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Nahost

Kommentar: Wie weit tragen die Einsichten der Kriegsparteien?

Von der Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah bis zu einem dauerhaften friedlichen Nebeneinander in Nahost dürfte es noch ein langer Weg sein. Diese Meinung vertritt Peter Philipp in seinem Kommentar.

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Fernschreiber Autorenfoto, Peter Philipp

Nach wochenlangen Diskussionen ist es dem UN-Sicherheitsrat gelungen, eine Formel für Waffenruhe im Libanon zu finden, und seit Montagfrüh (14.8.2006) schweigen die Waffen. Wenn es nur so einfach wäre: Die Resolution 1701 wäre nicht die erste UN-Resolution zu Nahost, die Hoffnungen weckt, diese aber nicht erfüllt. Nicht, dass der Sicherheitsrat sich keine Mühe gegeben hätte. Die Kämpfe der letzten Wochen zu beenden, war erheblich komplizierter als in anderen Krisen- und Kriegssituationen. Vor allem, weil man es nicht mit einem Krieg zwischen zwei Staaten mit ihren regulären Streitkräften zu tun hatte, sondern mit einem jener "asymetrischen" Konflikte, die begonnen haben, die "traditionellen" Kriege abzulösen.

Auf die Kriegsparteien kommt es an

Erfolg oder Misserfolg der UN-Resolution hängt nicht vom guten Willen der Sicherheitsratsmitglieder ab, sondern einzig und allein von dem der kämpfenden Parteien. Und diese waren offenbar nur deswegen bereit zuzustimmen, weil beide einzusehen begannen, dass es so nicht weitergehen konnte.

Die israelische Regierung räumt dies zwar nicht offen ein, aber sie muss erkannt haben, dass sie sich hier auf ein militärisches Abenteuer eingelassen hat, dass sie auf keiner Ebene gewinnen konnte: Gegenüber einer gut ausgerüsteten, ortskundigen und bestens motivierten Truppe von Guerilleros wie der Hisbollah ist auch die stärkste Armee der Region machtlos. Und es war ein Wahn, man könnte Hisbollah mit Luftangriffen zerschlagen oder vertreiben.

Israels Verluste

Gegenüber jenen im Libanon, die mit der Hisbollah nicht einverstanden sind, hat Israel auch verloren, denn seine massiven Angriffe auf Zivilisten und die Infrastruktur des Landes haben Israel im Libanon um den letzten Rest von Sympathie und Zustimmung gebracht.

International ist es nicht viel anders: Israel beschwert sich, die Medien hätten einseitig berichtet und das Leiden der Libanesen mehr in den Vordergrund gestellt als das der Israelis. Es stand mehr im Vordergrund, weil es um ein Vielfaches größer war und weil es verursacht wurde durch einen Staat, dessen Regierungschef erst kürzlich noch behauptete, über die moralischste Armee der Welt zu verfügen.

Hisbollahs Verantwortung

Aber auch die Hisbollah muss einzusehen begonnen haben, dass sie sich einen solchen Krieg auf Dauer nicht leisten kann: Zwar hat die Organisation alle – und vor allem die Israelis – mit ihrer Zähigkeit und ihrem Durchhaltevermögen überrascht. Aber auf Dauer wäre sie den massiven israelischen Angriffen doch unterlegen gewesen. Und sie hätte den Libanon mit sich ins Verderben gezogen. Auch jetzt trägt die Hisbollah die Verantwortung, diesen Krieg ausgelöst zu haben, sie hat es aber verstanden, sich als einzige ernst zu nehmende Widerstandsgruppe zu präsentieren. Wäre der Krieg weiter eskaliert, hätte die Hisbollah vermutlich diesen Sympathiebonus in der libanesischen Bevölkerung verloren.

Und nun? Von einer Waffenruhe – wenn sie denn von Dauer ist – bis zu einer dauerhaften Beruhigung dürfte noch ein langer Weg sein: Es wird sicher einige Wochen dauern, bis die israelischen Truppen im Südlibanon von libanesischen und internationalen Einheiten abgelöst werden. Vorher wollen sie das Land nicht verlassen und vorher will auch die Hisbollah ihre Waffen nicht niederlegen.

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