Kommentar: US-Demokraten in Alabama siegen nur dank Rückenwind | Kommentare | DW | 17.12.2017
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Standpunkt

Kommentar: US-Demokraten in Alabama siegen nur dank Rückenwind

Der überraschende Wahlsieg des demokratischen Kandidaten Doug Jones als Senator in Alabama ist auch eine Schlappe für Präsident Donald Trump. Doch dieser Erfolg sollte nicht überbewertet werden, meint Michael Knigge.

Alabama Senats-Nachwahl Wahlen Doug Jones (picture-alliance/Zuma/B. Cahn)

Der frisch gewählte Senator dankt den Wählern, welchen er seinen Sieg vor allem zu verdanken hat

Zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert wird demnächst wieder ein demokratischer Senator den Bundesstaat Alabama im Kongress vertreten. Im durch und durch konservativen Alabama war das aber nur unter ganz besonderen Bedingungen möglich.

Erstens scheint nach verschiedenen Umfragen die Wahlbeteiligung der Afro-Amerikaner phänomenal hoch gewesen zu sein. Und 96 Prozent von ihnen stimmten für den demokratischen Kandidaten Doug Jones. Für Jones stimmte offenbar ein ähnlich hoher Anteil der Schwarzen in Alabama wie seinerzeit für Barack Obama bei der Präsidentschaftswahl 2008. Und vor allem ein sehr viel größerer Prozentsatz als für Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr.

Mobilisierung der Afro-Amerikaner

Der Erfolg von Jones dürfte zum Teil auf die enorme Mobilisierungskampagne der Schwarzenorganisation NAACP sowie der Demokratischen Partei unter der schwarzen Bevölkerung zurückzuführen sein. Medienberichte über angebliche Versuche, Minderheiten in Alabama vom Gang an die Urne abzuhalten, könnten ebenfalls eine Rolle gespielt haben.

Michael Knigge Kommentarbild App

Michael Knigge ist DW-Korrespondent in Washington

Zweitens haben nicht so viele weiße Wähler, die in Alabama normalerweise mit überwältigender Mehrheit republikanisch wählen, diesmal für den umstrittenen Kandidaten der Republikaner, Roy Moore, gestimmt. Zwar stimmten nach Umfragen immer noch fast 70 Prozent von ihnen für Moore. Das sind aber deutlich weniger Weiße, als bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr für Trump gestimmt haben.

Drittens war Doug Jones nicht nur ein glaubwürdiger Kandidat, sondern ist auch einer, der in einem für Demokraten sehr feindlichen Umfeld einen sehr guten Wahlkampf geführt hat.

Doch noch wichtiger für das Ergebnis war wohl der ramponierte Ruf von Roy Moore: Ihm wird nämlich sexuelle Belästigung von damals Minderjährigen vorgeworfen, außerdem ist er ein politischer und religiöser Extremist. Ihm gelang es vor diesem Hintergrund einfach nicht, genug Stimmen zu sammeln, um gegen die breite Unterstützung der Afro-Amerikaner für Jones anzukommen.

Jeder andere Republikaner hätte wohl gewonnen

Dass Trump und die Republikaner einen Kandidaten wie Moore überhaupt unterstützt haben, zeigt die ganze moralische Verkommenheit der Grand Old Party. Zum Glück ging dieser Schuss nun nach hinten los. Statt Moore wird nun der Demokrat Jones Alabama in Washington vertreten - Jones, der einst als Staatsanwalt einen Strafprozess gegen frühere Mitglieder des Ku-Klux-Klan geleitet hat. Angeklagt waren sie wegen eines Anschlags auf eine Baptistenkirche im Jahr 1963. Dabei waren vier schwarze Mädchen getötet worden.

Jones' Sieg bei der Senatorenwahl ist gewiss ein großer Erfolg. Und doch sollte er auch nicht überbewertet werden. Denn sogar unter den besonders günstigen Bedingungen reichte es gerade einmal für einen Vorsprung von weniger als zwei Prozentpunkten für den demokratischen Bewerber. Hätten die Republikaner irgendeinen anderen Kandidaten als Moore aufgestellt, hätte der ziemlich sicher gewonnen.

Das heißt nicht, dass die Demokraten in anderen konservativen Bundesstaaten oder Bezirken grundsätzlich keine Chance hätten. Denn sie stehen landesweit im Kampf gegen einen Präsidenten der Republikaner, der jenseits des harten Kerns seiner Anhängerschaft in weiten Teilen der Gesellschaft unbeliebt ist. Doch für ähnliche Siege wie in Alabama brauchen sie weiterhin viel Rückenwind.  

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