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Welt

Kommentar: Wachstum allein reicht nicht

Noch ein Jahr, dann läuft die Frist für die Millenniums-Entwicklungsziele aus. Doch die Ziele, die sich die Staatengemeinschaft im Jahr 2000 gesetzt hatte, sind bereits heute überholt, meint Helle Jeppesen.

Ein neues, besseres Jahrtausend wollten die UN-Mitgliedstaaten im Jahr 2000 mit ihren Millenniumsentwicklungszielen, den MDGs, einläuten. Halbierung des weltweiten Hungers und der Armut, Ausbildung für alle, Gleichberechtigung für Frauen und Mädchen, eine deutliche Reduzierung der Kinder- und Müttersterblichkeit, Rückgang der Seuchen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria. Dazu noch sollte der Zugang zu sauberem Trinkwasser weltweit verbessert werden, denr Verlust der ökologischen Vielfalt gestoppt und eine echte globale Partnerschaft für Entwicklung geschaffen werden.

Porträt Helle Mejdahl Jeppesen

Neue Ziele sind überfällig, meint Helle Jeppesen

Im Jahr 2000 hörten sich die MDGs wie eine Utopie an und manche Ziele werden auf absehbarer Zeit in den ärmsten Ländern und Regionen eine Utopie bleiben. Doch die Zwischenbilanz der Millenniumsziele ein Jahr vor Fristablauf zeigt, dass die Weltgemeinschaft gemeinsam viel erreicht hat. Die Halbierung der weltweiten Armut ist zum Greifen nahe: Die Vereinten Nationen schätzen in ihrer Bilanz, dass heute 700 Millionen Menschen weniger als 1990 in extremer Armut leben. Immer mehr Kinder gehen zur Schule - auch das ein Erfolg der Millenniumsziele. Und die Behandlung von Krankheiten wie HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose ist heute besser als zur Jahrtausendwende.

Doch mit den Zielen kam auch die Ernüchterung und die Erkenntnis, dass die globalisierte Welt weitaus komplexer ist, als die Ziele es vermuten ließen. Die Vision von "Würde, Gleichheit und Gerechtigkeit" für alle ist noch weit entfernt. Es reicht nicht Wirtschaftswachstum anzukurbeln, um Armut zu bekämpfen. Die Theorie, wenn die Wirtschaft wachse, komme der neue Wohlstand schon unten bei den Ärmsten an, hat sich als Mär erwiesen. Nur die Kosten kommen unten an: Klimawandel, Umweltzerstörung, Sozialkürzungen und Steuerreformen treffen vor allem die sozial Schwachen. Die Reichen sind dagegen immer reicher geworden: Die 85 reichsten Menschen der Welt besitzen heute so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, sprich: 3,5 Milliarden Menschen.

Verursacher sollen Kosten für soziale Ungleichheit tragen

Das mittlerweile gar nicht mehr so neue Schlüsselwort der internationalen Gemeinschaft heißt deshalb "Nachhaltigkeit". Die Strategien für eine globale nachhaltige Entwicklung werden bereits ausgearbeitet: Im nächsten Jahr, 2015, wenn die Frist der Millenniumsentwicklungsziele ausläuft, soll die Generalversammlung der Vereinten Nationen die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele, die Sustainable Development Goals, verabschieden. Sie sollen dann für alle gelten: Nicht nur die Entwicklungs- und Schwellenländer, sondern auch die Industrieländer sollen ihre Wirtschaft und die globale Verteilung überdenken.

Ziel: Eine sozial- und umweltverträgliche globale Entwicklung für alle. Das mag utopisch klingen und die große Frage wird sein, ob die UN-Mitgliedstaaten tatsächlich bereit sein werden, die Wirtschaft so zu überdenken, dass die Kosten für Klimawandel, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheit von den Verursachern und nicht von den Opfern getragen werden. Eine globale und soziale Umverteilung wäre der wichtigste Schritt in Richtung nachhaltiger Entwicklungsziele als Nachfolger der MDGs. Und überfällig, wenn der Planet Erde für kommende Generationen der Menschheit eine Zukunft in "Würde, Gleichheit und Gerechtigkeit" bieten soll.

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