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Sport

Kommentar: Was nicht passt, wird passend gemacht

Dass die Entscheidung der FIFA, die Fußball-WM kurz vor Weihnachten auszurichten, Empörung auf breiter Front auslöst, war absehbar. Doch wir sollten nicht so traditionsbehaftet und unflexibel sein, meint Martin Muno.

Okay, wir haben den 23. Dezember 2022 in unseren Kalendern eingetragen! Zur Erinnerung: Aller Voraussicht nach ist das der Termin für das Endspiel der Fußball-WM in Katar. Verzeihung: der FIFA-Fußball-WM. Das ist übrigens ein Freitag. Jetzt haben also die Granden des Weltfußballverbandes, allen voraus der - zumindest vom Aussehen - immer mehr an Don Corleone gemahnende Sepp Blatter, die falsche Standortwahl auch noch durch eine falsche Terminwahl komplettiert. Aber ehrlich - sollen wir uns wirklich darüber aufregen?

Als Erste jammerten die Biergartenwirte: Klar, im Winter geht keiner in die Biergärten - aber da es ist doch egal, ob WM ist oder nicht. Die Wirte sollten sich ein Beispiel am Deutschen Brauerbund nehmen, der die Entscheidung sportlich nahm: "Sicher wird die Zahl öffentlicher Veranstaltungen im Winter geringer ausfallen. Aber dafür muss sich beim 'Public Freezing' niemand Sorgen machen, dass das Bier nicht kalt genug ist", heißt es in der Stellungnahme. Das nenne ich Haltung!

Traditionen versus Geld

Humorfrei reagierte der auch Chef der englischen Premier-League, Richard Scudamore, der die Terminwahl "sehr enttäuschend" nannte. Die Entscheidung beschädige Traditionen, sagte er noch. Der Mann hat Nerven: Was die Geldgier betrifft, steht die britische Elite-Liga der FIFA in nichts nach. Lediglich für die Fans wirkt seine Haltung verständlich, denn der traditionelle Spieltag am zweiten Weihnachtstag, der sogenannte Boxing Day, ist auf der Insel wichtiger als ein WM-Spiel. Doch was machen sich die Engländer Gedanken? Das Team wird aller Voraussicht nach schon zu Nikolaus wieder die Heimreise antreten. Da bleibt genug Zeit zur Vorbereitung.

Deutsche Welle Martin Muno

DW-Redakteur Martin Muno

Der Präsident des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge ist da schon realitätsnäher - immerhin ist er ein Schüler von Uli Hoeneß. Seine Äußerungen lassen sich, leicht verkürzt, so wiedergeben: Eine Winter-WM ist nicht wirklich schön, aber wenn die FIFA den Vereinen Geld gibt, könne man über alles reden. Inzwischen hat sich die FIFA aber recht hartherzig in dieser Frage gezeigt; Kompensationen werde es nicht geben, das schöne Geld wolle man auf alle Fälle selbst behalten, sagte Generalsekretär Jerome Valcke. Wir sind gespannt, wie dieses Geplänkel weitergeht.

Ein leichtes Murren war auch über den Atlantik hinweg zu hören. Die TV-Sender in den USA kritisierten, dass der Termin der Fußball-WM 2022 mit der Saison der Football League NFL zusammenfalle. Auch das ist Unsinn, denn wer geht schon davon aus, dass irgendein vernunftbegabter Mensch Fußball, der vor allem mit dem Fuß, und Football, das vor allem mit der Hand gespielt wird, verwechseln könne.

Glühwein statt Bier!

Als klare Gewinner dürfen sich die Betreiber der Weihnachtsmärkte fühlen. Da die einst beschauliche Adventszeit in deutschen Innenstädten durch die Ballung von Glühweinständen und Fahrgeschäften schon jetzt eher den Charakter einer Kirmes angenommen hat, wird ein gelegentlicher Torjubel in sieben Jahren keinesfalls störend wirken. Für TV-Designer wäre es zudem eine schöne Aufgabe, Geräte zu entwickeln, die sich harmonisch in die Adventsdekoration einfügen. Und seien wir mal ehrlich: Wer zu Silvester stundenlang vorm Brandenburger Tor ausharrt, hält auch bis zum Elfmeterschießen im Freien durch.

Doch auch als Fan kann man einiges tun: Bereiten Sie Ihre Liebsten deshalb schon früh darauf vor, dass in sieben Jahren von Ihnen keine Geschenke zu erwarten sind. Ernsthaft eine WM verfolgen und sich gleichzeitig in den vorweihnachtlichen Kaufrausch zu stürzen, dürfte die meisten von uns überfordern. Die Klage des Einzelhandels, dass der Fußball das Weihnachtsgeschäft verhagelt hat, kommt so sicher wie "Stille Nacht" in der Christmette.

Flexibel sein!

Ganz wichtig auch: Stellen Sie Weihnachtsbaum und Krippe keinesfalls vor dem Ende der WM auf, vor allem in räumlich beengten Wohnstuben. Die meist über Generationen weitergegebene Deko könnte beim unkontrollierten Torjubel empfindlich leiden.

Also: Nicht jammern, flexibel sein: Wem es zu kalt ist, der soll halt zu Hause bleiben - oder einen Adventsurlaub auf der Südhalbkugel verbringen. Ein Tipp: Bloß nicht nach Katar fahren. Da soll es im Dezember gerne heftig und andauernd regnen.