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Wissen & Umwelt

Kommentar: Verbote ersetzen keine moderne Müllentsorgung

Die EU hat den Plastiktüten den Kampf angesagt. Doch Verbote in Industriestaaten sind reine Symbolpolitik. Viel wichtiger wären Müllsammlung und moderne Verbrennungsanlagen in Schwellenländern, meint Fabian Schmidt.

Gelangt Plastikmüll in die Umwelt, ist das zweifellos schädlich: Vögel, Schildkröten, Fische und Meeressäugetiere sterben, wenn sie Plastiktüten fressen. Mikroplastik sammelt sich in der Nahrungskette an und die Polymere landen letztlich wieder auf unserem Teller.

Aber durch hohe Strafgebühren auf Plastik-Einkaufstüten oder gar ein Verbot wird sich an diesem Problem überhaupt nichts ändern, wenn es nur in den entwickelten Industriestaaten umgesetzt wird. Denn überall dort, wo es gut funktionierende Müllentsorgungssysteme gibt - wie etwa in Deutschland oder Singapur - gelangt nämlich ohnehin so gut wie kein Plastikmüll in Flüsse und Meere.

Unterschiedlich starkes Umweltbewusstsein

Zudem herrscht in solchen Ländern in der Öffentlichkeit ein stark entwickeltes Umweltbewusstsein. Wer seinen Müll einfach in die Landschaft kippt, muss damit rechnen, beobachtet, angezeigt und empfindlich bestraft zu werden. Weil andere Bürger eben nicht einfach wegschauen.

Fabian Schmidt (Foto:DW)

DW-Redakteur Fabian Schmidt

Anders sieht es in Schwellen- und Entwicklungsländern wie Indien aus, oder auch im Olivengürtel der Europäischen Union, etwa in Süditalien oder Griechenland. Hier werden Flussläufe gerne als illegale Müllkippen missbraucht - aus den Augen, aus dem Sinn! In solchen Ländern kann zwar ein Einkaufstüten-Verbot die Lage etwas lindern. Aber das Grundproblem mit dem Plastikmüll löst es überhaupt nicht, denn auch ohne Tüten wird dort weiterhin viel zu viel Müll in die Meere gelangen.

Das einzige was wirklich hilft, ist eine funktionierende und systematische Müllsammlung und -entsorgung. Und die kann es ohne moderne Müllverbrennungsanlagen nicht geben. Sie sind, neben dem Recycling, die einzige saubere, umweltfreundliche und wirtschaftliche Form der Müllentsorgung. Und sie lösen viel mehr Probleme, als nur die Verschmutzung der Meere durch Plastiktüten.

Moderne Müllverbrennung fast ungiftig

Wird der Müll professionell verbrannt, entstehen praktisch keine giftigen Abgase mehr. Eine moderne Müllverbrennungsanlage, die über eine halbe Million Tonnen Abfälle im Jahr bewältigen kann, stößt weniger hochgiftige Dioxine und Furane aus, als ein einziger brennender Müllcontainer, wie man ihn in vielen Entwicklungsländern an jeder zweiten Straßenecke findet. Und nur die Müllverbrennung kann sicherstellen, dass Gifte nicht in den Boden und das Grundwasser gelangen, wie es bei Mülldeponien sehr oft der Fall ist.

Verbieten oder beschränken aber entwickelte Länder, die schon jetzt vorbildlichen Umweltschutz praktizieren, nun auch die Nutzung von Einkaufstüten, bleibt das reine Symbolpolitik - ähnlich der Pflicht wassersparender Duschköpfe in Starkregengebieten: wirkungslos und voll vorbei am eigentlichen Problem.

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