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Asien

Kommentar: Tödliche Billigware aus Bangladesch

Wenn Verbraucher in Europa es ernst meinen mit den globalen Menschenrechten, dann müssen sie für Textilien aus Bangladesch einen faireren - und höheren - Preis bezahlen, meint Sandra Petersmann.

Was sind eigentlich faire Preise? Eine Sweatshirt aus Bangladesch müsste doch im reichen Deutschland eigentlich so viel kosten, dass seine Näherin davon menschenwürdig leben kann - in einem sicheren Arbeitsumfeld. Müsste! Tut es aber nicht. Und wir als Verbraucher können unsere Hände nicht in Unschuld waschen. Zu viele von uns wissen inzwischen, unter welchen erbärmlichen,  lebensgefährlichen Bedingungen Menschen in Ländern wie Bangladesch, Pakistan oder Indien für uns Kleidung nähen.

Selten war unsere Kleidung so billig wie heute. Selten war unsere Gier nach billiger Kleidung größer als heute. Und es geht immer noch ein bisschen billiger, oder? Schließlich ist der Euro in der Krise, da sollten wir besser möglichst viel auf die hohe Kante legen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat Deutschland im vergangenen Jahr Textilwaren im Wert von fast 3 Milliarden Euro aus Bangladesch gekauft.

Die Textilindustrie liefert sich einen brutalen Preiskampf: wer billig verkauft, der muss auch billig herstellen - so einfach ist die Rechnung. Den ultimativen Preis bezahlen die Näherinnen und Näher unserer coolen Billig-Klamotten. Viele schuften für weniger als 30 Euro im Monat. Weil sie keine Ausweichmöglichkeiten haben, akzeptieren sie solche Hungerlöhne. Viele arbeiten auf engstem Raum in Gebäuden, in denen es keine Notausgänge gibt, die den Namen auch verdienen. Feuerlöscher, Sprinkleranlagen und Brandschutztraining sind eher Zierde als Pflicht.

Viele Fabriken erlauben keine Arbeitervertretung. Staatliche Kontrollen und die der internationalen Auftraggeber sind lasch. Denn es geht um den maximalen Gewinn und den besten Preis. Schwellenländer wie Bangladesch oder Pakistan durchlaufen eine wirtschaftliche Entwicklung wie Europa während der industriellen Revolution. Aber sie müssten nicht die Fehler aus den Zeiten unserer industriellen Revolution wiederholen.

Wenn wir in Europa es ernst meinen mit den globalen Menschenrechten, dann müssten wir unsere Textilunternehmen um Transparenz bitten: Wer sind eure Zulieferer? Wie sieht es in den Fabriken aus? Wie viel verdient der Arbeiter, der meine Jeans näht? Um diese Transparenz zu untermauern, müssten wir alle preisbewusst einkaufen. Und preisbewusst heißt nicht billig.