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Fußball

Kommentar: Triumphale Reise endet jäh

Weltmeister Spanien fährt nach Hause - gedemütigt von den Niederländern, überwältigt von hervorragend spielenden Chilenen. Eine Sensation. Nicht weniger. Und das Ende einer Ära, meint DW-Sportredakteur Jens Krepela.

Brasilien hat zu viel Druck, Deutschland Probleme in Abwehr und Sturm, Italien keine herausragenden Einzelspieler – diese Argumente waren vor dem Turnier zu hören, wenn es um mögliche Titelfavoriten ging. Spanien dagegen würde weit kommen, da waren sich Fans und Fachleute sicher. Zu dominant war das Team in den vergangenen sechs Jahren. Das Tiki-taka der Spanier war lange Zeit taktisch stilprägend, die technische Qualität der einzelnen Spieler herausragend. Trotzdem sind die Spanier schon nach zwei Gruppenspielen ausgeschieden. Und das völlig zu recht. Die Spieler waren nicht in Form, das war allen voran Kapitän und Keeper Iker Casillas anzumerken. Seine Patzer in den Partien

gegen die Niederlande

und

Chile

ebnete den Gegnern den Weg. Kaum besser agierten seine Vorderleute. Beispiel: Sergio Ramos, immerhin mit Real Madrid Gewinner des diesjährigen Champions-League-Finales, stand völlig neben sich. Ebenso Iniesta. Xavi saß gegen Chile 90 Minuten lang auf der Bank. Nichts war zu sehen vom einst so begnadeten Mittelfeld. Neben der körperlichen Fitness fehlte es dem gesamten Team auch noch an der nötigen Konzentration. So viel zum Offenkundigen.

Zu viel Barcelona im Spiel

Schwieriger zu beantworten ist die Frage: Woran hat es gelegen? Immerhin dominierte der spanische Vereinsfußball in dieser Saison die europäischen Wettbewerbe. Das Finale der Champions-League war ein Stadtderby zwischen Atlético und Real Madrid. Der FC Sevilla holte den Titel in der Europa League. Für die spanische Nationalelf sind diese Erfolge zum Bumerang geworden. Trainer Vincente del Bosque blieb weniger Zeit, um mit seinem gesamten WM-Kader zu trainieren. Zudem baute er mit Pedro, Jordi Alba, Xavi, Iniesta, Busquets und Pique ausgerechnet auf Spieler des FC Barcelona, jenes erfolgsverwöhnten Clubs, der in diesem Jahr eben überhaupt keine berauschende Saison spielte. Auch herrschte zu wenig Konkurrenzkampf. Weltmeister wie Casillas und Xavi konnten trotz Formtiefs fest mit ihrer Nominierung rechnen. Das ist kein guter Nährboden für Höchstleistungen. Deutlich wurde auch wie gut sich die Gegner inzwischen taktisch auf die Spanier eingestellt haben. Die Niederländer und die Chilenen überrannten förmlich das defensive Mittelfeld und die Abwehr der Iberer.

Der Gang der Dinge

DW-Reporter Jens Krepela

DW-Reporter Jens Krepela

Bedeutet dieses sensationelle Aus auch das Ende einer Ära? Zu dieser Überzeugung muss man letztlich kommen. Es ist der Gang der Zeit, der sich auch die spanische Nationalelf nicht entziehen kann. Die Helden der Vergangenheit, die zwei

Europameistertitel

und eine WM-Trophäe sammelten, sind in die Jahre gekommen. Xavi spielt mit 34 Jahren genau wie Casillas (33) wohl sein letztes großes Turnier. Iniesta hat mit 30 Jahren ebenfalls den Zenit überschritten. Der Rücktritt von Trainer Del Bosque ist nach dem desaströsen Abschneiden in Brasilien unvermeidlich. Es wird einige Zeit dauern, bis sein Nachfolger aus dem nach wie vor großen Potential an Spitzenfußballern eine vergleichbare Siegermannschaft formen kann. Wenn überhaupt.

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