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Kommentar: US-Vorwahlen - Ein Ende ohne Sieger

Noch vor dem Finale mit Vorwahlen in sechs Bundesstaaten hat Hillary Clinton dank der Superdelegierten genug Stimmen, um Präsidentschaftskandidatin der Demokraten zu werden. Gewinner sehen anders aus, meint Ines Pohl.

Die Vorwahlen in den USA sind lang und kompliziert. Doch nun haben beide Lager ihre Kandidaten: Hillary Clinton wird gegen Donald Trump um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen. Und andersherum. Gewinner aber, die mit einer deutlichen und kraftvollen Unterstützung der eigenen Partei in den eigentlichen Präsidentschaftswahlkampf ziehen, sehen anders aus.

Trumps größter Feind ist: Trump

Dabei könnten die Probleme beider Kandidaten kaum unterschiedlicher sein. Donald Trumps größter Feind heißt Donald Trump. Ein alternder, reicher Mann, der sich mit seinen hasserfüllten, selbstverliebten und eruptiven Ausfällen viele Feinde bei den Republikanern gemacht hat, weiter machen wird und machen sollte.

Hillary Clinton hingegen muss an mindestens zwei Fronten kämpfen. In den vielen Jahren in politischen Ämtern hat sie eine Menge Fehler gemacht oder zu verantworten. Auch sie kann auf entsprechend viele Gegner zählen. Insofern ist Hillary Clinton sich selbst die große Feindin. Dazu kommt aber eine ganz reale Person, die ihr auch nach der Nominierung noch viel Ärger bescheren kann.

Revolution in der Komfortzone

Bernie Sanders hat die Vollblutpolitikerin in einer Art und Weise herausgefordert, die niemand erwartet hat. Mit seinen flammenden Reden von Revolution hat Sanders (74) die Rivalin Clinton (68) alt aussehen lassen. Wie eine Powerfrau, der es vor allem um den Systemerhalt geht, weil sie darin Macht und Reichtum erworben hat.

Pohl Ines Kommentarbild App

Ines Pohl, DW-Korrespondentin in den USA

Besonders die jungen Amerikanerinnen und Amerikaner sind auf diese Revolutionslyrik angesprungen. Getrieben von ganz realen Sorgen, etwa schon in der Ausbildung angesammelte Schulden. Getrieben aber auch von recht verklärten Träumen einer Revolution, die möglich sein soll, ohne die eigene Komfortzone zu verlassen.

Dabei hat Sanders unbestritten existentielle Themen wie soziale Gerechtigkeit in diesen merkwürdigen Wahlkampf eingebracht, die sonst außen vor geblieben wären. Das ist und bleibt sein Verdienst. Seinen Anhängern aber wird das nicht genügen. Diese engagierten Menschen haben verloren. Clinton, nicht Sanders, hat die notwenigen Stimmen gesammelt. Und diese Rote Linie wurde ausgerechnet von ein paar reichen Superdelegierten gezogen. Viel Stoff für Mythenbildung. Wer wüsste nicht, dass die erste verlorene Liebe am meisten schmerzt.

Neuland für Clinton

Was heißt das alles für Hillary Clinton, die erste Frau in der Geschichte der Vereinigten Staaten, die wohl Präsidentschaftskandidatin wird? Mit der Nominierung wird sie Neuland betreten. Denn auch wenn sie schon einmal darum gekämpft hat, war sie noch nie die auserkorene Kandidatin.

Wird sie es schaffen, das als Befreiungsschlag zu nutzen? Als Chance, die oft berechnenden Floskeln wegzulassen und so zu sprechen und zu sein, wie sie es sein kann, wenn sie sich sicher fühlt? Wird sie sich selbst erlauben, Fehler einzugestehen und ein Gesicht zu zeigen, dem die Menschen glauben, weil sie es als ehrlich wahrnehmen? Und was wird Bernie Sanders tun? Kann er solidarisch sein in der Niederlage? Oder will er sein Denkmal zementieren und seine Behauptung, dass es kein richtiges Leben im falschen geben kann?

Es geht um Authentizität

Populismus und unbelegte Versprechen haben diesen Vorwahlkampf geprägt. Will Hillary Clinton nach dem ersten schwarzen Präsidenten ins Weiße Haus einziehen, muss sie eine Waffe entwickeln, die Argumente ihrer Gegner auszuhebeln. Die analytischen Fähigkeiten dazu hat sie. Bemerkenswerterweise muss es ihr, der ersten weiblichen Präsidentschaftskandidatin, gelingen, die passenden Emotionen zu zeigen. Nicht gelernt, sondern gelebt. Und überzeugend.

Denn darum geht es hier in den USA. Die Wählerinnen und Wähler wollen Authentizität. Mehr als Programme und Konzepte.

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