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Politik

Kommentar: Wer Tod säht, wird Tod ernten

Viel hilft viel, dachten sich offenbar die Organisatoren und richteten vor dem Internationalen Tag gegen die Todesstrafe auch noch die passende Konferenz dazu ein. Doch was zählt, ist das Signal, findet Helle Jeppesen.

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Der 10. Oktober ist bereits als Internationaler Tag gegen die Todesstrafe festgelegt worden, warum also nochmals eine kostspielige Konferenz in Lissabon, um den Tag zu bestätigen? Kritiker und Gegner der Kampagne gegen die Todesstrafe werden versuchen, die Konferenz für überflüssig zu erklären und klein zu reden - und doch: Sie ist ein Signal, das weltweit Wirkung zeigen wird.

Seit Jahrzehnten haben immer mehr Länder die Todesstrafe als staatliches Strafmaß abgeschafft. Waren es 1976 erst 16 Staaten, die auf die Todesstrafe verzichteten, so gibt es heute weltweit 133 Staaten und Gebiete, die sie rechtlich oder faktisch abgeschafft haben - davon 91 Länder ganz. Doch in 64 Staaten wird die Todesstrafe noch praktiziert. Seit Jahren sind China, Iran, Pakistan, Irak, Sudan und die USA die Spitzenreiter in der globalen Statistik über vollstreckte Todesurteile.

Fundamentales Menschenrecht

In Europa hat der Europarat die Abschaffung der Todesstrafe zur Voraussetzung für die Mitgliedschaft gemacht - und hat damit die 47 Mitgliedsländer und deren 800 Millionen Bürger auf ein fundamentales Menschenrecht in die Pflicht genommen. Auch deswegen muss sich Europa international gegen die Todesstrafe engagieren. Die Forderung nach einem weltweiten Moratorium für die Todesstrafe ist unzertrennlich mit den allgemeinen Menschenrechten verbunden - und die Wahrung der Menschenrechte hat sich Europa auf die Fahnen geschrieben.

Ein Staat - auch der, der im Namen des Volkes und damit im Namen aller Bürger - tötet, macht sich zum Mörder. Die Todesstrafe ist ein barbarischer Akt, die weder den Opfern anderer Verbrechen hilft noch eine präventive Wirkung hat. Im Gegenteil: Sie ist im Falle eines Justizirrtums nicht wieder rückgängig zu machen - ein Schandfleck für eine ganze Gesellschaft. Wenn eine Gesellschaft nach dem Motto "Aug um Auge, Zahn um Zahn“ handelt, kann das Ergebnis kein gerechtes sein. Das ist die Botschaft Europas, einem Kontinent, der durch seine eigene, blutige Geschichte oft genug erfahren hat, dass wer Tod sät, auch Tod ernten wird.

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