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Leichtathletik

Kommentar: Usain Bolt geht als Mensch

Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, rannte einst wie ein Außerirdischer. Nun tritt er ab - tatsächlich geschlagen. Das macht den Jamaikaner wieder menschlicher, kommentiert Joscha Weber.

Großbritannien London - Usain Bolt bei 16th IAAF World Athletics Championships (Getty Images/IAAF/A. Hassenstein)

Superhelden gibt es im Kino oder Comic. Und auf der Tartanbahn: Usain Bolt.

Er hat diese gewisse Aura. Usain Bolt betritt den Raum und alle Augen richten sich auf ihn. Sein Gang ist federnd, seine Bewegungen fließend, sein Lächeln verschmitzt. 1,95 pures Selbstbewusstsein. Ein Siegertyp, der überall auf der Welt bewundert wird. Übrigens auch von sich selbst. Bolt sagt über sich: "The Greatest of all time." Dass dieser Titel bereits Muhammad Ali gehört, stört ihn nicht weiter, im Gegenteil. Er liebt die historischen Vergleiche, er lebt für die ganz große Show. So wie Ali. Und nun hat Bolt noch etwas mit ihm gemeinsam: Er hat den richtigen Moment zum Aufhören verpasst.

Nicht mehr der Alte

Weber Joscha Kommentarbild App

DW-Sportredakteur Joscha Weber: "Usain Bolt verdient - trotz der Zweifel - großen Respekt. Seine Leistungen sind einmalig, sein Unterhaltungsfaktor ebenfalls."

Ali ging zu spät aus dem Ring und verlor Anfang der 80er Jahre seine beiden letzten Kämpfe - bereits gezeichnet von der Parkinson-Krankheit. Usain Bolt trat mit Gold behangen und ungeschlagen von der großen Bühne bei den Olympischen Spielen ab - um dann noch einmal bei der WM zu starten. Im Nachhinein wohl ein Fehler. Von Verletzungen in der Vorbereitung ausgebremst, ist der inzwischen 30-jährige Bolt in London nicht mehr der Alte. Über die 100 Meter lief er - bis dahin undenkbar - nur auf Rang drei. Über die 200 Meter trat er nicht an. Und sein letztes Rennen musste er verletzt abbrechen - was für ein Drama.

Bolt tritt ab und weiß genau: Der letzte Eindruck zählt in dieser schnelllebigen Welt, auch und vor allem im Sport. Der Jamaikanische Superstar hätte als ungeschlagenes Phänomen gehen können, doch er hörte nicht auf seinen Körper. Bei den Spielen in Rio 2016 war er noch der Schnellste, aber schon ein gutes Stück von seinen eigenen Rekorden entfernt, obwohl er die dort angreifen wollte. Ein Signal, das Bolt überhörte - oder vielleicht auch auf Druck seiner Sponsoren überhören musste.

Verneigung vor einem der größten Sportler der Geschichte

Leichtathletik-WM 100-Meter-Finale (Reuters/E. Keogh)

Tatsächlich geschlagen: Bolt (2.v.r.) verliert sein letztes Einzelrennen in London.

Mit in den Sprinter-Ruhestand nimmt Usain Bolt eine große Frage: Dürfen wir seine Geschichte glauben? Acht Olympiasiege, elf Weltmeistertitel und Fabelweltrekorde über 100 (9,58 Sekunden) und 200 Meter (19,19 Sekunden) stehen symbolisch für einen Sprinter von einem anderen Stern. Bolt rannte über Jahre in einer eigenen Liga, teilweise so weit vor der Konkurrenz, dass seine irdische Herkunft tatsächlich infrage stand. Natürlich wecken seine Erfolge Zweifel. Wie kann es sein, dass der Weltrekordhalter sauber ist, wenn alle anderen Läufer unter den zehn schnellsten der Welt des Dopings überführt, vor Gericht stark belastet oder gar lebenslang gesperrt wurden? Ein Rätsel, das nur Bolt lösen kann - oder möglicherweise Nachtests mit neuen Methoden.

Da - anders als bei seinen überführten Landsleuten Yohan Blake, Asafa Powell und Nesta Carter - bei Bolt niemals verbotene Substanzen oder Methoden nachgewiesen wurden, bleibt festzuhalten: Wir verneigen uns vor Usain Bolt. Einer der größten Sportler der Geschichte geht und verdient Respekt. Seine Leistungen sind einmalig, sein Unterhaltungsfaktor ebenfalls. Und dass er am Ende doch schlagbar war, macht ihn irgendwie wieder ein Stück menschlicher.

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