: Wenn die neue Strategie wie geplant umgesetzt werden kann, dann wird sie noch einmal eine andere sein.

Deutsche Welle Henrik Böhme Chefredaktion GLOBAL Wirtschaft

DW-Wirtschaftsredakteur Henrik Böhme

Gärtner wissen das: Ein guter Rückschnitt ist entscheidend, damit Baum oder Pflanze in neuer Pracht erblühen können. Zurechtstutzen ist das Gebot der Stunde für die Deutsche Bank. Auch wenn das schmerhaft ist: Die Musik in der Branche spielen längst andere, die großen Wall-Street-Häuser sowieso, aber auch die Riesen aus China. Da bleibt für die Deutsche Bank nicht mehr so viel vom Kuchen übrig. Sie ist und bleibt das einzige deutsche Geldhaus von Weltgeltung. Aber das ist keine Kunst: Sonst gibt es zwischen Flensburg und Zugspitze ja nur noch die Commerzbank, die, weil sie gerettet werden musste, noch immer in Staatsbesitz ist, dazu die regional verankerten Sparkassen sowie Volk- und Raiffeisen-Banken. Da ist es nicht schwer, die Nummer Eins zu sein.

Kein großer Wurf

Das erklärt, warum die Führung der Bank am Ende der Mut verlassen hat, als es darum ging, sich auf ein tragfähiges Modell für die Zukunft zu verständigen. Ehrlicher wäre die Trennung von Privatkundengeschäft und Investmentbanking gewesen. Darauf hatten die Märkte gesetzt. Jetzt ist es beim alten Modell geblieben, es ist alles andere als ein großer Wurf. Auch da bleiben eine Menge Risiken übrig. Das klare Bekenntnis zum Standort Deutschland, dass heute gegeben wurde, nötigt allerdings Respekt ab.

Das Führungsduo Fitschen/Jain hat eine Menge Arbeit vor der Brust, das fängt schon bei den eigenen Mitarbeitern an, die sie auf den steinigen Weg mitnehmen müssen. Der Stolz vergangener Tage ist längst verblasst, die Bank ist eher ein wunderbares Feindbild für die Auswüchse der ungezügelten Finanzbranche. In fünf Jahren wird Jubiläum gefeiert, 150 Jahre wird man dann alt. Man darf extrem gespannt sein, in welcher Verfassung man sich dann präsentieren wird.