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Kommentare

Kommentar: USA und Indien - ein positives Bündnis

Die USA hofierten Indiens selbstbewusst auftretenden Regierungschef Modi bei dessen Besuch aus gutem Grund, meint Miodrag Soric: Der Aufstieg Chinas lasse beide Länder zusammenrücken.

Eigentlich ist der indische Premier Modi ist für seine "deutschen Tugenden" bekannt: Er arbeitet gerne und viel, schläft - so heißt es - drei Stunden die Nacht. Und ist immer pünktlich. Doch als er in Washington D.C. vor den amerikanischen Abgeordneten und Senatoren sprechen soll, lässt er sie 15 Minuten warten. Zufall? Vielleicht. Vielleicht auch der Ausdruck seines Selbstbewusstseins. Schließlich haben die USA Modi jahrelang die Einreise verweigert; angeblich weil der selbst ernannte Hindu-Nationalist 2002 als Gouverneur eines indischen Teilstaats mitschuldig war an religiös motivierten Auseinandersetzungen. Damals kamen über 1000 Muslime ums Leben.

Soric Miodrag (Foto: DW)

Soric Miodrag, für die Deutsche Welle als Korrespondent in Washington

Doch inzwischen - und daran erinnerte Modi in seiner Rede - haben sich die Zeiten geändert. Die USA hofieren den Gast aus Indien. Aus gutem Grund: Vor allem der militärische und wirtschaftliche Aufstieg Chinas lässt die USA und Indien zusammenrücken. Beide Staaten verfolgen mit Misstrauen, wie Peking seinen Einfluss auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent stetig ausweitet. Anders als in Europa verfügt Washington in Asien nicht über ein Verteidigungsbündnis wie die NATO. Also schmiedet es bilaterale Bündnisse. Oder - wie im Fall Indien - versucht es zumindest. Denn Indien wird sich nicht vor den "amerikanischen Karren" spannen lassen: Modi will auch mit China und Russland kooperieren. Der indische Premier genießt es, umworben zu werden. Auch von Washington.

Aus europäischer Perspektive gut

Sein Land hat er beim USA-Besuch, hier passt der Begriff: würdig repräsentiert. Im US-Kongress hielt er eine 'amerikanische Rede': Er dankte den Amerikanern für Ihren Einsatz im Kampf gegen den internationalen Terrorismus; er wurde persönlich, als er schilderte, wie er als jüngerer Mann 25 US-Staaten bereiste und die Amerikaner für ihre Freiheitsliebe schätzen lernte; er zeigte Humor, als er auf die Zerstrittenheit im US-Kongress anspielte - das würde ihn stark an das Parlament in New Delhi erinnern. So etwas hören amerikanische Abgeordnete und Senatoren gerne. Seine 50 Minuten dauernde Rede unterbrachen sie 60 Mal mit teilweise lang anhaltendem Applaus.

Letztlich kann es auch aus europäischer Perspektive nur gut sein, wenn Indien und die USA näher zusammenrücken. Ob bei dem Themen Klimaschutz, Proliferation oder Kampf gegen den militanten Islamismus - ohne die Kooperation der beiden weltweit größten Demokratien bewegt sich wenig.

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