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Nahost

Kommentar: Solidarität mit Raif Badawi!

Zwar wurde die öffentliche Bestrafung des Bloggers Raif Badawi aus medizinischen Gründen vorerst abgesagt, doch das Urteil - 1000 Stockschläge - bleibt bestehen. Rainer Sollich vermisst einen öffentlichen Aufschrei.

Angela Merkel hat den Islam und die Muslime wiederholt vor jedem Generalverdacht in Schutz genommen, aber auch betont: "Religionsfreiheit und Toleranz meinen nicht, dass im Zweifelsfall die Scharia über dem Grundgesetz steht." Wäre Merkel nicht Deutschlands Bundeskanzlerin, sondern Bürgerin Saudi-Arabiens, dann würde ihr vermutlich schon dieser eine Satz drakonischen Strafen einbringen. So wie Raif Badawi. Der saudische Blogger wurde in seiner Heimat zu 1000 Stockschlägen sowie üppigen Haft- und Geldstrafen verurteilt - wegen angeblicher "Beleidigung" des Islam.

Wer beleidigt eigentlich den Islam?

In Wirklichkeit ist dieses Urteil eine Beleidigung für den Islam und schädigt sein Ansehen. Denn Badawis "Vergehen" erschöpft sich in freien Meinungsäußerungen, die nicht nur im Westen, sondern auch bei vielen Muslimen, nicht nur in Europa, Zustimmung finden: Badawi hatte die fehlende Trennung von Staat und Religion in seinem Land problematisiert. Und er hatte es "gewagt", den Islam als gleichwertig mit Christentum, Judentum und Bekenntnisfreiheit zu bezeichnen.

Deutsche Welle Rainer Sollich Arabische Redaktion

Rainer Sollich, Arabische Redaktion der DW

Als Badawi am vergangenen Freitag (09.01.2015) seine ersten 50 Stockhiebe erhielt, war dies vielen westlichen Medien jedoch leider nur eine Randnotiz wert. Alle blickten nach Paris, alle verurteilten den Terror und verteidigten die Meinungsfreiheit, alle bekundeten "Wir sind Charlie". Niemand organisierte Massenproteste für Badawi, obwohl er ähnlich wie die ermordeten Karikaturisten nichts anderes getan hat, als sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrzunehmen. Nur einige wenige Menschenrechtler und linke Kolumnisten erklärten: "Ich bin nicht nur Charlie - ich bin auch Raif!" Die Solidarität aus der arabischen Welt ließ bisher leider ebenfalls zu wünschen übrig. Zwar gibt es einige Unterstützer, doch auch dort beschäftigten sich die meisten Intellektuellen und Aktivisten mit Charlie Hebdo und den Mohamed-Karikaturen.

Der Westen unterstützt die Falschen

Dabei wäre ein öffentlicher Aufschrei vonnöten - auch und gerade im Westen: Badawi wird schließlich nicht von irgendwelchen militanten Terrorzellen gefoltert - sondern hochoffiziell von der Justiz eines angeblichen "Partners". Einem Staat, in dem neben Peitschenhieben auch Enthauptungen zum gewöhnlichen Straf-Instrumentarium gehören. Dass ein solches Regime als vollwertiger Partner im internationalen Kampf gegen den Terrorismus gilt, ist an Zynismus kaum zu überbieten. Nicht das korrupte saudische Könighaus, sondern Aktivisten wie Raif Badawi verdienen unsere Unterstützung.

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