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Verzweiflung aushalten, das Leben feiern

26. März 2016

Ostern ist weit mehr als die Wiederkehr einer religiösen Botschaft. Es ist das Vertrauen darauf, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. In Zeiten der Verunsicherung gibt das neu zu denken, meint Christoph Strack.

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Jerusalem - Grabeskirche
Bild: Getty Images/I. Yefimovich

Wie leicht sagt es sich dahin, "frohe Ostern", "schöne Ostern". Es ist freundlich gemeint, aber es kaschiert die Dramatik dieses Festes. Ostern ist das Fest des Lebens und zeigt, dass das Leben stärker ist als der Tod. Ein großes Welttheater von Verlassenheit und Verzweiflung, aber auch Rettung und Hoffnung. Aber es bleibt eine Provokation - für religiöse wie nicht religiöse Menschen.

Angesichts der Karwoche 2016 bekommt diese Provokation eine neue, ernste Dimension. Der Terror von Brüssel brachte mehr als 30 Menschen den Tod. Hunderte wurden verletzt, Tausende bleiben in Trauer und Sorge um Angehörige und Freunde. Und irgendwie sind alle verunsichert. In Istanbul, Paris, Brüssel und an vielen anderen Orten der Welt.

Leid gehört zum Leben

Der Karfreitag steht für die Gottesferne. Der Schrei Jesu am Kreuz ist der Schrei des Verzweifelten. Und immer, erst recht nach Auschwitz, gibt es auch nicht-glauben-können und nicht-glauben-wollen. Dieser Karfreitag gehört zum Leben. Immer. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, wurde dieser Tage nach der Hoffnung angesichts von Terror und Krieg, Flüchtlingselend und wachsender Radikalisierung der Gesellschaft gefragt.

Christoph Strack (Foto: DW)
Christoph StrackBild: DW

"Ostern heißt, nicht alles Leid zu verdrängen", erwiderte der Bischof. "Dieses Fest reflektiert Abgründigkeit und tiefes Leid. An Karfreitag gedenken wir des Sterbens Jesu. Er hat am Kreuz gerufen: ‘Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen‘ Gott leidet in seinem Sohn Jesus. Das bringt ihn nah zu den Menschen - gerade zu denen, die so etwas erlebt haben wie jetzt die Opfer der Terroranschläge von Brüssel und ihre Familien." Diese Nähe zu den Menschen ist es, die das Werk von Befreiungstheologen prägt oder die aus dem Ruf zur Barmherzigkeit von Papst Franziskus spricht.

Das Leben ist heilig

Gott ist Macht-los, und Religion ist Macht-los. Wer meint, er müsse sich im Namen seiner Religion Macht über das Leben von Menschen anmaßen, Macht auch zu töten, der irrt. Das gehört zum Erbe des 20. Jahrhunderts, dass das Leben heilig ist. In Debatten um Flüchtlinge und um gesellschaftliches Miteinander, in der Angst vor dem Terror und im Stolz gegenüber den Terroristen sollten wir das nie vergessen.

Mit all dem ist Ostern eben die Erinnerung daran, dass die Vernichtung des Todes nicht das letzte Wort hat und der Glaube an das Leben obsiegt. Wenn gelegentlich die jüdisch-christliche Prägung Europas beschworen wird, dann gehört dieser Kern gewiss dazu.

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