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Standpunkt

Kommentar: Vorbildliche Aufklärung bei den Regensburger Domspatzen

Der weltberühmte Knabenchor steht für den größten Gewalt- und Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland. Mit dem Abschlussbericht wurde nun ein gutes Beispiel gegeben, meint Christoph Strack.

Die körperliche und auch sexuelle Gewalt bei den Regensburger Domspatzen ist ein dunkles, trauriges Kapitel. Und doch hat das Bistum - endlich - mit der Aufklärung auch ein Beispiel gegeben. Dem sollten andere folgen.

547 Buben, 547 Opfer von Gewalt - körperlicher oder sexueller Gewalt. Der Abschlussbericht zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen bringt Licht in ein dunkles Stück kirchlicher Nachkriegsgeschichte. Verantwortlich sind auch prominente Köpfe. Es hat lange, zu lange gedauert, bis das nun - von unabhängiger Seite - umfassend aufgeklärt wurde.

Verantwortungsvoller Umgang ist möglich

So merkwürdig es klingt - die katholische Kirche hat mit diesem Stück Aufklärung ein Beispiel gegeben für konsequente Aufklärung. Das macht die Jahrzehnte der körperlichen oder sexuellen Gewalt an Schutzbefohlenen nicht besser. Aber es zeigt, dass es einen verantwortungsvollen Umgang gibt mit dieser dunklen Zeit. Und dass aus der Schuld Einzelner zumindest eine Verantwortung erwächst, der sich die Institution Kirche konsequent stellen kann und muss.

Strack Christoph Kommentarbild App

Christoph Strack ist Kirchenexperte der DW

"Das gesamte Erziehungssystem", sagte Anwalt Ulrich Weber bei der Vorstellung des Berichts, "war auf den Erfolg des Chores ausgerichtet". Und er fügte hinzu: "Um diese Ziele zu erreichen, wurde auch Gewalt eingesetzt". Weber sprach von einem "Dreiklang aus Gewalt, Angst und Hilflosigkeit". Diese Aspekte des quasi-professionellen Drucks, der an früheren Drill erinnert und auf Minderjährigen lastet, haben die Domspatzen nun geradezu beispielhaft in den Blick genommen. Es gibt andere prominente Kinderchöre in Deutschland. Es gibt, vor allem, den Breitensport. Nachdem 2010 der "Runde Tisch Sexueller Missbrauch" der Bundesregierung seine Arbeit aufnahm und wichtige gesellschaftliche Gruppen zusammenholte, hörte man öfter als einmal, dass der Sport sich schwer tue mit Aufarbeitung.

Was bei den Domspatzen nun gelang (und alles gelang gewiss auch da nicht), steht andernorts noch an: das offene Wort, die andere Erinnerung, die Einbindung unabhängiger Experten und Juristen. Und die Hilfsangebote an die, die zu Opfern wurden und im Leben vielleicht scheiterten. Darin ist das Bistum Regensburg beispielhaft - und hat dies, zwischenzeitlich bockig an der Spitze, erst lernen müssen.

Wirkliche Kompensation kann es nicht geben

Deshalb Respekt vor der nun praktizierten Offenheit. Denn nur die Erinnerung mag befreien. Wer jetzt bei Regensburg und den Domspatzen nur an Verbrechen und Schuld denkt, macht es sich zu einfach. Es gibt, auch das gehört zu diesem weltbekannten Chor, inzwischen Aufklärung, Aufarbeitung und Verantwortung.

Und sage niemand, dass finanzielle Anerkennung, die in Regensburg auch fließt, irgendetwas kompensiert. Es ist gut, dass es Leistungen gibt für die, deren junges Leben in Turbulenzen gewirbelt wurde. Die begrenzten Summen bleiben symbolisch, entschädigen kann man da letztlich nichts. Und längst nicht alle Opfer reichten überhaupt einen entsprechenden Antrag ein.

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