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Standpunkt

Kommentar: Treffen unter Freunden - Merkel beim Papst

Gerade ist die Kanzlerin von einer Argentinien-Reise zurückgekehrt, der Heimat von Papst Franziskus. Nun kommt Angela Merkel zu einer Privataudienz nach Rom. Ein Treffen mit politischer Bedeutung, meint Christoph Strack.

Für die Kanzlerin ist es die vierte Privataudienz und die sechste Begegnung mit Papst Franziskus in Rom. Sieht man einmal von der italienischen Staatsführung ab, ist diese Regelmäßigkeit ohne Beispiel. Zwar ist eine Privataudienz für Regierungschefs selbstverständlich, doch in der Regel haben nur gekrönte Häupter und Präsidenten nach einigen Jahren auch die Chance auf ein zweites Tête-à-Tête.

Strack Christoph Kommentarbild App

DW-Redakteuer Christoph Strack

Drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg reist Merkel auch als G20-Vorsitzende zu Papst Franziskus. Der Papst aus dem Jesuiten-Orden und die Pastoren-Tochter aus der früheren DDR haben einen guten Draht zueinander entwickelt. Man mag Merkels Flüchtlingspolitik kritisch sehen, aber die Kanzlerin hält den Grundgedanken  der christlichen Nächstenliebe hoch und provoziert damit manche in Deutschland und Europa. Im Kampf um den Fortbestand des UN-Klimaabkommens ist sie die prominenteste Fürsprecherin. Sie engagiert sich in diesem Zusammenhang besonders für Afrika - auch im europäischen Interesse. Beides wird Franziskus gefallen, der vielleicht radikal, aber noch lange nicht links ist.

Auf einer Linie: Merkel und Franziskus

Die Frage des Klimaschutzes hat für das Kirchenoberhaupt hohe Bedeutung. Dem Thema Umwelt widmete er die Enzyklika "Laudato Si". Und als im Dezember 2015 der Klimagipfel in Paris noch ohne Durchbruch auf die Zielgerade ging, liefen die Drähte heiß zwischen dem Tagungsort und dem Vatikan. Und es gab Spekulationen, ob sich Franziskus persönlich einschalten würde. Merkel versucht nun in dieser Frage zu retten, was zu retten ist. Bemerkenswert, dass sie im Anschluss an die Audienz bei Franziskus eigens in Rom die Botschafter der beim Heiligen Stuhl akkreditierten G20-Staaten trifft.

Auch in der Flüchtlingspolitik kann Merkels Besuch in Rom ein Signal sein. Polen, Ungarn und weitere Staaten Mittel- und Osteuropas, aber auch die USA stehen ihrem Kurs kritisch gegenüber. Und in Polen und den USA sind zuletzt wichtige Kardinäle bei der Frage des Umgangs mit Migranten und Flüchtlingen demonstrativ auf Distanz zur eigenen politischen Führung gegangen.

Und dann ist da noch die Innenpolitik: Nicht einmal 100 Tage vor der Bundestagswahl werden Merkel die Fotos mit dem Papst gewiss nicht schaden. Es gab durchaus das Bemühen aus dem Willy-Brandt-Haus und dem Auswärtigen Amt, in diesen Wochen auch für die sozialdemokratische Führung noch einen Termin im Vatikan zu arrangieren. Merkel bekam den ihren.

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