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Kommentare

Kommentar: Wenn Bengel als Engel verkauft werden

Wolfgang Niersbach ist in gewisser Hinsicht ein Bauernopfer der WM-Affäre. Aber nicht nur, meint DW-Sportreporter Stefan Nestler. Für den Deutschen Fußball-Bund erwartet er auch nach Niersbachs Rücktritt schwere Zeiten.

Niersbach, Beckenbauer und Zwanziger bei einer Veranstaltung 2009. Foto: Imago

WM-Macher von einst: Niersbach, Beckenbauer, Zwanziger (v.r.)

Es kam, wie es kommen musste. Wolfgang Niersbach musste einfach zurückgetreten. Schon allein deshalb, weil sonst gar kein anderer da war, der noch seinen Hut hätte nehmen können. Die anderen Strippenzieher von einst haben sich zurückgezogen: Franz Beckenbauer, Präsident des WM-Organisationskomitees 2006, Theo Zwanziger, damals Schatzmeister, später DFB-Chef, und auch der damalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt. Sie alle befinden sich längst auf dem Altenteil.

Die anderen schweigen oder poltern

War Niersbach also nur ein Bauernopfer? In gewisser Hinsicht schon. Als Mediendirektor bei der WM 2006 mag Niersbach zwar eingeweiht gewesen sein in Dinge, von denen heute keiner der Beteiligten mehr etwas wissen will. Doch die ganz große Keule schwangen damals andere. Heute schweigen sie, wie Beckenbauer, oder poltern herum, wie Zwanziger.
Warum eigentlich stellt sich keiner von ihnen hin und sagt: „Leute, macht euch doch nichts vor! Wir hätten die WM niemals nach Deutschland geholt, wenn wir bei diesem dreckigen Spiel nicht wenigstens ein bisschen mitgemischt hätten.“

Sportredakteur Stefan Nestler. Foto: DW

Stefan Nestler, DW Sport

Ein bisschen Korruption wird toleriert

Vor dem Hintergrund der Enthüllungen um den korrupten Weltverband FIFA könnten sie vielleicht sogar mit einem gewissen Verständnis rechnen. Denn der normale Fußballfan denkt noch heute so gerne an die gigantische Fußballparty 2006 zurück, dass er dem DFB wahrscheinlich verzeihen würde, rechtlich nicht ganz saubere Mittel genutzt zu haben, um das "Sommermärchen" möglich zu machen. Nach dem Motto: Ein bisschen Korruption steckt doch in jedem von uns - auch wenn wir behaupten, unsere Steuererklärung immer nach bestem Wissen und Gewissen auszufüllen.

Um Kopf und Kragen geredet

Niemand erwartet, dass jeder DFB-Funktionär eine Mutter Theresa des Fußballs ist. Aber wenn Bengel am Werke waren und sie als Engel verkauft werden, hört irgendwann die Geduld auf. Und damit wären wir wieder zurück bei Niersbach. Als Krisenmanager hat der 64-Jährige komplett versagt. Seine Pressekonferenz vor knapp drei Wochen, als er herumeierte wie ein Hochseilartist, der zu tief ins Glas geschaut hat, war eine Bankrotterklärung.
Hier versuchte einer zu retten, was nicht zu retten war, und redete sich dabei so um Kopf und Kragen, dass er einem fast schon wieder leid tat. Das war der Anfang vom Ende der DFB-Karriere Niersbachs, weil ihm nach diesem Auftritt kaum noch jemand zutraute, den Karren aus dem Dreck ziehen zu können. Als dann auch noch die Steuerfahnder vor der Tür standen, war Niersbachs Schicksal so gut wie besiegelt.

DFB in der Verantwortung

Der DFB steht jetzt kaum besser da als die FIFA: Der Präsident ist weg, die Affäre damit jedoch noch lange noch nicht ausgestanden, weil die Antworten auf die drängenden Fragen weiter ausstehen. Niersbach ist seine Verantwortung los, der DFB nicht.

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