1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Kommentar: Was ist schon ein Vertrag?

Wenn ein besser dotiertes Angebot kommt, vergessen Profifußballer gern, dass sie noch vertraglich gebunden sind. DW-Sportredakteur Dirk Ulrich Kaufmann findet es bedenklich, dass nun auch das Führungspersonal so handelt.

Dirk Ulrich Kaufmann (Foto: Deutsche Welle)

Dirk Ulrich Kaufmann, DW Sport

Das erste Europapokalspiel steht an und der Innenverteidiger meldet sich krank, obwohl er in der Bundesliga gerade noch kräftig mitgemischt hat. Ein paar Wochen später unterschreibt der Spieler einen Vertrag bei einem anderen Klub und kann für seinen neuen Arbeitgeber noch in der laufenden Saison in der Champions-League spielen.

Ein Mittelfeldregisseur träumt von einer Karriere in der Primera Division und lässt sich schon einmal mit dem Trikot eines spanischen Spitzenklubs fotografieren. Dass er noch bei einem deutschen Fußballclub angestellt ist, von dem er sein fürstliches Gehalt kassiert, stört ihn wenig. Kurz darauf wechselt er natürlich zu seinem spanischen Traumklub.

Was Fans auf die Palme treibt und Sportdirektoren schier verzweifeln lässt, ist tatsächlich ärgerlich. Pacta sunt servanda? Verträge sind wohl nur noch im Lateinunterricht zu erfüllen, im Profisport offenbar nicht. Wir haben uns daran gewöhnt, dass sich Spieler nicht um ihren Vertrag scheren, aber nun reißen diese schlechten Sitten auch beim Führungspersonal ein.

Früher mal ein Traumpaar

Klaus Allofs war seit 13 Jahren Sportdirektor bei Werder Bremen. Mit Trainer Thomas Schaaf bildete er ein Gespann, um das Werder wegen seiner Seriosität und Stabilität von vielen Bundesligisten beneidet wurde. Nun hat dieses Bild tiefe Risse bekommen. Klaus Allofs wechselt zum Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg, der einen neuen Sportdirektor suchte.

Allofs' Arbeitsvertrag in Bremen lief noch bis 2015. Aber der ist das Papier nicht mehr wert, auf das er gedruckt wurde. "Warum soll ich ein Bekenntnis zu Werder ablegen? Und weiß ich denn, ob der Verein seinerseits den Vertrag erfüllen wird?" Mit diesen Argumenten verteidigte der Sportdirektor seinen Eiertanz zwischen Werder und Wolfsburg, zwischen Vertragserfüllung und vorzeitigem Wechsel.

Ein Glaubwürdigkeitsdefizit

In der Automobilindustrie gilt, dass ein Manager einige Monate aussetzen muss, wenn er zur Konkurrenz wechselt. Im Fußballgeschäft gilt das nicht - Klaus Allofs arbeitete gestern noch bei Werder und morgen beim VfL. Wir erinnern uns: Der gerade bei Wolfsburg gefeuerte Trainer und Sportdirektor Felix Magath hatte bei den Wölfen nur wenige Tage, nachdem er beim FC Schalke entlassen worden war, seine Arbeit aufgenommen. Wartezeit beim Wechsel zur Konkurrenz? Im Fußball?

Aber was schwerer wiegt: Als ein Kicker wie Claudio Pizarro um einen Vertrag zockte und damit drohte, wieder einmal den Verein zu wechseln, brachte das Werders Sportdirektor Klaus Allofs in arge Bedrängnis. Wenn der bekanntermaßen etwas schwierige Wolfsburger Profi Diego demnächst mit einem vorzeitigen Wechsel liebäugelt, wer soll ihn daran erinnern, dass er noch einen gültigen Arbeitsvertrag hat? Klaus Allofs etwa?