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Standpunkt

Kommentar: Trump trifft Trudeau

Im Wahlkampf versprach Trump, das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA aufzukündigen. Nun traf er erstmals Kanadas Premier - und lobte die Partnerschaft. Alles andere als selbstverständlich, meint Miodrag Soric.

Es gibt zwei Arten von Pressekonferenzen: solche, bei denen man genau hinhören muss, was gesagt wird; und solche, bei denen wichtiger ist, was unerwähnt bleibt. Bemerkenswert war bei der gemeinsamen Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit dem kanadischen Premier Justin Trudeau, dass das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA unerwähnt blieb. Bemerkenswert, weil Trump während des US-Wahlkampfes diesen Vertrag mehrfach heftig kritisierte. Er versprach seinen Wählern, das Abkommen aufzukündigen und neu zu verhandeln. Etwas, was die Regierung des nördlichen Nachbarn in Furcht und Schrecken versetzte. Schließlich hängt das wirtschaftliche Wohl und Wehe Kanadas in weiten Teilen von dem Handel mit den USA ab. Seit langem erwirtschaften die Kanadier einen ansehnlichen Handelsüberschuss. Jede Form von US-amerikanischen Protektionismus würde Kanadas Wirtschaft empfindlich treffen.

Miodrag Soric (Foto: DW)

DW-Korrespondent in Washington: Miodrag Soric

Vor diesem Hintergrund war der gemeinsame Auftritt von Trump und Trudeau im Weißen Haus mit Spannung erwartet worden. Und erstaunte, da Trump den Handel mit Kanada ausdrücklich lobte. Probleme hätten die USA lediglich mit Mexiko. Nach dieser Aussage kann Trudeau beruhigt zurück nach Ontario fliegen. Einen Handelskrieg wird es nicht geben. Trump, der sich innerhalb weniger Wochen schon mit den Führern Mexikos oder Australiens angelegt hat, wollte offenbar nicht noch einen Regierungschef verärgern.

Trudeau revanchierte sich ...

... auf seine Art. Denn von ihm erwarteten Beobachter, eine Kritik von Trumps Einreiseverbot für Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern. Schließlich hat der junge Premier vor dem Treffen mit Trump hervorgehoben, dass Kanada auch weiter Flüchtlinge etwa aus Syrien aufnehmen werde. Damit grenzte er sich deutlich ab von Trumps Politik, möglichst wenige Muslime aus dem Nahen- und Mittleren Osten in die USA einreisen zu lassen. Doch Trudeau verkniff sich abfällige Bemerkungen über Trumps Einreisepolitik. Er sei nicht in das Nachbarland gekommen, um irgendwen zu belehren.

Kurzum, beide Politiker strichen bei ihrem ersten Treffen die Gemeinsamkeiten heraus. Was gar nicht so leicht war angesichts der Unterschiede der beiden. Trudeau, 45 Jahre jung und eine Art „Sunnyboy" unter den G7-Führern, gilt als weltoffen, optimistisch, linksliberal; jemand, der sich als Feminist bezeichnet. Trump hingegen ist mit 70 Jahren deutlich älter, konservativ, misstrauisch gegenüber Minderheiten; er hat sich in der Vergangenheit mehrfach abfällig über Frauen geäußert. Wenn zwei so entgegengesetzte Politiker zusammenkommen, ist es alles andere als selbstverständlich, dass sie miteinander klarkommen.

Insofern war ihr erstes Treffen ein Erfolg.

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