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Afrika

Kommentar: Simbabwes Opposition hat wieder versagt

Robert Mugabe wird in Simbabwe seine siebte Amtszeit antreten. Die afrikanischen Nachbarländer nennen die Wahlen frei. Die Opposition protestiert - ist aber auch schuld am Debakel des Landes, meint Ludger Schadomsky.

Ludger Schadomsky, stellvertretender Leiter der Afrika-Programme (Foto: DW/M. Müller)

Ludger Schadomsky, stellvertretender Leiter der Afrika-Programme der DW

Es wäre ein Leichtes, an dieser Stelle einmal mehr auf die zahnlose Afrikanische Union einzudreschen, die das wohl manipulierte Wahlergebnis ebenso abgesegnet hat wie die Staatengemeinschaft des südlichen Afrika, die SADC. Beide sind längst bekannt dafür, dem Dinosaurier Mugabe in Harare freie Hand zu lassen. Zuletzt zeigte sich dies im Juni eindrucksvoll, als Mugabe den Appell der SADC, den hastigen Wahlgang zu verschieben, als lästige Einmischung vom Tisch fegen durfte.

Der Staatenbund wird dominiert von der Regionalmacht Südafrika, dessen Präsident Jacob Zuma "tief empfundene" Glückwünsche über die Grenze schickte. Nach wie vor gilt Mugabe vielen in der Regierungspartei ANC (African National Congress) als Volksheld, der dem bösen Westen die Stirn bietet. Und weil eine Südafrikanerin den Ton angibt in der Afrikanischen Union, nickt auch die, zum Entsetzen der Amerikaner und der Europäer, den Urnengang ab. So weit, so wenig überraschend.

Betrug an den Hoffnungen von Millionen Simbabwern

Nein, die wirkliche Enttäuschung dieser Wahl ist die Opposition, also die "Bewegung für demokratischen Wandel" (MDC). "Es darf kräftig bezweifelt werden, dass (…) Morgan Tsvangirai die Wahl selbst unter besseren Bedingungen gewonnen hätte", schreibt "Der Standard" aus Wien in seiner Einschätzung - und hat vollkommen Recht. Der "Betrug", den der schwergewichtige Premierminister Tsvangirai jetzt anprangert, ist nämlich ebenso sein Betrug - an den Hoffnungen von Millionen von Simbabwern nämlich.

Der einstige Märtyrer, der sich von Mugabes Schlägern krankenhausreif prügeln ließ, machte im Vorwahlkampf allein mit einer Reihe von Sexskandalen von sich reden, nicht aber durch fundierte politische oder wirtschaftliche Programmatik. Wie zynisch muss ein Politiker sein, sich angesichts des epidemischen Hungers in seinem Land auf einem Kreuzfahrtschiff vor Singapur ablichten oder den Amtssitz für stolze 2,6 Millionen Euro renovieren zu lassen? Dies und die Korruptionsskandale seiner Parteifreunde in der MDC nähren den Verdacht, dass sich der ehemalige Gewerkschaftsführer in der "Regierung der nationalen Einheit" mit Mugabe weit besser eingerichtet hat, als er dies öffentlich kundtut.

Kurze Euphorie, schnelle Ernüchterung

Es ist nicht lange her, da sprachen die Diplomaten in Harare - anfangs hinter vorgehaltener Hand - mit Euphorie über Tsvangirai, wenngleich eine gewisse Grundskepsis hinsichtlich seines politischen und volkswirtschaftlichen Tiefgangs von Beginn an dazugehörte. Heute nicken dieselben Diplomaten die hämische Schlagzeile der regierungsnahen Zeitung "The Herald" ab, Tsvangirai habe sich wohl mehr mit Frauen als mit der Wahl beschäftigt.

Wenn selbst die Drohung Mugabes, den wertlosen Simbabwe-Dollar wieder einzuführen, der das Land in die Hyperinflation und damit in den wirtschaftlichen Ruin trieb, der Opposition keine Wähler zuspült, dann ist dies eine Bankrotterklärung derer, die es doch besser machen wollten.

Afrikas Jugend hat die Politik der Alten satt

Natürlich bietet sich der Querverweis von Mugabe zu Mandela im benachbarten Südafrika an - betagte Freiheitshelden, alle beide, globale Friedensikone der eine, Despot und Demagoge der andere. Doch Afrika ist der Kontinent der 20-Jährigen, nicht der 90-Jährigen. Und die jungen Afrikaner wenden sich in Scharen ab. Wer die Politikverdrossenheit junger Afrikaner kennt, ist froh über deutsche Verhältnisse. Sie wenden sich ab von ihren autoritären und schlicht unfähigen Regierungen. Schlimmer aber noch: Sie wenden sich auch von der Opposition ab, die eine Alternative sein könnte. Längst wird diese zwischen Angola und Kenia, zwischen Mali und Äthiopien als ebenso korrupt und engstirnig empfunden wie die jeweilige Clique im Regierungspalast.

Dies ist, weit über Simbabwe und das südliche Afrika hinaus, die bittere Erkenntnis der Wahl in Mugabeland. Solange politische Opposition in Afrika bedeutet, die Fleischtöpfe der Macht nur unter einem anderen Parteienbanner oder Clannamen zu plündern, können noch so viele Wachstumsstudien Afrikas "Löwen" preisen. Afrika wird ohne eine programmatisch starke und persönlich integre Opposition nicht auf die Beine kommen.

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