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Kommentare

Kommentar: Tsipras entscheidet gegen sein Land

Die Finanzminister der Eurogruppe konnten nicht mehr anders handeln, als nach allen Provokationen und gebrochenen Versprechen der griechischen Regierung das "Aus" zu beschließen, meint Barbara Wesel.

Am Ende brauchten die Finanzminister der Eurogruppe nicht länger als zwei Stunden, um ihrem griechischen Kollegen die Tür zu weisen. Yannis Varoufakis fand kein Gehör mehr für seine "Belehrungen". Stattdessen zogen die 18 anderen Mitglieder der Währungsunion ziemlich zügig die Konsequenz aus dem Verhalten seiner Regierung. Sie hatten bisher mit Athen wahrhaft buddhistische Geduld gezeigt und ließen sich fünfmal in zehn Tagen nach Brüssel zitieren, nur um immer wieder auf die Unnachgiebigkeit und den Fundamentalismus der Radikalos aus Griechenland zu stoßen. Alexis Tsipras und seine Minister glaubten wohl, sie könnten die Eurogruppe nicht nur am Seil durch die Manege führen, sondern ihr am Ende doch noch den eigenen Willen aufzwingen. Oder wollten der Premier und seine Syriza Partei am Ende überhaupt kein Ergebnis? Die Mehrheit der Finanzminister kam schließlich zu dem Ergebnis, dass Athen den Bogen überspannt hat, und machten dem Fortsetzungsdrama schließlich ein Ende. Und das war höchste Zeit!

Unverschämtheit als politisches Mittel

Barbara Wesel Studio Brüssel

Barbara Wesel, DW-Korrespondentin in Brüssel

Die Bundeskanzlerin hatte gerade nach dem Gipfeltreffen in Brüssel noch einmal appelliert, Athen solle das Angebot der Gläubiger doch annehmen, es sei außergewöhnlich großzügig. Nur Stunden später folgte die Antwort: Alexis Tsipras kündigte in einer Fernsehansprache ein Referendum an, und empfahl seinem Volk den Vorschlag abzulehnen. Das ist diplomatisch betrachtet so ziemlich die größte denkbare Unverschämtheit. Denn am Mittag desselben Tages hatte Tsipras einmal mehr das private Gespräch mit Merkel und dem französischen Präsidenten Hollande gesucht. Da hat er, so weit man weiß, den beiden noch nichts von seinen Plänen erzählt. Am Abend dann gab es wohl ein Telefonat mit Berlin, was an der Brüskierung aber nichts mehr änderte. Als Angela Merkel noch ihre Hoffnung für ein positives Ergebnis erklärte, muss ihr griechischer Kollege seinen Plan längst gefasst haben, die monatelangen Verhandlungen in die Luft zu sprengen.

Von Anfang an verstieß diese griechische Regierung gegen jede politische und diplomatische Spielregel. Da ging es um mehr als bloße Unhöflichkeit oder revolutionäre Direktheit. Die griechischen Vertreter benahmen sich gleichzeitig überheblich und unverschämt, ohne dass je zu erkennen war, worauf ihre grenzenlosen Ansprüche beruhten. Sie wollten im Grunde die Finanzierung ihrer Regierung durch die europäischen Steuerzahler, ohne zeitliche Grenze und ohne Auflagen. Dafür sollten sich die anderen Euroländer auch noch beleidigen lassen. Es ist nur dumm, wenn man dabei wie berauscht von der eigenen Rhetorik nebenbei sein Land an die Wand fährt.

Tsipras handelt gegen die Interessen Griechenlands

Alexis Tsipras reißt Griechenland in den Abgrund, nicht weil es keine andere Möglichkeit gibt, sondern aus Eitelkeit und Machtversessenheit. Die Eurozone wollte sich seinen Forderungen nicht beugen, also riskiert er jetzt, dass sein Land in die Pleite und aus dem Euro stürzt. Das ist mehr als verantwortungslos, denn seit Monaten haben seine Bürger ihm durch die Umfragen gezeigt, dass er dafür kein Mandat hat. Wenn ihm das Wohlergehen seines Landes am Herzen läge, hätte er das letzte Angebot der Gläubiger angenommen. Es hätte ihm Zeit bis November verschafft, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen und in Ruhe weiter zu verhandeln. Jetzt entscheidet er sich für die radikale Linke seiner Partei und ihre Ideologie und gegen sein Volk. Er wird in die Geschichte eingehen als ein weiterer griechischer Regierungschef, der im Amt völlig versagt hat - am Ende noch schlimmer als seine Vorgänger. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, droht Griechenland jetzt im Chaos und im Staatsbankrott zu versinken. Die Griechen sollten Tsipras und seine Regierung so schnell wie möglich vom Hof jagen.


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