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Kommentare

Kommentar: Spielzeug für Reiche

Eine Kaufprämie für Elektro-Autos wird bestenfalls ein Strohfeuer entfachen, ist keine Wunderwaffe im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel - und ordnungspolitisch höchst bedenklich, meint Rolf Wenkel.

Ich geb's zu, ich habe noch nie in einem E-Auto gesessen. Leute, die so ein Auto haben, schwärmen von der ansatzlosen, enormen Beschleunigung ihres Gefährts bei gleichzeitig nahezu völliger Geräuschlosigkeit. Ein geiles Gefühl, sagen sie.

Das kostet allerdings auch etwas. Ein Elektro-Golf zum Beispiel ist nicht unter 35.000 Euro zu haben, ein herkömmlicher Golf kostet zwischen 17 und 27.000 Euro. Und mit dem kommt man bis zu 700 Kilometer weit, während man mit dem E-Golf nach 190 Kilometern dringend eine Steckdose aufsuchen sollte.

Fazit: Selbst wenn mir Staat und Industrie 4000 Euro dazu geben, kann ich mir einen Elektro-Golf nicht leisten - das Preis-Leistungsverhältnis stimmt einfach nicht. Keinem einzigen deutschen Hersteller ist es bislang gelungen, technisch ausgereifte Modelle anzubieten, die in Sachen Preis und Reichweite eine wirkliche Alternative zu herkömmlichen Autos darstellen - oder gar Begehrlichkeiten auslösen. Ein "Must have" wie beim Smartphone wird sich bei Elektroautos so schnell nicht einstellen - 4000 Euro hin oder her.

Wenkel Rolf Kommentarbild App

Rolf Wenkel aus der Wirtschaftsredaktion

Das Innovationsproblem

Und schon gar nicht bei deutschen Modellen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die deutsche Automobilindustrie Forschung und Entwicklung in Sachen Elektromobilität nur halbherzig betreibt - der Autoexperte Stefan Bratzel spricht von einem Innovationsproblem. 70 Prozent der Forschungsaktivitäten werden nach wie vor in die konventionellen Antriebe gesteckt, hat er festgestellt, vor allem in die Verbrauchsoptimierung von Dieseln und Benzinern - ein Schuft, wer Böses dabei denkt.

Das ist aus Sicht der Autobauer auch verständlich. Die Nachfrage nach E-Autos ist schwach, deshalb lassen sich keine Skalenffekte und sinkende Durchschnittskosten realisieren, die Margen sind gering, der Preis im Vergleich zu Volumenmodellen zu hoch. E-Autos sind ein Spielzeug für Reiche, aber wir werden nicht reich damit, wozu da noch Geld in Forschung und Innovationen stecken?

Ordnungspolitische Sünden

Nun hat sich aber die Bundesregierung selbst unter Druck gesetzt und vollmundig das Ziel verkündet, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zu haben. Da dieses Ziel ganz offensichtlich nicht zu erreichen ist, werden gleich zwei ordungspolitische Sünden begangen. Subventionen sind in einer sozialen Marktwirtschaft allemal eine lässliche Sünde, zumal in einer Branche, in der Milliarden umgesetzt und verdient werden. Und erzähle mir bitte keiner, nur weil die Branche die Hälfte zur Verkaufsförderung beisteuern muss, handele es sich nicht um den Tatbestand einer Subvention.

Und dann werden für diese Verkaufsförderung auch noch Steuergelder ausgegeben - der Steuerzahler finanziert also das Spielzeug für Reiche - Planwirtschaft de Luxe nennt das der Bund der Steuerzahler. Und Umweltverbände halten den Individualverkehr auf lange Sicht sowieso für ein Auslaufmodell - da sollten die Steuergelder doch besser gleich in die Förderung öffentlicher Verkehrssysteme gesteckt werden, argumentieren sie.

Keine Wunderwaffe

Womit wir beim Thema Umwelt wären. Elektroautos sind ja nicht per se umweltfreundlich, solange in Deutschland zur Stromerzeugung noch Kohle eingesetzt wird. Und die Produktion eines Elektrofahrzeugs, bis es beim Händler steht, hinterlässt in der Umweltbilanz einen ähnlich großen Fußabdruck wie die Produktion herkömmlicher Fahrzeuge. Eine Wunderwaffe im Kampf gegen den Klimawandel sind die E-Autos also nicht.

Ohnehin bleibt die Umweltpolitik der Bundesregierung so lange unglaubwürdig, wie sie kein generelles Tempolimit auf den Autobahnen einführt. Das würde nicht nur Tonnen von Feinstaub und Treibhausgasen einsparen, sondern auch die Zahl der Verkehrstoten drastisch reduzieren. Und das schönste daran ist: Es ist praktisch umsonst zu haben, würde den Steuerzahler so gut wie kein Geld kosten. Was freilich den Mut voraussetzt, sich auf eine echte Auseinandersetzung mit der Auto-Lobby einzulassen. Doch welcher Politiker hat den schon?