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Standpunkt

Kommentar: Terror in Burkina Faso ist keine Eintagsfliege

Wieder haben zahlreiche Menschen bei einem Terrorangriff in Ouagadougou ihr Leben verloren. Doch in Burkina Faso hat nicht nur die Hauptstadt ein Terrorproblem. Die Bedrohung sitzt überall im Land, meint Thomas Mösch.

Der Landesname Burkina Faso bedeutet übersetzt so viel wie "Land der aufrichtigen Menschen". Diesen Namen hat sich das Land 1984 unter dem jungen und charismatischen Putschisten Thomas Sankara gegeben. Der wollte aus der früheren französischen Kolonie Obervolta einen selbstbewussten und wirklich unabhängigen Staat machen. Sein Kampfgenosse Blaise Compaoré ließ Sankara schon 1987 umbringen und putschte sich selbst an die Macht. Von Aufrichtigkeit war danach in der Politik des Landes nicht mehr viel die Rede. Doch vor drei Jahren besonnen sich die Menschen in Burkina Faso der eigentlichen Bedeutung ihres Landesnamens und verjagten Compaoré, der sich nach 27 Jahren an der Macht eine weitere Amtszeit sichern wollten. Warum gerät ausgerechnet ein Land mit einer solchen Geschichte in das Visier islamistischer Terroristen?

Ende eines Stillhalte-Pakts

Ein Grund könnte ausgerechnet der Sturz des Autokraten Compaoré sein. Er hatte gute Kontakte zu den bewaffneten Gruppen der Region, auch zu solchen mit terroristischer Zielsetzung. Insbesondere beim nördlichen Nachbarn Mali vermittelte er mehrfach. Experten sind davon überzeugt, dass zu diesen guten Beziehungen auch eine Art Stillhalte-Abkommen gehörte: Mitglieder militanter und terroristischer Gruppen fanden in Burkina Faso einen Rückzugsraum; im Gegenzug ließen sie das Land in Ruhe.

Moesch Thomas Kommentarbild App

Thomas Mösch, Leiter der Hausa-Redaktion der DW

Der Ende 2015 gewählte Präsident Roch Marc Kaboré hat sein Land eindeutig auf Seiten der Anti-Terror-Koalitionen positioniert, die Frankreich in den vergangenen Jahren im Sahel aufgebaut hat. Burkina Faso ist Teil der G5-Staaten. Zusammen mit Mauretanien, Mali, Niger und Tschad bietet das Land den verschiedenen Terrorgruppen der Region die Stirn. Seitdem ist Burkina Faso aber auch zunehmend selbst ins Visier dieser Gruppen geraten. Diese dringen vor allem aus Mali immer wieder in die nördlichen Grenzgebiete ein und verüben Anschläge. Die Grenzregion leidet darunter bereits seit Jahren. Anschläge in der Hauptstadt Ouagadougou sind lediglich die Spitze eines Eisbergs.

Das Licht, das dieser neue Anschlag nun auf die Bedrohungslage wirft, sollte der internationalen Gemeinschaft klar machen, dass Burkina Faso längst nicht mehr nur Ziel sporadischer, von außen gelenkter Anschläge ist. Terrorgruppen, die sich zu internationalen Netzwerken wie Al-Kaida oder dem "Islamischen Staat" bekennen, haben sich ebenso in Burkina Faso festgesetzt wie regionale Gruppen. Außerdem gibt es inzwischen auch einheimische Dschihadisten wie Ibrahim Malam Dicko, der seine Basis ebenfalls in den nördlichen Grenzregionen zu Mali und Niger hat.

Sicherheit und Entwicklung gehören zusammen

Wie aber kann sich ein armes Land wie Burkina Faso gegen die islamistische Bedrohung wehren? Da der Feind auch im eigenen Land sitzt, nützt die Beteiligung an der G5-Koalition alleine nicht viel. Die internationale Gemeinschaft kann zum einen helfen, die Sicherheitskräfte zu reformieren. Nach der Vertreibung von Blaise Compaoré und einem Militärputsch waren Militär und Polizei in einem desolaten Zustand. Die schnelle Reaktion auf den Anschlag in Ouagadougou Sonntagnacht hat zwar gezeigt, dass die burkinischen Sicherheitskräfte durchaus handlungsfähig sind. Doch die Tatsache, dass die Angreifer erneut einen solchen Anschlag mitten in der Hauptstadt durchführen konnten, deutet auf weiter bestehende Defizite hin. Und in der Fläche, insbesondere an den nördlichen Grenzen, scheinen Militär und Polizei kaum handlungsfähig zu sein.

Schließlich zeigt die Erfahrung aus anderen Ländern der Region, dass sich die Terroristen in erster Linie in Regionen festsetzen können, die sich vom Rest des Landes abgehängt fühlen. In Burkina Faso scheint dies ähnlich zu sein. Auch hier sollte internationale Hilfe ansetzen und die Regierung in Ouagadougou dabei unterstützen, den Menschen in den nördlichen Landesteilen eine Perspektive jenseits von radikalen Heilsversprechen zu bieten.

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