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Wissen & Umwelt

Kommentar: Weltklima wieder auf der Tagesordnung

Der UN-Klimagipfel hat neuen Schwung in die zähen Klimaverhandlungen gebracht. Politiker müssen nun aber zügig konkrete Taten folgen lassen, meint die DW-Klima-Korrespondentin Irene Quaile.

120 führende Politiker und Film-Star Leonardo Di Caprio: Der Klimagipfel war hochkarätig besetzt, dafür nur einen Tag lang. Mit diesem Rezept wollte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den zähen UN Klimaverhandlungen neue Energie verleihen und internationale Aufmerksamkeit wecken. Und sein Plan ging auf. Obwohl Krisen wie der "Islamische Staat", Ebola und der Ukraine-Konflikt momentan die Nachrichtenlage dominieren, schaffte es Ban Ki Moon, die Welt daran zu erinnern, dass der Klimawandel eine massive Gefahr darstellt: Dürren bedrohen die Nahrungssicherheit, der Anstieg des Meeresspiegels und Wetterextreme könnten viele Menschen in Gefahr bringen, Flüchlingsströme oder sogar Konflikte auslösen.

Die Klimanachricht kommt an

Beim Gipfel standen nicht die Verhandlungen im Mittelpunkt, sondern die große öffentliche Bekundung der Staats-, und Regierungschefs, die endlich erkannt haben, dass es Zeit ist, zu handeln. Die CO2-Emissionen haben ein Rekordniveau erreicht und steigen trotzdem immer weiter. Wenn die Welt auch nur eine minimale Chance haben möchte, die Temperaturerwärmung nicht über zwei Grad steigen zu lassen, gibt es keine Alternative, als die Emissionen drastisch zu senken - und zwar sofort.

Beim New Yorker Gipfel haben die größten Klimasünder USA und China angekündigt, eine Führungsrolle im Klimaschutz zu übernehmen. China hat versprochen, konkret zu handeln und die Emissionen bis 2020 stark zu senken. Der größte Klimasünder weltweit wird demnächst mitteilen, wann seine Emissionen den Höhepunkt erreichen. Und auch US-Präsident Obama hat sein Bekenntnis zum Klimaschutz bekräftigt. Trotz Gegenwind vom Kongress und der fossilen Lobby möchte Obama die Emissionen regulieren. Der Präsident des zweitgrößten Schadstoffemittenten weltweit möchte den Kampf gegen den Klimawandel zu seiner Mission machen. Sogar bei der vielleicht klimaskeptischsten Nation der Welt kommt die Nachricht langsam an.

Klimasünder übernehmen Verantwortung

China und die USA handeln nicht altruistisch. Beide Länder bekommen inzwischen die Auswirkungen der Erderwärmung zu spüren. Dürren und Wettextreme in den USA, Luftverschmutzung durch Kohle in China: Nichts überzeugt die eigene Bevölkerung mehr davon, auch unpopuläre Entscheidungen zu akzeptieren, als die Klimakatastrophe vor der eigenen Haustür.

Wichtige Erklärungen zur Landwirtschaft und dem Stopp der Wald-Abholzung wurden auf den Weg gebracht, Finanzzusagen für den Grünen Klimafond gemacht. Norwegen ist mit Liberia eine beispielhafte Partnerschaft eingegangen, um dort die Abholzung der Wälder bis 2020 zu beenden.

Frankreich versprach, eine Milliarde Dollar für den Grünen Klimafond beizusteuern. Die gleiche Summe hatte vor dem Gipfel bereits Deutschland angekündigt. Zugegeben - es fehlt insgesamt trotzdem noch viel Geld.

Kein Hollywoodstreifen

Die Anwesenheit der vielen Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik aus unterschiedlichsten Regionen ist wegweisend. Um den Klimawandel zu stoppen, müssen alle aktiv handeln. Angesichts der immer noch steigenden Emissionen reichen Lippenbekentnisse nicht aus.

Die Schlüsselrolle, die Ban Ki Moon dem neuen Klimabotschafter Leonardo Di Caprio beim Gipfel gegeben hat, zeigt, dass er versteht, wie die Öffentlichkeit tickt: Filmstars können auf die Bevölkerung einen größeren Einfluss haben als Politiker. In unserer von Medien dominierten Welt helfen sie, die entscheidende Nachricht rüberzubringen.

Trotzdem: Der Klimaschutz ist kein Hollywoodstreifen. Es gibt keinen Superhelden, keine Superkräfte. Der alltägliche Klimaschutz hat wenig gemeinsam mit dem Glamour der Filmwelt. Regierungen müssen ihre Hausaufgaben erledigen, neue Bedingungen schaffen, um den Umstieg auf grüne Energien zu ermöglichen. Die fossile Industrie muss Verantwortung übernehmen und ihren Teil zur Klimarettung beitragen.

Die größte Klimashow seit dem Debakel in Kopenhagen 2009 hat die Klimaverhandlungen wiederbelebt und um neue Ideen bereichert. Aber die Welt braucht mehr als eine einmalige Show. Die entscheidenden Klimaverhandlungen kommen erst noch. Und die Zeit läuft aus.

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