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Kommentar: USA vs. VW: Da läuft was falsch

Der Druck auf den VW-Konzern wegen des Abgasskandals wird in den USA immer größer. Dabei scheint aber einigen Akteuren das rechte Maß abhanden zu kommen, meint Henrik Böhme.

Wer jemals einen Brötchentoaster "made in USA" gekauft hat, dem wird eine ziemlich dicke Bedienungsanleitung aufgefallen sein. Auf zwei Seiten wird erklärt, wie das Ding funktioniert, der ganze Rest des Büchleins beschreibt Dinge, die man mit dem Toaster NICHT tun sollte. Nicht die Hände in den Toasterschlitz stecken, auch keine Katzen, Hunde etc. Würde es nicht drinstehen und irgendein Depp würde es machen, wäre ihm ein millionenschwerer Schadensersatz sicher - und der Toaster-Hersteller Wahrscheinlichkeit danach pleite.

Aber irgendwie haben die Software-Schummler von Volkswagen keinen Brötchentoaster "made in USA" in ihren Küchen stehen. Anders lässt sich die von ihnen begangene Dummheit nicht erklären. Und wer aus welchem Grund auch immer geglaubt haben mag, die Wogen, die der Abgasskandal im letzten Viertel des vergangenen Jahres geschlagen hat, würden sich schon irgendwie wieder glätten, und man käme da schon irgendwie mit ein paar Vergleichen aus der Sache raus, der sieht sich spätestens seit letzter Nacht getäuscht. Denn da wurde bekannt, dass zusätzlich zu den rund 500 vorliegenden Klagen von Privatpersonen und zusätzlich zu den laufenden Ermittlungen in zahlreichen US-Bundesstaaten auch die US-Regierung höchstselbst eine Zivilklage gegen Volkswagen eingereicht hat. Und zwar - sicher rein zufällig - kurz vor Beginn der wichtigen Automesse in Detroit.

Der Staat USA versus Volkswagen also

Boehme Henrik Kommentarbild App

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Das ist ein harter Schlag für VW, denn die Vorwürfe sind heftig. Dabei geht es nur in zweiter Linie um die Schummeleien. Schwerer wiegt die Vorhaltung, VW habe sich bei den bisherigen Ermittlungen nicht kooperativ gezeigt. Und - nicht weniger heftig: Mit seinen Autos habe VW gegen die "Gesetze unserer Nation zur Luftreinhaltung" verstoßen. Spätestens da fällt dem Verfasser dieses Kommentars das Atmen schwer. Die USA, einer der größten Luftverschmutzer dieses Planeten, werfen einem europäischen Autobauer vor, mit gerade mal 600.000 Autos die Luft so zu verpesten, dass eine noch nicht definierte Zahl von Menschen daran gestorben ist? Ausgerechnet die Amerikaner, die immer noch am liebsten einen Ford F-150 Pickup kaufen, am liebsten mit einer 6,2-Liter-Maschine und einem Durchschnittsverbrauch von 15 Litern Benzin? Geht's noch?

Da läuft etwas falsch.

Es hat nachweisbar Tote gegeben, und zwar fast 100, weil der US-Autobauer General Motors Wagen mit defekten Zündschlössern zu spät zurückgerufen hat. GM hatte im Jahr 2015 in einem Vergleich eine Strafe von 900 Millionen Dollar akzeptiert und zahlt zusätzlich für jedes Opfer eine Million plus 300.000 Dollar für Hinterbliebene und Unterhaltsberechtigte. VW, so haben es flinke Rechner gerechnet, droht eine Strafe von bis zu 37.000 Dollar pro Auto, das wären rund 22 Milliarden Dollar. Mancher kommt beim Weiterrechnen auf 90 Milliarden, das wäre der Todesstoß für VW. Und vielleicht ist es genau das, was so manchem in Washington vorschwebt. Ein Konkurrent weniger für die einheimische Industrie. Apropos Industrie.

Im Frühjahr sind die USA Partnerland auf der weltgrößten Industriemesse. Sie findet statt in Hannover im Bundesland Niedersachsen. Das ist das Land, in dem der VW-Konzern sein Stammwerk hat. Präsident Obama hat sein Kommen angekündigt, und neben ihm wird dann auch der ein oder andere aus der VW-Chefetage stehen oder sitzen. Pikant, pikant. Der Wirtschaftsminister von Niedersachen, ein gewisser Olaf Lies, zum Beispiel ist Aufsichtsratschef des Messeveranstalters Deutsche Messe AG und sitzt zugleich im Aufsichtsgremium von VW. Vielleicht kommt er ja noch auf die Idee, dass das mit dem diesjährigen Messepartner USA kein wirklich guter Plan ist.

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