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Standpunkt

Kommentar: Stimme für eine geteilte Welt

An diesem Montag wird António Guterres als neuer UN-Generalsekretär vereidigt. Der Ex-Premierminister Portugals und ehemalige UN-Flüchtlingskommissar ist genau der richtige Mann für den Posten, meint Georg Schwarte.

Nehmt den Mann beim Wort! Der neue UN-Generalsekretär will "Politischen Populismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und radikalen Extremismus benennen und besiegen." Nur zu, António Guterres! Seine Ankündigungen sind verheißungsvoll. Sein Lebenslauf ist universal. Sein Job ist unmöglich. Aber egal.

Ein UN-Generalsekretär ist der machtloseste Mensch auf der internationalen Bühne. Er hat nur eine Chance: Reden muss er können. Wachrütteln. Fordern. Appellieren. Nerven. Und António Guterres kann nerven. Und er hat Nerven. Auf Ban Ki Moon, den freundlich lächelnden Asiaten ohne Stimme, folgt jetzt ein Vollblutrhetoriker.

Ban Ki Moon war das freundliche Gesicht der Vereinten Hilflosigkeit dieser Weltgemeinschaft. Der Mann hatte stets gute Absichten. Niemand wird das bestreiten. Aber der Mann war unsichtbar. Unhörbar. Unscheinbar. Ein stiller Diplomat am falschen Platz. Was wird bleiben nach zehn Jahren Ban Ki Moon? Ein Klimaabkommen - sein Vermächtnis solange, bis es Donald Trump einreißt. Ein Syrienkrieg, der zur schwärenden Wunde der Welt wurde.

Kommentarbild Georg Schwarte PROVISORISCH

Georg Schwarte, ARD-Hörfunkkorrespondent in New York

Ein Sicherheitsrat, der damit beschäftigt scheint, sich selbst zu blockieren. Eine Weltgemeinschaft, die es in zehn Jahren Ban Ki Moon nicht schaffte, sich und jenes Gremium der 15 Nationen samt Vetorecht zu reformieren. Eine Armee der Blauhelme, deren Ruf beschädigt, deren Mandat limitiert und deren Ausbildung fragwürdig ist. Eine Weltgemeinschaft, deren Gastland USA nicht länger gastfreundlich gegenüber diesen Vereinten Nationen sein dürfte, deren Sinn und Zweck der kommende US-Präsident sich standhaft weigert zu verstehen.

Die Menschheit braucht die UN

Jetzt also ein neuer UN-Generalsekretär. Er wird die Welt nicht neu erfinden. Er wird an Grenzen stoßen. Er wird an diesem jämmerlichen UN-Sicherheitsrat verzweifeln. Aber er wird es sagen. Er wird es zeigen. Er ist die Hoffnung in sehr dunklen Zeiten. Wer heute sagt, diese Vereinten Nationen, die brauche kein Mensch mehr, der liegt schwer daneben. Jeder Mensch, die Menschheit insgesamt braucht diesen schwerfälligen, konsensorientierten, bürokratischen Laden mehr denn je.

Denn die Welt ist ein Scherbenhaufen. Rechtspopulismus die neue Mode. Fakten sind interpretierbar. Kriege sind Alltag. Und erst wenn die Politik alles zu Schanden geritten hat, schreien sie wieder nach den Vereinten Nationen: "Warum helft ihr nicht?" António Guterres kennt dieses erbärmliche Spiel. Er könnte und sollte zum Spielverderber werden. Die Welt braucht seine Stimme. Jetzt. Zehn Jahre kam aus dem UN-Generalsekretariat nur ein sanftes Murmeln.

Jetzt kommt Guterres. Die Welt hat nach der Wahl von Donald Trump erschrocken die Luft angehalten, durchgeatmet und fatalerweise beschlossen, selbst ein solcher Mensch habe eine Chance verdient. Unsere Chance und Antwort als Weltgemeinschaft heißt ab heute: Guterres. Gebt dem Mann eine Chance. Uns Menschen zu Liebe. Wir haben nur ihn.

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