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Deutschland

Kommentar: Traut Euch!

Weniger Eheschließungen, weniger Babys und mehr Sterbefälle: Das Geburtendefizit der deutschen Bevölkerung hat sich im vergangenen Jahr deutlich vergrößert. Karl Zawadzky kommentiert.

Es ist eine traurige Bilanz, die das Statistische Bundesamt am Dienstag (15.8.) in Wiesbaden für 2005 aufgemacht hat. Damit nicht genug: Mit Ausnahme ganz weniger Jahre nimmt seit 1990 die Zahl der Deutschen ab: Im vergangenen Jahr sind hier zu Lande 144.000 Menschen mehr gestorben als geboren worden. Signifikant ist auch die zunehmende Vergreisung der deutschen Bevölkerung. Denn über die letzten 15 Jahre betrachtet, war der Geburtenrückgang deutlich stärker als der Rückgang der Sterbefälle.

Die Konsequenz

Die sich daraus ergebende Konsequenz, nämlich die Abnahme der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und die Zunahme der Alten, ist eines der Kernprobleme dieses Landes. Das betrifft aktuell die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie die öffentlichen Haushalte. Tendenziell haben sie bei sinkenden Einnahmen mit steigenden Ausgaben zu tun. Das ist abseits der konjunkturellen Schwankungen das Strukturproblem der deutschen Sozial- und Finanzpolitik. Erst wenn sich über einen längeren Zeitraum die Bevölkerungszahl auf einem niedrigeren Niveau eingependelt hat, lässt sich das strukturelle Problem lösen. Doch das wird noch lange dauern.

Bedingung für eine Lösung des Problems ist allerdings, dass mit der rapide zunehmenden Verschuldung der öffentlichen Haushalte Schluss gemacht wird, denn die derzeitige Generation lebt auf nicht verantwortliche Art und Weise auf Kosten der nur noch schwach nachwachsenden nächsten Generationen. Wird denen ein großer Haufen Schulden vor die Füße gekippt, gibt es keinen Ausweg aus der Misere - oder aber, was leider bereits zunimmt, Auswanderung. Das freilich mag individuelle Probleme lösen, nicht aber die Probleme dieses Landes.

Das fehlende Vertrauen

Die rückläufige Zahl der Sterbefälle ist natürlich überaus erfreulich, denn dahinter steht eine Verlängerung der Lebenserwartung - und dies dank des medizinischen Fortschritts in vielen Fällen bei guter Gesundheit. Zu bedauern ist vor allem der Rückgang bei den Eheschließungen, denn der zieht den Geburtenrückgang nach sich. Offensichtlich fehlt vielen jungen Leuten das Vertrauen in die Zukunft, vor allem mangelt es der "Generation Praktikum" an einer halbwegs stabilen beruflichen Perspektive.

Dabei handeln Arbeitgeber, die Neueinstellungen fürchten wie der Teufel das Weihwasser, schon mittelfristig gegen ihre eigenen Interessen. Denn bereits in einigen Jahren wird das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften in einen stetigen Sinkflug übergehen. Die Folgerungen aus alledem sind klar: Die Politik muss die öffentlichen Haushalte in Ordnung bringen, was einen konsequenten, wenn auch wenig populären Konsolidierungskurs voraussetzt. Die Arbeitgeber tun gut daran, in die Ausbildung junger Leute zu investieren, denn sie werden in einigen Jahren dringend auf sie angewiesen sein. Und den jungen Leuten kann nur der Rat gegeben werden: Traut Euch. Die Gründung einer Familie ist die Quelle von Glück und Zufriedenheit.