Kommentar: Steve Bannons tiefer Fall ändert nichts an Donald Trump | Kommentare | DW | 11.01.2018
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Standpunkt

Kommentar: Steve Bannons tiefer Fall ändert nichts an Donald Trump

Der Bruch zwischen Steve Bannon und US-Präsident Donald Trump sowie Bannons Ausstieg bei Breitbart mögen den Rechtsruck im Weißen Haus bremsen. Aber Trumps politischer Grundsatz bleibt der gleiche, meint Michael Knigge.

Möchte man verstehen, wie US-Präsident Donald Trump tickt, dann sollte man eines nicht vergessen: Bei Donald Trump dreht sich ultimativ alles um Donald Trump und seine Familie. Dieser einfache, aber wichtige Grundsatz hilft auch, um Steve Bannons Verbannung aus Trumps eingeschworenen Kreis an Freunden, Beratern und Sponsoren nachvollziehen zu können.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist die entstandene Kluft zwischen Trump und Bannon offensichtlich. Was Bannon vermutlich mehr als alles andere geschadet hat, waren seine boshaften Kommentare über Trump selbst und seine Kinder Ivanka und Donald Jr. - und weniger seine politischen Ambitionen oder die Tatsache, dass er gegenüber dem Verfasser des Trump-Verrisses in Buchform Interna des Weißen Hauses ausplauderte.

Denn wenn es hart auf hart kommt, dann denkt Trump zuerst an sich und seine Familie. Aber: Das heißt eben auch, dass Bannons Abgang nicht das Ende von Trumps grundlegendster politischer Richtlinie ist. Im "Trumpismus", sofern er als solcher existiert, ging es nie um Steve Bannon, Nationalismus, Isolation oder überhaupt irgendetwas, das ansatzweise einer Ideologie oder einem nachvollziehbarem Weltblick entspräche.

Der Kern des Trumpismus

Trumpismus, wenn richtig verstanden, ist im Grunde genommen nichts anderes als "Donald Trump first”. Und diese Politik galt schon lange bevor Trump Präsident oder Kandidat wurde. Das bestätigen auch alle bisher über ihn vorliegenden Biografien. Deshalb wird es diesen Trumpismus auch weiterhin geben, obwohl Bannon nicht mehr im Spiel ist. So wie er auch fortbestand, nachdem der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn oder der ehemalige Regierungssprecher, Anthony Scaramucci, und viele andere das Weiße Haus verlassen hatten.

Michael Knigge Kommentarbild App

Michael Knigge ist Korrespondent in Washington

Sicherlich hatte Steve Bannon mehr Einfluss auf die politische Agenda des Präsidenten und seine Ansichten als alle anderen, die nicht mit ihm verwandt sind. Aber es ist auch wahr (Trump selbst wird nicht müde das immer zu wiederholen), dass Bannon erst sein Wahlkampfmanager wurde, als Trump bereits die offizielle Nominierung der Republikaner als Präsidentschaftskandidat eingeheimst hatte.

Seine ersten schändlichen Kommentare gegen Einwanderer äußerte er bereits 2015, als er Mexiko beschuldigte "Vergewaltiger" in die USA zu schicken und schwor, "eine große, große Mauer" entlang der südlichen US-Grenze zu bauen. Also deutlich vor der Zeit, als Bannon offiziell Einfluss nahm. Aber natürlich haben Bannon und Trump sich damals schon gekannt, gemocht und miteinander gesprochen. Es mag also durchaus sein, dass Bannons Ideen schon damals bei Trump Gehör fanden.

Ein seltsames, aber perfektes Paar

In gewisser Hinsicht und für eine gewisse Zeit hat sich das Duo perfekt ergänzt: Bannon, der sich vom ehemaligen Goldman Sachs-Banker zum Wirtschaftsnationalisten gewandelt hatte und prahlte, Breitbart zu einer Plattform für Ultra-Rechte zu konfektionieren sowie eine Revolution in Washington anzuzetteln, traf in Trump einen Immobilienmogul mit großen Ambitionen, aber ohne jegliche politische Wertvorstellungen.

Trump, der alles sagen und tun würde, nur um zu gewinnen, wurde zum perfekten Vehikel, um Bannons krude Ideologien bis ins höchste Staatsamt zu tragen. Trump war zudem dankbar für jene Impulse, die ihm Aufmerksamkeit verschafften und das Scheinwerferlicht während seinem Weg zum Sieg immer wieder auf ihn richteten.

Aber nach Trumps überraschendem Wahlsieg begann Bannons Stern heller zu leuchten, als es einem Präsidenten recht sein konnte, der eben selbst gerne im Rampenlicht steht. Ein Portrait über Bannon im "Time"-Magazin mit der Überschrift "Der große Strippenzieher" soll Trump kurz nach seinem Amtsantritt sehr verärgert haben - zumal ihm nachgesagt wird, dass er Buch führe darüber, wie oft er selbst auf der Titelseite des Heftes landet.

Trump und die Republikaner

Seitdem ging es für Bannon langsam bergab, was im vergangenen Sommer mit seinem Abschied vom Weißen Haus endete. Anfangs hatte Trump für Bannon noch nette Worte übrig. Doch dann wurde der ehemalige Berater vom Präsidenten sowohl in öffentlichen Stellungnahmen als auch per Twitter ausdrücklich gefeuert. Und Rebekah Mercer, deren rechtspopulistischer und milliardenschwerer Vater sowohl die Trump-Kampagne als auch Breitbart finanziert hat, verkündete kurz darauf, dass ihre Familie ebenfalls alle Verbindungen zu Bannon abbrechen werde.

Es überrascht kaum, dass viele der etablierten Republikaner im Kongress und anderswo, die sich mit Hände und Füßen gegen Bannons Politik gewehrt hatten, Trumps öffentlichen Bruch mit ihrem Erzfeind feiern und sich nun von Bannons Abgang mehr Einfluss auf Trump versprechen. Aber sie sollten sich nicht allzu viel Hoffnung machen. Denn Trumps Wahlkampf sowie sein Umgang mit der Partei und ihrer Führungselite haben eines ganz klar gemacht: Trump hält nicht viel vom republikanischen Establishment.

Der Präsident wird mit den Republikanern arbeiten, wenn er der Meinung ist, dass es ihm hilft. Und er wird es lassen, wenn er keinen Nutzen darin sieht. Denn der Kern der Trump'schen Politik bleibt gleich, egal ob Steve Bannon etwas zu sagen hat oder nicht: Für Donald Trump steht allein Donald Trump an erster Stelle.

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