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Standpunkt

Kommentar: Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan - Echte Freunde?

Die Türkei ist Mitglied der NATO. Dass sie als solches russische Waffen kauft, ist mehr als ungewöhnlich. Bahnt sich da eine enge Partnerschaft zwischen Ankara und Moskau an? Miodrag Soric plädiert für Gelassenheit.

Karikatur von Sergey Elkin

Tomaten sind schon länger Spielball im Streit zwischen russischen und türkischen Interessen

Beide fühlen sich ungerecht behandelt. Beide bekommen vom Westen regelmäßig die kalte Schulter gezeigt. Beide präsentieren sich gerne als starke Männer und nennen sich öffentlich "Freunde". Sie haben viel gemein, die Präsidenten Russlands und der Türkei.

In den vergangenen Wochen mehrten sich die Zeichen, dass Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan eine Partnerschaft eingehen könnten: ihr bilateraler Handel wächst, ihre Militärs und Geheimdienste kooperieren in Syrien. Gleichzeitig führen sie ihren jeweiligen diplomatischen Krieg mit der EU und der USA weiter: Washington und Ankara vergeben an die jeweils andere Seite keine Visa. Die Türkei sperrt deutsche Journalisten und Menschenrechtler ein und ignoriert sowohl die Proteste aus Berlin als auch geltendes Recht. Von Moskau unterstützte Soldaten kämpfen im Osten der Ukraine. Der Kreml will über die Annexion der Krim nicht einmal reden, fordert aber die Rücknahme westlicher Sanktionen.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund?

Da Erdogan und Putin so ihre - formulieren wir es freundlich - Schwierigkeiten mit dem Westen und dem Völkerrecht haben, was lag da näher als sich miteinander zu verbünden? Um es den angeblich so besserwisserischen NATO-Partnern so richtig zu zeigen, hat Erdogan sogar beschlossen, russische Flugabwehr-Raketen zu kaufen - allen Protesten aus Washington oder Brüssel zum Trotz.

Soric Miodrag Kommentarbild App

Miodrag Soric ist DW-Korrespondent in Moskau

Aber was hat Erdogans öffentlich demonstrierte Aufgebrachtheit, seine zur Schau gestellte Empörung gegen den Westen oder die angebliche Freundschaft mit Russland konkret gebracht? Nichts. Die Außenpolitiker - ob nun in Berlin oder Washington - zeigen sich unbeeindruckt von Erdogans Drohgebärden, mit besseren Beziehungen zu Russland quasi die Seiten wechseln zu können. Sie glauben, dass sich Erdogan eher früher als später beruhigen, die Interessen seines Landes über sein Ego stellen wird.

Denn selbst bei einer noch engeren Beziehung zu Russland: Wirtschaftlich kann die Türkei in Moskau nicht einmal einen Bruchteil dessen gewinnen, was sie im Westen zu verlieren droht. Die Börse hat Erdogans außenpolitische Wendemanöver bereits hart bestraft. Das türkische Wachstum wird längst mit der Druckerpresse finanziert. Seitdem viele westliche Touristen fernbleiben, schließen in Istanbuls berühmtem Basar viele Stände. Deutsche Touristen reisen indessen wieder vermehrt nach Griechenland oder Spanien. Mal sehen, wie lange der türkische Präsident durchhält.

Ein vergleichbares Bild in Moskau. Auch wenn dort die deutsche Wirtschaft wieder stärker investiert: Der bilaterale Handel ist weit entfernt von der Zeit vor 2014. Die Sanktionen wirken. Nüchtern betrachtet ist das wirtschaftliche Engagement in Richtung Asien eine Ergänzung, jedoch kein Ersatz für gute Beziehungen zu Deutschland und der EU.

Die Zeit spielt für den Westen

Im Ringen mit Russland und der Türkei ist die Zeit auf der Seite des Westens. Denn so eng ist die bei Partnerschaft zwischen Russland und der Türkei nun auch wieder nicht. Im Gegenteil. Moskau ist enttäuscht, weil Erdogan bei seinem Kiew-Besuch die Krim als Teil der Ukraine bezeichnete. Sicher: Das russische Raketen-Abwehrsystem hat Erdogan jetzt bestellt, aber bisher erst eine Anzahlung geleistet. Der Deal kann immer noch schiefgehen.

Denn nach wie vor ballt der türkische Präsident die Faust in der Tasche, weil Russland weiter verbietet, türkische Tomaten und andere Produkte einzuführen. Gegenseitige Interessen verfolgen beide Staaten auch in Syrien: Moskau hält an Präsident Assad fest, Ankara will ihn stürzen.

Einst, das sei nur am Rande bemerkt, waren Assad und Erdogan beste Freunde, verbrachten sogar Familienurlaube zusammen. Doch das ist lange her. Wie das eben so ist mit politischen Freundschaften.

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