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Wirtschaft

Kommentar: Zu spät, um noch etwas zu retten

Wegen der Affäre um die Gehaltserhöhung für seine Freundin ist Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz zurückgetreten. Der Schritt kommt zu spät, meint Christina Bergmann. Wolfowitz hat den Rest seines Ansehens verspielt.

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Ein unwürdiges Schauspiel ist zu Ende gegangen – und alle Seiten stehen als Verlierer da. Paul Wolfowitz, der ehemalige US-Vize-Verteidigungsminister, hat den Rest des Ansehens verspielt, das er nach seiner unrühmlichen Rolle im Irak-Krieg noch hatte. Sein Rücktritt kommt zu spät, um noch etwas zu retten.

Seine Verteidigungsstrategie in diesem Fall sah vor allem so aus: Es habe ihm ja niemand gesagt, dass die Regelung für seine Freundin außerhalb jeder Norm lag. Es habe ihm außerdem niemand gesagt, argumentiert er, dass er sich als Betroffener gerade nicht mit dem Fall beschäftigen durfte – und dass er die Gremien der Bank selbst über die getroffene Regelung hätte informieren müssen.

Wolfowitz muss zuerst bei sich selbst anfangen

Die Weltbank hat sich – vor allem unter Paul Wolfowitz – den Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Ist es da wirklich notwendig, dem Präsidenten dieser Organisation ausdrücklich mitzuteilen, dass er nicht seiner Freundin persönlich eine Beförderung mitsamt einer Gehaltserhöhung verordnen kann – ganz gleich unter welchen Umständen? Wer von anderen verantwortungsbewusste Regierungsführung verlangt, muss zu allererst bei sich selbst anfangen.

Dazu gehört auch, die Verantwortung für Fehler zu übernehmen und daraus die Konsequenzen zu ziehen. Sich auf Missverständnisse zu berufen, ist zu wenig. Doch genau das hat Wolfowitz getan – und war damit für die Weltbank nicht mehr tragbar. Doch bis zum Schluss bestand Wolfowitz darauf, von dem Fehler rein gewaschen zu werden.

Weltbank-Direktorium ist zu weit gegangen

In dem Bemühen, das Gremium nicht zu spalten und die Amerikaner nicht gegen sich aufzubringen, ist das Direktorium Wolfowitz dabei viel zu weit entgegen gekommen. Die Erklärung der Direktoren liest sich wie ein anständiges Abschlusszeugnis – was der Ansicht der meisten Mitglieder nicht entspricht. Damit ist die Weltbank der zweite Verlierer, denn das Unverständnis über diesen "Deal" wird nicht nur bei den Beschäftigten groß sein.

Die Weltbank muss aber auch in der ganzen Affäre einen Teil der Schuld bei sich selbst suchen. Der interne Untersuchungsbericht geht zwar mit den Vertretern der Bank wesentlich zahmer um als mit Wolfowitz – aber die Empfehlung lautet, dass die Institution dringend ihre internen Abläufe und Kontrollmechanismen überprüfen muss. Das ist angesichts der Vorgänge das Mindeste. Hier haben Personen und Gremien versagt.

Fragwürdiges Verhalten des Ethik-Komitees

Wieso hat das Ethik-Komitee die Lösung des Problems an Wolfowitz weitergereicht und eine Gehaltserhöhung empfohlen – sich dann aber nicht um die Details der Abmachung gekümmert? Wieso hat niemand aus der Personalabteilung Fragen gestellt – wo doch der stellvertretende Personalchef wegen der getroffenen Vereinbarung ein ungutes Gefühl hatte? Und wieso hat das Ethik-Komitee im Februar 2006 dem Präsidenten mitgeteilt, man habe anonyme E-Mails und Dokumente im Zusammenhang mit dem Vorgang geprüft und alles sei in Ordnung?

Dass Wolfowitz jetzt keine andere Wahl mehr blieb als zu gehen, liegt an der Berichterstattung in den Medien und dem Druck der Weltbank-Mitglieder vor allem aus Europa. Erst dieser Druck hat auch dazu geführt, dass die Regierung in Washington ihren Mann bei der Weltbank nicht mehr halten konnte. Es bleibt nur zu wünschen, dass die Weltbank aus Schaden klug wird und ihre Strukturen gründlich verändert. Bei Paul Wolfowitz besteht da wohl wenig Hoffnung. Aber der ist mittlerweile auch das kleinere Problem.