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Afrika

Kommentar: Wohin lenkt Zuma Südafrika?

Der Afrikanische Nationalkongress in Südafrika hat Jacob Zuma zum neuen Parteichef gewählt. Der umstrittene Politiker will neue Wege einschlagen. Eine klare Richtung gibt er aber bisher nicht vor, meint Frank Räther.

Themenbild Kommentar

Die Ära Thabo Mbeki geht in Südafrika zu Ende, die Ära von Jacob Zuma beginnt. Die Mehrheit der Delegierten des Parteitags des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses ANC hat es am Dienstag (18.12.3007) so entschieden. Mbeki, der auch südafrikanischer Staatspräsident ist und bis zu den nächsten Wahlen in eineinhalb Jahren bleibt, hat den Fehler begangen, sich zu weit von der Basis seiner eigenen Organisation entfernt zu haben und alles kontrollieren und bestimmen zu wollen.

Als er ohne Konsultation 2005 Jacob Zuma, der damals Vizepräsident Südafrikas war, von diesem Posten wegen Korruptionsanschuldigungen feuerte, begann der Aufstand gegen Mbeki. Zuma wurde zur Ikone. Um ihn scharrten sich nicht nur seine Anhänger, sondern mehr und mehr alle, die mit Mbekis autokratischen Führungsstil unzufrieden waren.

Finanzchaot als Führer?

Schon bei den Wahlen der Delegierten zum Parteitag und dann auf dem Kongress offenbarte sich eine tiefe Spaltung des ANC in zwei Lager: Pro-Mbeki und Pro-Zuma, die sich gegenseitig misstrauen, beschimpfen und dabei sind, die Partei zu zerreißen. Jede Grundorganisation - und das sind in Südafrika über 4000 - entschied sich für einen der beiden und entsandte dann ihren Delegierten zur Provinz-Versammlung - mit dem Auftrag, dort für eine entsprechende Nominierung zu sorgen.

In fünf der neun Provinzen Südafrikas, in der Jugend- sowie in der Frauenliga bildeten die Zuma-Anhänger die Mehrheit. Landesweit kamen so 60 Prozent zusammen. Auf dem Parteitag dann wurde Zuma in geheimer Abstimmung mit einer 58,5 Prozent-Mehrheit gewählt. Obwohl er ein Finanzchaot ist, der mit seinem Geld nicht auskommt, obwohl ihm noch immer ein weiteres Korruptionsverfahren droht und obwohl die Steuerbehörde ihn im Visier hat, gilt er doch bei vielen als besserer Führer, als der intellektuelle, disziplinierte und verschlossene Thabo Mbeki.

"Gib mir mein Maschinengewehr"

Zuma kann die Massen begeistern. Er spricht eine einfache Sprache, schwingt die Hüften, singt sein Lieblingslied "Gib mir mein Maschinengewehr" aus der Zeit des bewaffneten Anti-Apartheid-Kampfes. Und die Menge singt und tanzt mit und jubelt. Sie erwartet von ihm, dass er mehr für diejenigen tut, die nichts von der Wirtschaftsentwicklung spüren und weiter arm sind. Das ist etwa die Hälfte der südafrikanischen Bevölkerung. Sie erwartet von ihm einen anderen Führungsstil mit offenen Debatten und der Möglichkeit des Widerspruchs. Er verspricht all dies. Aber zugleich sagt er auch den Unternehmern, dass sich am neoliberalen Wirtschaftskurs nichts ändern wird.

Wie er diesen Spagat - effektiv wirtschaften und wesentlich mehr für Sozialleistungen ausgeben - schafft, bleibt abzuwarten. Der ANC und ab 2009 auch Südafrika werden unter Zuma anders sein. Ob es besser sein wird, muss sich zeigen.

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