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Fußball

Kommentar: Weltfußballer der Herzen

Cristiano Ronaldo ist wieder Weltfußballer des Jahres, Weltmeister Manuel Neuer hat das Nachsehen und landet sogar hinter Lionel Messi auf Rang drei. Schade, findet DW-Sportredakteur Stefan Nestler.

Es gehört sich nicht, an den Ergebnissen einer Wahl herumzumäkeln. Gerade in diesen Tagen kann gar nicht oft genug darauf verwiesen werden, dass jeder ein Recht auf die eigene Meinung hat. Selbst bei der doch eher belanglosen Wahl zum Fußballer des Jahres. Dass sich Cristiano Ronaldo

erneut den Titel

holt, geht in Ordnung. Portugals Superstar ist - ebenso wie Lionel Messi, der Zweitplatzierte - ein genialer Fußballer.

Ronaldo

hat 2014 in der spanischen Liga und der Champions League Tore am Fließband geschossen und mit Real Madrid den wichtigsten Titel Europas gewonnen. Der wichtigste der Welt aber blieb Ronaldo ebenso wie Messi versagt. Und damit sind wir bei Manuel Neuer.

Wiedergeburt des Liberos

Stefan Nestler, DW-Sportredakteur. Foto: DW

Stefan Nestler, DW Sport

Der Torwart ist nicht nur mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister geworden, sondern hat ganz maßgeblich zu diesem Triumph in Brasilien beigetragen. Hätte Neuer etwa im Achtelfinale gegen Algerien, im Viertelfinale gegen Frankreich oder auch im Endspiel gegen Argentinien nicht so überragend gehalten, wäre das deutsche Team wohl mit leeren Händen nach Hause gefahren. Bei der WM bewies Neuer, dass er wie kein Zweiter den Typus des modernen Torwarts verkörpert: Er beherrscht nicht nur wie traditionelle Keeper seinen Strafraum und hat glänzende Reflexe auf der Linie. Neuer ist darüber hinaus ein spielender Torwart, gewissermaßen die Reinkarnation des Liberos: Mit seinen Ausflügen teilweise bis an die Mittellinie ersetzt er den "letzten Mann", den Defensivspieler, der bei Angriffen der eigenen Mitspieler Konter des Gegners unterbinden soll. Dafür muss Neuer jederzeit konzentriert sein, um die Aktionen des anderen Teams vorherzusehen - und auch spielerische Qualitäten besitzen. Schließlich sind ihm außerhalb des Strafraums die Hände gebunden, weil er sie als Torwart nicht benutzen darf.

Ronaldo zwischen den Pfosten

Manuel Neuer hat dieses neue Torwart-Spiel vielleicht nicht erfunden, es aber so weit perfektioniert, dass sich die Torhüter weltweit an ihm orientieren. Genial. Neuer ist wie Ronaldo, nur zwischen den Pfosten. Und darin liegt das Problem. Egal wie kreativ er seine Rolle auch interpretiert, bleibt er doch der Torwart, dessen Hauptaufgabe es ist, seinen Kasten sauber zu halten. Im Langzeit-Gedächtnis bleiben aber eher jene, die für die entscheidenden Tore verantwortlich sind: ein Ronaldo oder auch

Messi

, der unwiderstehlich durch die gegnerische Abwehr tanzt und den Ball im Netz versenkt. So werden nicht nur Spiele, sondern auch Fußball-Wahlen gewonnen. Für den Torhüter bleibt, selbst wenn er wie Manuel Neuer der beste der Welt ist, dann nur noch der Titel "Weltfußballer der Herzen" übrig. Schade eigentlich!

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