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Standpunkt

Kommentar: Spielt Trump Russisch Roulette?

Der US-Militärschlag kam für viele überraschend. Lange hat Donald Trump erklärt, dass er gegen ein Eingreifen in Syrien sei. Auch unser Kommentator Miodrag Soric hat derzeit mehr Fragen als Antworten.

Hoffentlich sind keine russischen Soldaten oder Militärberater bei dem amerikanischen Militärschlag auf Ziele in Syrien ums Leben gekommen. Das ist derzeit die Hauptsorge, die viele in den USA umtreibt - aber nicht nur dort. Falls nicht, dürfte die Zerstörung der syrischen Luftbasis kaum oder nur geringe Folgen haben: Ein einmaliger Schlag ändert nicht das militärische Gleichgewicht in dieser Region.

Was aber, wenn russische Staatsbürger doch ums Leben gekommen sind? Dann spielt Präsident Donald Trump Russisch Roulette. Denn dann wird auch der Kreml etwas tun müssen. Eine Eskalation des Konfliktes hätte unabsehbare Folgen. Die Trump-Administration versichert immer wieder, dass sie Moskau rechtzeitig gewarnt habe. Zumindest derzeit ist unklar, wie die russische Führung reagiert hat. Hat sie ihre Staatsbürger von der syrischen Militärbasis abgezogen? Offenbar haben sich dort russische Militärs aufgehalten.

Besuch in Moskau?

Porträt von Miodrag Soric

Miodrag Soric leitet das Studio Washington

In wenigen Tagen wollte sich der neue amerikanische Außenminister Tillerson aufmachen zu einem Moskau-Besuch. Derzeit ist völlig offen, ob es zu diesem Besuch überhaupt kommen wird. Tillerson, der sich einst als CEO eines Rohstoffunternehmens eine Freundschaftsmedaille von Russlands Präsidenten Putin an die Brust heften ließ, wurde genau deshalb von vielen Amerikanern misstrauisch beäugt. Sollte der amerikanische Außenminister nach Moskau fliegen, dürfte er dort kaum als Freund willkommen geheißen werden. Ein gemeinsames militärisches Vorgehen der USA und Russlands gegen den Islamischen Staat ist endgültig vom Tisch.

In jedem Fall fordert der amerikanische Alleingang die russische Führung heraus. Moskau und Teheran standen jahrelang vorbehaltlos hinter dem Regime in Damaskus. Sie leugneten dessen Menschenrechtsverletzungen, unterstützten es militärisch nicht nur gegen den Islamischen Staat, sondern auch gegen Amerikas Verbündete in Syrien. Damit machten sie sich mitschuldig an den Verbrechen dieses Regimes. Mit dem Militärschlag hat Trump deutlich gemacht, dass er das nicht länger tolerieren will.

Intervention eines Anti-Interventionisten

Was war das Ziel des amerikanischen Angriffs? Präsident Assad eine Lektion erteilen, weil er - nach amerikanischen Angaben - chemische Waffen gegen Zivilisten eingesetzt hat? Will die USA stärker als bisher militärisch in den syrischen Bürgerkrieg eingreifen? Es war der Wahlkämpfer Donald Trump, der 2016 den amtierenden Präsidenten Obama davor warnte, die USA in diesen Konflikt mit hineinziehen zu lassen. Amerika habe in Syrien nichts zu gewinnen, so Trump vor wenigen Monaten. Monatelang gebärdete er sich als Anti-Interventionist. Was hat sein Umdenken bewirkt? Offenbar die Bilder von den Opfern des Chemie-Angriffes sowie der öffentliche Druck, der dadurch zumindest in den amerikanischen Medien aufgebaut wurde. Trump, der seit seinem Einzug in das Weiße Haus innenpolitisch nur Niederlagen hat einstecken müssen, hasst es, als Schwächling dazustehen. Gewinnt er durch die Zerstörung einer syrischen Luftbasis an Statur? Zumindest hofft er es.

Die Reaktionen auf den amerikanischen Militärschlag könnten unterschiedlicher nicht sein. Applaus bekommt Donald Trump etwa von Senator John McCain, der schon lange amerikanische Bodentruppen nach Syrien schicken will und nun den Präsidenten ermuntert, weitere Angriffe gegen Assad in Auftrag zu geben. Senator Rand Paul hingegen stellt infrage, ob der US-Präsident zu so einem Angriff überhaupt autorisiert sei, ohne sich vorher die Genehmigung vom Kongress geben zu lassen. Viele US-Politiker warten erst einmal ab, welche Folgen der Militärschlag haben wird. Auch sie haben derzeit mehr Fragen als Antworten.