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Fußball

Kommentar: Stille Freude

Der SC Freiburg hat sich auf Platz fünf festgesetzt und liegt voll auf Europapokal-Kurs. Dennoch bleibt der Verein erfrischend bescheiden. Allein das macht ihn schon zum Gewinner, meint DW-Sportreporterin Olivia Fritz.

Portraitfoto Olivia Fritz (DW), (Foto: Michael Palm, Palm-Pictures)

DW-Sportreporterin Olivia Fritz

Fragt man Freiburgs Trainer Christian Streich nach dem Thema "Europa", so bekommt man bestenfalls eine politische Analyse. Im Zusammenhang mit seinem Verein SC Freiburg fällt ihm dagegen nicht wirklich etwas ein. Ihn nerven solche Fragen, so scheint es. Zum Glück! Wie oft schon hat man nach fußballerischen Höhenflügen hohle Phrasen zu hören bekommen. Streich dagegen verweist auf das Saisonziel des Sportclubs. Und das lautet Klassenerhalt. 34 Punkte haben die Freiburger mittlerweile auf dem Konto, sechs fehlen noch, dann sollte das Minimalziel erreicht sein. Vor einem Jahr war Freiburg nach dem 22. Spieltag Letzter. Im Moment ist der SC nur noch drei Punkte von einem Champions-League-Qualifikationsplatz entfernt.

Europokal statt Abstieg?

Dennoch mahnt Streich zur Demut und schließt sich selbst mit ein: Er hoffe, dass Trainer wie Spieler nicht die Bodenhaftung verlören. Das passt zum Gesamtbild, das man von Freiburg als Stadt und dem SC als Fußballklub hat: Sympathisch, bescheiden, studentisch-intellektuell. Und Sinnbild für kontinuierliche Arbeit in der Bundesliga: Volker Finke blieb 16 (!) Jahre. Dann kamen die vier Jahre unter Robin Dutt und daraufhin ein untypisch kurzes Intermezzo mit Markus Sorg (fünf Monate), auch ein Mann aus der Region. Seit Ende 2011 zieht der Freiburger Streich die Fäden. Ein überragender Trainer, weil er mutig viel Personal ausgetauscht hat, auf die eigenen Spieler aus der Regionalliga-Truppe setzte und anscheinend insgesamt viel richtig macht. Und weil er ist, wie er ist und als Trainer andere ebenfalls sein lässt, wie sie sind – außer, es schadet dem Fußball. Er selbst hat nie hochklassig gespielt, keine Weltmeisterschaft gewonnen. Aber er scheint die Sprache seiner Spieler zu sprechen. Und er scheint ihnen seine Idee von Fußball bestens vermitteln zu können.

Gelassenheit statt Drama

Freiburg macht mit einem kleinen Etat vor, wie es gehen kann, während andere Klubs wie 1899 Hoffenheim oder der VfL Wolfsburg klotzen und auch Mal ohne große Konsequenzen Millionen Euro fehlinvestieren. Der SC bleibt ruhig und gelassen, während die Konkurrenz bei zwei Niederlagen in Folge in Panik verfällt und Schnellschüsse tätigt. Selbst, wenn der fünfte Platz am Ende der Saison in weite Ferne gerückt sein sollte und Freiburg irgendwo zwischen Platz sieben (was auch schon ein toller Erfolg wäre) und Platz 15 landet, gäbe es kein großes Drama. Dies alles weiß Streich. Die Erwartungshaltung ist nicht hoch. Hauptsache, man hat mit dem Abstieg nichts zu tun. Alles andere ist Zugabe, muss aber am 22. Spieltag noch nicht kommentiert werden. Und genau deshalb ist Freiburg schon jetzt ein Gewinner.