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Kommentar: Was für eine Tragödie im Südsudan!

Nach fünf Jahren Unabhängigkeit herrscht im Südsudan vor allem Elend. Wenn die Eliten im jüngsten Staat der Welt nicht endlich aufwachen, wird sich die Lage dort nicht verbessern, meint DW-Reporter Daniel Pelz.

Zumindest hat die südsudanesische Regierung die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag abgesagt - ein seltenes Zeichen von Anstand in einem Land, das von einer egoistischen politischen Elite geführt wird. Einer Elite, der es vielmehr um Macht geht als um Menschen.

Südsudans Informationsminister teilte den lokalen Medien kürzlich mit, dass die Regierung die knappen Gelder gerne für sinnvollere Dinge ausgeben wolle als für eine große Party. Was für ein weiser Gedanke - besonders, wenn er von einer Regierung kommt, die in der Vergangenheit für so ziemlich alles Geld hatte, außer für sinnvolle, notwendige Projekte. Investiert wurde zum Beispiel in einen überdimensionierten Militärapparat, statt in Bildung und Gesundheit.

Es gibt ohnehin nicht viel zu feiern im Südsudan. Die fünf Jahre Unabhängigkeit waren ein steiniger Weg für den jüngsten Staat der Welt und in den vergangenen beiden Jahren führte dieser Weg vor allem in eine Richtung: steil bergab.

Ein Land am Abgrund

Heute stehen im Südsudan alle Zeichen auf Krise: Mehr als ein Drittel der Bevölkerung droht zu verhungern, sagen die Vereinten Nationen. Millionen sind auf der Flucht und haben Angst vor der Rückkehr.

Pelz Daniel Kommentarbild App

Daniel Pelz berichtet für die DW aus und über Afrika

Die Währung, das südsudanesische Pfund, verliert alarmierend schnell an Wert. Und als wäre all das nicht schon genug, terrorisiert jetzt auch noch eine neue Rebellengruppe den bislang relativ stabilen Westen des Landes. 70.000 Südsudanesen haben die Milizen bereits vertrieben.

So grausam es klingt: all das ist Alltag für die Bevölkerung. Die Angreifer sind dieses Mal andere, aber das Leid bleibt das gleiche. Es gibt wahrscheinlich kein Volk auf diesem Planeten, dem so viele Rechte verweigert werden: das Recht in Frieden zu leben, das Recht auf genug Essen, das Recht auf Bildung, Gesundheit und so weiter. Das Leid reicht Jahrzehnte zurück, liegt begründet in einem blutigen Unabhängigkeitskrieg vom sudanesischen Norden.

Schluss mit den Schuldzuweisungen

Die Unabhängigkeitserklärung 2011 hat ein paar Jahre zerbrechlichen Frieden gebracht und zumindest einen gewissen Grad an Entwicklung in vielen Teilen des Landes. Doch all das scheint jetzt wieder zu zerfallen. Denn Südsudans politische Elite verschließt Augen und Ohren. Sie sollte weniger Zeit auf Verschwörungstheorien verschwenden, wer für die Misere des Landes verantwortlich ist (die Vereinten Nationen, die internationalen Medien, wer auch immer). Stattdessen könnte der ein oder andere Gedanke darüber, wie man den Menschen helfen kann, tatsächlich etwas verändern.

Ein einfaches Spiel hat viel zu lange funktioniert im Südsudan: Immer dann, wenn die Bevölkerung leidet, ruf die internationale Gemeinschaft zu Hilfe. Die Vereinten Nationen und die Nichtregierungsorganisation aus anderen Teilen der Welt sind lange nur zu gern eingesprungen. Aber so läuft das nicht mehr.

Südsudans Elite muss lernen, endlich selbst über die Zukunft zu entscheiden. Wenn die Bevölkerung Stolz für ihr Land entwickeln soll, dann müssen die politischen Feinde schon mehr tun, als nur eine Einheitsregierung zu bilden. Sie sollten ihre Streitigkeiten und Unterschiede beiseite legen, einen Plan für die Entwicklung ihres Landes vorlegen und anfangen, Geld für Schulen und Krankenhäuser auszugeben und für mehr Sicherheit. Sie sollten die Korruption bekämpfen und den vielen Geflüchteten einen Chance geben, heimzukehren. Leider sieht es nicht danach aus, als würde das in naher Zukunft geschehen.

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