1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sport

Kommentar: Treppenwitz des Anti-Doping-Kampfes

Die verkündete lebenslange Sperre gegen den Tour-de-France-Rekordsieger Lance Armstrong hinterlässt bei DW-Sportredakteur Stefan Nestler Fragen – und einen faden Beigeschmack.

Stefan Netsler aus der DW-Sportredaktion (Foto DW/Per Henriksen)

Stefan Nestler, Sportredaktion

Nun also dürfen wir Lance Armstrong wohl ungestraft einen Doper nennen. Immerhin. Wer dies in der Vergangenheit tat, und derer gab es einige, riskierte, von dem früheren US-Superstar auf Unterlassung und eine saftige Geldstrafe verklagt zu werden. Und sonst? Es bleiben auch nach der von der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) verkündeten lebenslangen Sperre gegen Armstrong Fragen offen: Etwa, warum die Agentur erst jetzt reagierte und nicht zur aktiven Radprofi-Zeit Armstrongs? Hinweise darauf, dass Armstrong in seiner Karriere zu unerlaubten Mitteln griff, gab es schon seit Jahren, entsprechende Aussagen ehemaliger Teammitglieder ebenfalls. Haben sich die US-Dopingfahnder vorher nicht getraut, das nationale Sport-Denkmal vom Sockel zu stoßen?

Lebenslang, na und!

Jetzt wird Armstrong gleich lebenslänglich gesperrt. Das klingt dramatisch, verliert aber an Schärfe, wenn die Sperre einen Sportler trifft, der 40 Jahre alt ist, seine Profikarriere längst hinter sich hat und nur noch eher als Freizeitathlet an Wettkämpfen teilnimmt. Empfindlicher träfe Armstrong die verkündete Aberkennung aller Titel, die er seit 1998 einfuhr. Das kann jedoch nur der Weltradsportverband UCI. Der reagierte auf den Vorstoß der US-Agentur zunächst abwartend.

Fragwürdige Funktionäre

Kein Wunder eigentlich, haben sich die UCI-Funktionäre in der Vergangenheit doch nicht gerade als Gralshüter eines sauberen Sports erwiesen und mehr als einmal ihre schützende Hand über Armstrong gehalten. 2010 musste die UCI einräumen, von Armstrong zwei großzügige Spenden angenommen zu haben. Armstrongs Ex-Kollege Floyd Landis behauptete, Armstrong habe ihm erzählt, dass er sich mit dem Geld bei der UCI für eine positive Dopingprobe freigekauft habe. Landis' Problem damals: Er selbst war als Dopingsünder und damit als Betrüger enttarnt worden. Deshalb zweifelte man an seiner Glaubwürdigkeit. Zwei Jahre später wird Landis nun offenbar als Zeuge gegen Armstrong ernst genommen. Wird nun auch das Gebaren der UCI genauer untersucht?

Déjà-Vu der Dopingskandale

Und schließlich stellt sich noch die Frage, wer Armstrongs Titel denn nun erhalten soll und wer in den Ergebnislisten aufrutscht. Die Kandidaten-Liste liest sich wie ein Deja-vu der Dopingskandale der vergangenen Jahre: Jan Ullrich, Alex Zülle, Ivan Basso, Tyler Hamilton, um nur einige zu nennen. Werden sie nun belohnt? Das wäre doch wohl ein Treppenwitz des Anti-Doping-Kampfes.