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Politik

Kommentar: Wichtige Etappe für den Irak

Was bedeutet der Tod des meist gesuchten Terroristen im Irak, Abu Mussab al-Sarkawi, für das Land? Wird die Gewalt nun abnehmen? Eine Einschätzung von Peter Philipp.

Fernschreiber Autorenfoto, Peter Philipp

Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen im jordanischen Wüstenort Zarqa und niemand dort hätte es für möglich gehalten, dass aus dem kleinen Kriminellen seiner Jugendjahre einmal einer der meist gesuchten Terroristen werden würde. Abu Mussab al-Zarkawis Ergreifung oder Tötung war den Amerikanern immerhin so viel wert geworden, wie es die Osama Bin Ladens bis letztes Jahr gewesen war: 25 Millionen Dollar hatte Washington auf den Kopf des Mannes ausgesetzt, der als Anführer der gefährlichsten Terrorgruppen im Irak galt. Das Kopfgeld wird nun niemand kassieren, denn Zarkawi kam offenbar bei einem Luftangriff der USA unweit von Bagdad um.

Irak als persönliches Schlachtfeld

Zarqawi hatte bereits früh die Bekanntschaft mit jordanischen Gefängnissen gemacht und sich dann dem Islamismus zugewandt, der ihn nach Afghanistan und in die Nähe Osama Bin Ladens brachte. Zurück in Jordanien versuchte er, Anschläge gegen Amerikaner und Israelis zu organisieren und wurde dafür zum Tode verurteilt. Er entkam und tauchte wieder in Afghanistan und dann im Irak auf. Nach dem US-amerikanischen Einmarsch in den Irak dauerte es nicht lange, bis Zarkawi dieses Land als sein persönliches Schlachtfeld im Kampf gegen die USA betrachtete und sich mit Entführungen und brutalen Ermordungen vor laufender Kamera hervorzutun begann.

Seine Anhänger nannten sich "Jama’at al Tawhid wa-al Jihad" ("Vereinigung zur Einheit der Gläubigen und des Heiligen Krieges“). Sein Ziel war offensichtlich, mit Bin Laden zu konkurrieren, obwohl er sich diesem demonstrativ unterordnete, als er seine Bewegung in "El-Kaida im Irak“ umbenannte. Bin Ladens Ideologe, Aiman Al Zawahiri, kritisierte Zarqawi aber öffentlich, dass seine Taten der Bewegung schadeten und der Jordanier – der fälschlicherweise schon wiederholt tot gesagt worden war – reduzierte daraufhin seine Angriffe. Stattdessen soll er maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, Hass und Zwietracht zwischen Sunniten und Schiiten im Irak zu säen. Anschläge auf Moscheen und Gläubige beider Seiten sollen zum Teil auf sein Konto gegangen sein.

Schwerer Schlag für Aufständische

Hauptziel solchen Terrors war ein Ziel allein: Jede Normalisierung im Irak zu verhindern. Denn eine Normalisierung würde das Ende der Gruppierungen von "Aufständischen" bedeuten – wie die Anhänger Zarkawis sich selbst betrachten. Wenn der Tod des Terroristenchefs sich diesmal bestätigt, dann könnte dies weit reichende Auswirkungen auf die Lage im Irak und auf das Gelingen der Bemühungen der neuen Regierung unter Nuri al-Maliki haben. Zwar gab es immer wieder Warnungen, dass Zarkawi keineswegs die Figur sei, von der alles abhänge, aber genau dies wird sich nun erweisen müssen. Es ist bisher noch unbekannt, wie straff die Organisation von Zarkawi selbst geführt wurde, aber die in seinem Namen kämpfenden Gruppen haben mit Zarkawis Ausschaltung sicher einen schweren Schlag versetzt bekommen. Ob dieser Schlag ausreicht, dem Irak nun Ruhe und Ordnung zu bringen, muss kurz- bis mittelfristig bezweifelt werden. Langfristig aber hat das Land jetzt sicher eine wichtige Etappe erreicht.

  • Datum 08.06.2006
  • Autorin/Autor Peter Philipp
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8aQu
  • Datum 08.06.2006
  • Autorin/Autor Peter Philipp
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