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Kommentare

Kommentar: Treu bis in den Tod

Beate Zschäpe verklärt sich als Unschuldslamm, das seine NSU-Komplizen vom Morden abhalten wollte. Ihre Erklärung ist der verzweifelte Versuch, etwas zu retten, wo es nichts mehr zu retten gibt, meint Marcel Fürstenau.

Beate Zschäpe hätte viele Menschenleben retten können. Sie hat es aber unterlassen, um "ihre Familie" nicht zu verlieren. Als solche bezeichnete die Hauptangeklagte im NSU-Prozess ihre rechtsextremistischen Weggefährten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Die beiden haben nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft von 2000 bis 2007 neun Männer mit ausländischen Wurzeln und eine Polizistin heimtückisch getötet. Zschäpe will weder in die Planungen noch in die Ausführung der Taten verwickelt gewesen sein. Allein das zu glauben, fällt mehr als schwer. Schließlich lebte das Trio 13 Jahre gemeinsam im Untergrund.

Mitleid für Katzen, aber nicht für Menschen

Nach dem ersten Mord an Enver Simsek in Nürnberg will sie "geschockt" und fassungslos gewesen sein. Trotzdem konnte sie sich angeblich nicht von den gnadenlosen Mördern trennen. Aus Angst vor einer hohen Gefängnisstrafe. Aus Angst, ihren Geliebten, Böhnhardt, zu verlieren. Aus Angst, die beiden Männer würden sich umbringen. Deshalb nahm Zschäpe den Tod weiterer neun unschuldiger Menschen in Kauf - unfassbar! Weder für die Morde noch die Bombenanschläge mit vielen Schwerverletzten noch die Raubüberfälle fühlt sich die 40-Jährige strafrechtlich verantwortlich. Sie habe sich nicht als Mitglied des NSU gesehen.

Deutsche Welle Marcel Fürstenau Kommentarbild ohne Mikrofon (DW )

Deutsche Welle: Marcel Fürstenau

So viel gespielte Ahnungslosigkeit ist eine Verhöhnung der Opfer und ihrer Angehörigen. Wer will Zschäpe jetzt noch glauben, dass sie sich "aufrichtig" bei ihnen entschuldigt? Dafür hatte sie seit Mai 2013 Gelegenheit. Damals begann der NSU-Prozess, in dessen Verlauf Väter, Mütter und Geschwister um Aufklärung baten, teilweise flehten. Diese Bilder gilt es in Erinnerung zu rufen, um die (Un)glaubwürdigkeit der 53 Seiten langen Erklärung zu beurteilen. Das Leid der Angehörigen und der traumatisierten Bomben-Opfer perlte an Zschäpe zu jedem Zeitpunkt regungslos ab.

Dieser Frau fehlt jede Empathie für ihr unbekannte Menschen, aber sie kümmert sich liebevoll um ihre Katzen! Damit die armen Tiere auch ohne ihr Frauchen weiterleben konnten, brachte Zschäpe sie rechtzeitig in Sicherheit, bevor ihre Wohnung explodierte. Dass sie die gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt genutzte Wohnung nach deren Tod in Brand steckte, gab die Angeklagte immerhin zu. Mit der Herstellung des Bekennervideos aber will sie nichts zu tun gehabt haben. Von jedem Mord hat sie angeblich immer erst nach vollbrachter Tat erfahren. Nichts gehört, nichts gesehen, nichts gesagt - das typische Verhalten jener, die angeblich nichts gewusst haben.

Zschäpe hat die Angehörigen der Opfer gequält

Immerhin fühlt sich Zschäpe "moralisch schuldig", weil sie dabei versagte, ihre Freunde vom Töten abzubringen. Selbst diese Gewissensbisse wirken aufgesetzt angesichts der monströsen NSU-Verbrechen. Dass Zschäpe nun endlich am 249. (!) Verhandlungstag ihr Schweigen gebrochen hat, wird ihr wenig helfen. Eine hohe Haftstrafe scheint ihr unter dem Eindruck des bisherigen Prozessverlaufs sicher zu sein. Verdient hätte sie die aus strafrechtlichen Erwägungen auf jeden Fall. Nicht justiziabel ist ein anderer Vorwurf: dass Zschäpe mit ihrem langen Schweigen die Opfer-Angehörigen unnötig gequält hat. Auch das ist eine Form der moralischen Schuld.

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