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Kommentare

Kommentar: Syrisches Volk kann sich nur auf sich selbst verlassen!

Der schmutzige Krieg in Syrien zeigt immer wieder nur eines: Es gibt viele Schlächter und ein großes Opfer - das syrische Volk. Auf Hilfe von außen können Assads Gegner sich nicht verlassen, meint Naser Schruf.

Die Lage in und um die zweitgrößte syrische Stadt Aleppo wird immer dramatischer. Die syrische Armee unter Machthaber Baschar al-Assad, unterstützt von heftigen Angriffen der russischen Armee aus der Luft sowie von iranischen und Hisbollah-Milizen auf dem Boden, hat die Stadt völlig eingekesselt. Die Regierungstruppen und ihre Verbündeten rücken von mehreren Seiten her auf Syriens einstige Wirtschaftsmetropole vor, die seit 2012 in einen vom Regime kontrollierten Westen und einen von Rebellenmilizen gehaltenen Osten geteilt ist.

Humanitäre Tragödie in Aleppo

Mit der kompletten Abrieglung der Stadt wird der einzige Nachschubweg über das nördliche Umland aus der 50 Kilometer entfernten Türkei jetzt faktisch durch die syrische Armee kontrolliert. Damit hängt auch die Lieferung von Hilfsgütern und Medikamenten an die Menschen im Osten Aleppos von der Gnade der Regierungstruppen und iranischer Brigaden ab. Das ist Grund zu großer Sorge, denn laut Vereinigten Nationen leben dort noch zwischen 200.000 und 300.000 Menschen. "Aleppo könnte zur größten humanitären Tragödie in diesem Konflikt werden", sagt die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mit Recht.

Nicht nur das! Sollte Aleppo komplett in die Hände des Assad-Regimes fallen, wäre dies eine schwere politische und moralische Niederlage für all jene Syrer, die zumindest ursprünglich auf echte Unterstützung aus "Bruderstaaten" wie Saudi Arabien und Katar, seitens der Türkei und aus den Reihen der sogenannten Freunde Syriens wie den USA geglaubt hatten. Recep Tayyip Erdogan schweigt zu Aleppo. Dem türkischen Präsidenten ist die Wiederherstellung von guten Beziehungen zu Russland, insbesondere nach dem gescheiterten Putsch, viel wichtiger als das Schicksal der Menschen in Aleppo. Auch die Machthaber in Saudi Arabien interessieren sich in Wirklichkeit seit jeher genauso wenig für das syrische Volk wie für das jemenitische. Das übergeordnete Ziel der Saudis war und bleibt, den regionalen Einfluss Irans einzudämmen - und dafür hat das Land auch in Syrien zahlreiche Gruppen direkt oder indirekt mit Waffen versorgt. Ob Iran oder Saudi Arabien, ob Russland oder USA - sie alle verfolgen ihre eigenen strategischen Interessen und tragen sie letztlich auf dem Rücken des syrischen Volkes aus.

Keine Seite ist ohne Schuld

Schruf Naser Kommentarbild App

DW-Redakteur Naser Schruf

Menschenrechtsorganisationen wie "Human Rights Watch" haben mehrfach die Verbrechen der unterschiedlichen Milizen auch auf Seiten der Regimegegner verurteilt. Diese tragen eine schwere Verantwortung für das Morden in Syrien - von den Terrororganisationen "Islamischer Staat" und der jüngst umbenannten "Al-Nusra-Front" ganz zu schweigen. Dies darf jedoch nicht den Blick auf die schweren Verbrechen der Regimetruppen und seiner Milizen verstellen. Assads Regime, das für die Sicherheit aller Syrer sorgen müsste, trägt jedoch die Hauptschuld für das, was in Syrien passiert.

Fazit: Die einzig vernünftige Reaktion auf die gegenwärtige katastrophale Lage wäre es, mühsam ein weiteres Mal zu versuchen, so schnell wie möglich Friedensgespräche in Gang zu bringen. Auch wenn es schwer fällt oder sogar zynisch erscheinen mag, unter den herrschenden Bedingungen noch an eine Verhandlungslösung zu glauben: Es gibt keine Alternative dazu! Insbesondere Europa sollte sich mit allen Mitteln dafür stark machen - es verfügt über wertvolle historische Erfahrungen im Bereich Interessenausgleich und Versöhnung und hat hier eine wichtige außenpolitische Aufgabe, zumal es selbst unmittelbar in hohem Maße von der Flucht vieler Syrer aus Krieg, Zerstörung und Verfolgung betroffen ist.

Die größte Last liegt jedoch auf den Schultern der Syrer. Ob Sunniten, Aleviten oder Christen, ob Araber, Kurden oder weitere Bevölkerungsgruppen – alle Syrer sollten erkennen, dass nur sie selbst ihr Land vor dem Untergang retten können. Weder schmutziges Geld noch tödliche Waffen aus Nachbarstaaten können ihnen Frieden bringen. Und die Anhänger des Regimes sollten sich nicht von ihrer eigenen Siegeseuphorie täuschen lassen. Es gibt keinen Weg zum Frieden, wenn der Frieden nicht selbst der Weg ist - das haben wir von großen Männern wie Mahatma Gandhi und Nelson Mandela gelernt. Leider sieht es so aus, als müssten Lichtjahre vergehen, bis solche notwendigen Einsichten auch in Syrien und Nahost eine Chance erhalten.

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