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Politik

Kommentar: Zu viel Transparenz schadet

Neben der großen Erleichterung tauchen in deutschen Medien wieder Spekulationen über mögliche Lösegeld-Zahlungen auf. Auf derartige Mutmaßungen sollte man bei Geiselnahmen verzichten, meint Peter Philipp.

Fernschreiber Autorenfoto, Peter Philipp

Nach der Freilassung der beiden deutschen Geiseln im Irak bleibt eine Reihe von Fragen offen und wird wohl auch offen bleiben. Und das ist sicher gut so. Denn bei allem Gebot von Presse- und Informationsfreiheit: Zu viel Transparenz schadet. Sie schadet zwar nicht mehr den Freigelassenen, aber sie schadet anderen Deutschen, die sich im Irak - und vielleicht auch anderswo in Krisengebieten - aufhalten. Denn es war sicher kein Zufall, dass die beiden Ingenieure aus Leipzig entführt wurden, unmittelbar nachdem die deutsche Geisel Susanne Osthoff im Irak befreit und in den Medien über angeblich gezahltes Lösegeld berichtet und spekuliert worden war.

Gleichgültige Täter

An erster Stelle verbietet sich Transparenz in der Frage von Lösegeld-Zahlungen. Nicht per Gesetz, sondern aus gesundem Menschenverstand. Deutschland hat sich nicht am Irak-Krieg beteiligt, aber das schützt Deutschland und die Deutschen nicht vor möglichen Auswirkungen dieses Krieges. Entführer sind Terroristen - egal, ob sie ihr Handwerk aus politischen Motiven betreiben oder "nur" um Geld einzutreiben. Und Terroristen wägen nicht ab bei der Auswahl ihrer Opfer. Schuldig? Nicht schuldig? Am Konflikt beteiligt oder nicht? Das ist den Tätern gleichgültig. Hauptsache, das selbst gesetzte Ziel wird erreicht: Man macht Schlagzeilen oder man macht Kasse.

Intensive Diskussion

Vor diesem Hintergrund verbietet es ich, Einzelheiten der Geiselaffäre und der Befreiung zu publizieren und auszuwalzen. Dass die deutsche Regierung alles tun muss und auch tut, um solchen Geiseln zu helfen, steht dabei außer Frage und wurde diesmal ja auch nicht zum ersten Mal bewiesen. Aber es gebietet sich auch, nach der Rückkehr der Geiseln daheim eine ernsthafte und intensive Diskussion
darüber zu führen, ob und wie der Staat nicht auch verhindern kann und soll, dass es überhaupt erst zu solchen Entführungen kommt.

Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes reichen ganz offenbar nicht aus, um deutsche Bürger davon abzuhalten, in bestimmte Krisengebiete zu reisen. Mal sind es abenteuerlustige Touristen, mal Geschäftsleute, ein andermal - wie im vorliegenden Fall - Angestellte einer Firma, die ungeachtet des Risikos für Leib und Leben in Gefahr gebracht werden.

Keine unbeschränkte Vollmacht

Ein freies politisches System wird nie in der Lage sein können, solche Fälle völlig auszuschließen. Aber es muss Mittel und Wege geben, sie zu reduzieren und die Verantwortlichen gegebenenfalls zur Rechenschaft zu ziehen. Das Vertrauen auf die Hilfe der Regierung im Notfall ist gut, aber diese Hilfe ist keine "Carte blanche" und darf nicht missbraucht werden. Im konkreten Fall des Irak heißt das: Bei aller Notwendigkeit, das Land wieder aufzubauen und bei allem Interesse deutscher Firmen, daran beteiligt zu sein, haben Deutsche vor Ort nichts verloren, solange die Sicherheitslage sich dort nicht bessert und eine gewisse Stabilität einkehrt. Und das kann noch eine ganze Weile dauern.

  • Datum 03.05.2006
  • Autorin/Autor Peter Philipp
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8M56
  • Datum 03.05.2006
  • Autorin/Autor Peter Philipp
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