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Charlottesville

Kommentar: Trump versagt in Charlottesville

Von wegen großes Amerika. Charlottesville zeigt: Das Einzige, was Trump in den Vereinigten Staaten groß gemacht hat, ist Hass. Amerikas Ultra-Rechte beschmutzen das demokratische Erbe des Landes, meint Jefferson Chase.

Ich habe an der Universität von Virigina promoviert. Dort, wo am Freitag Leute mit Fackeln eine Ku-Klux-Klan-Versammlung abhielten und Nazi-Parolen sowie rassistische Sprüche skandierten, las ich einst Bücher in der Bibliothek. Und nun das: Tote und Verletzte bei einer Kundgebung Ultra-Rechter in Charlottesville.

Die Szenen spielten sich auf dem Campus der Universität von Virginia ab, den die Studenten schlicht als "Rasen" bezeichnen. Gründer der Universität ist Thomas Jefferson, Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und dritter Präsident der Vereinigten Staaten.

"Mister Jefferson", wie die Einwohner von Charlottesville den Stadtvater und Gründer der Universität immer noch nennen, war eine komplexe Persönlichkeit. Obwohl er Sklaverei als ein "vorübergehendes notwendiges moralisches Übel" betrachtete und selbst Sklaven besaß, schrieb er in die Unabhängigkeitserklärung folgenden Satz hinein: "Alle Menschen sind gleich geschaffen."

Beim Anblick von anstandslosen und geistig bescheidenen Leuten, die das Erbe und die Universität von Thomas Jefferson beschmutzen, dreht sich mir der Magen um. Diese Fanatiker verwandeln ihre Aggressionen, die sie noch nicht einmal selbst verstehen, in Hass auf vermeintlich Fremde. Bei mir weckt das Erinnerungen an 9/11.

Mit Nazi-Flaggen Demokratie verteidigen?

vorläufig Kommentar-Foto Jefferson Chase (privat)

DW-Autor Jefferson Chase

"Wir in Amerika haben keine Regierung, die die Mehrheit vertritt", schrieb Jefferson einst. "Wir haben eine Regierung, die die Mehrheit der politisch Aktiven vertritt." Doch genau daran fehlt es den Vereinigten Staaten zurzeit.

Die Ereignisse in Charlottesville sind ein weiteres Beispiel für den Willen des rechten politischen Lagers, über die Mehrheit der Wähler hinweg zu regieren. Die wirkliche Botschaft der Bewegung "Vereinigt die Rechte" lautet: "Wir wollen die Mehrheit ersetzen." Doch was bringt Leute außerhalb von Charlottesville dazu, in eine Universitätsstadt zu kommen und dort die Demokratie mit Nazi-Flaggen zu verteidigen? Und was bringt einen Einzeltäter dazu, mit seinem Auto in eine Menge von Gegendemonstranten zu rasen?

Antwort: Die Entscheidung des demokratisch gewählten Stadtrats von Charlottesville, eine Statue des Südstaaten-Generals Robert E. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zu entfernen. Die Südstaaten traten damals für die Beibehaltung der Sklaverei ein.

Verblödet und bigott

Und noch eine Frage: Wie konnten die USA so tief fallen? Man braucht keinen Universitätsabschluss aus Virginia oder von anderswo, um diese Frage zu beantworten. In nur sieben Monaten hat ein Präsident, der gegen den Willen der Mehrheit der Wähler ins Weiße Haus einzog, ein Modell für ein neues, verblödetes und bigottes Amerika umrissen. In regelmäßigen, widerlichen und dummen Ergüssen mit einem Umfang von 140 Zeichen.

Es ist nicht überraschend, dass der Präsident, der ansonsten schnell mit "Wut und Feuer" reagiert, im Fall Charlottesville mit seiner Antwort an die weißen Rassisten so lange auf sich warten lässt. Trump hat Amerika in der Tat wieder groß gemacht – und zwar den Hass in Amerika.

Es ist traurig. Selbst gestandene konservative Politiker wie die Republikaner Paul Ryan und Orrin Hatch haben Trumps Antwort auf Charlottesville verurteilt.

Doch Worte sind die eine Sache, Taten die andere. Hier also meine Frage an Paul Ryan, Orrin Hatch und den Rest der republikanischen Abgeordneten: Was werdet ihr nach Charlottesville tun? Werdet ihr die demokratischen Traditionen Amerikas verteidigen? Oder werdet ihr feige eurem neuen Herrn dienen?

"Wenn Gott gerecht ist, dann zittere ich um mein Land", gestand Jefferson einst. Es fiel mir schwer, nicht an diese Worte zu denken, als ich sah, wie die Polizisten in Charlottesville keinen Finger rührten, als nur einen Steinwurf von einer der angesehensten Universitäten im Land Straßenschlachten ausbrachen.

Umso größere Bewunderung hege ich für die Gegendemonstranten, Bürgermeister Michael Signer aus Charlottesville und Virginias Gouverneur Terry McAuliffe. Sie haben sich dem Marsch der weißen Rassisten entgegengestellt. Alle, denen das Wohl der Vereinigten Staaten auch nur einen Hauch am Herzen liegt, sollten ihrem Beispiel folgen.  

 

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