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Nahost

Kommentar: Sieger auf Zeit

Nach sieben Wochen Krieg haben sich Israel und die Palästinenser auf einen Waffenstillstand geeinigt. Beide Seiten erklären sich zum Sieger. Das zeigt, dass beide noch viel zu verlieren haben, meint Anne Allmeling.

Stärke demonstrieren - das ist der Hamas im Gazastreifen wichtig. Sieben Wochen lang hat die islamistische Organisation gegen Israel gekämpft, Raketen abgefeuert, feindliche Soldaten in Schach gehalten. Dafür musste sie mörderische Gegenschläge einstecken. Mehr als 2000 Palästinenser sind in den vergangenen Wochen getötet worden, darunter zahlreiche Zivilisten. Aufgeben wollte die Hamas trotzdem nicht. Erst jetzt hat sie einem unbefristeten Waffenstillstand mit Israel zugestimmt. Der erfüllt ein Minimum ihrer Forderungen - mehr nicht. Dennoch feiert sich die Hamas als Sieger. Dabei hätte sie diesen Sieg bereits vor Wochen haben können.

Israel verliert an Ansehen

Schwäche zeigen - das kommt für die israelische Regierung nicht infrage. Wann immer neue Raketen auf israelischem Boden landeten, schlug die Armee in den vergangenen Wochen zurück. Hunderte palästinensische Kinder kamen dabei ums Leben, unzählige Gebäude im Gazastreifen wurden zerstört - selbst Schulen und Krankenhäuser, in denen zum Teil Raketen gelagert wurden. Israel hat sich noch stärker angreifbar gemacht und international an Ansehen verloren. Dennoch sieht sich die Regierung als Sieger.

Dabei zeigt die Bilanz des jüngsten Krieges, dass beide Seiten nicht viel gewonnen haben. Die Hamas hatte eine vollständige Aufhebung der israelischen Blockade des Gazastreifens erreichen wollen. Die wird nun gelockert. Doch wenn die Hamas-Kämpfer von einem "Sieg" über die Israelis sprechen, machen sie sich unglaubwürdig. Denn die Israelis kontrollieren an ihren Grenzübergängen, was an Hilfsgütern und Baustoffen zum Wiederaufbau in den Küstenstreifen geliefert wird.

Die Hamas ist geschwächt

GMF Foto Anne Allmeling

DW-Redakteurin Anne Allmeling

Hinzu kommt, dass der Grenzübergang Rafah nach Ägypten künftig von Sicherheitskräften der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrolliert wird. Das schwächt im innerpalästinensischen Machtkampf die Hamas und stärkt die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, die das Westjordanland dominiert. Die Hamas muss außerdem mit dem Militärregime in Ägypten kooperieren, das die mit der Hamas verbündeten Muslimbrüder aus dem Amt gejagt hat. Die Siegesrhetorik der Islamisten soll diesen "Makel" der jüngsten Vereinbarung vermutlich übertönen.

Die Israelis feiern nicht ganz so laut. Vielleicht, weil sie es weniger nötig haben. Zwar hat auch die israelische Regierung ihr Ziel - die Entwaffnung der Hamas - nicht erreicht. Aber der Vormarsch der Islamisten im Nachbarland Syrien und im Irak spielt den Israelis ein Stück weit in die Hände. Denn er schürt die Angst vor einem nicht mehr zu kontrollierenden Chaos im Nahen Osten und schwächt die internationale Solidarität mit radikal-islamischen Gruppen wie der Hamas.

Weitere Zugeständnisse sind nötig

Als Sieger können sich die Israelis aber auch nicht fühlen. Denn damit der Waffenstillstand hält, muss sich Israel auf weitere Zugeständnisse einlassen. Die Hamas fordert einen eigenen See- und Flughafen im Gazastreifen. Außerdem will sie die Freilassung palästinensischer Gefangener. Die Israelis dagegen drängen weiterhin auf eine vollständige Entwaffnung aller palästinensischen Gruppen in dem Küstenstreifen. Wenn sich jetzt beide Seiten als Sieger ausgeben, dann auch, weil sie wissen, dass die eigentlichen Streitpunkte noch längst nicht gelöst sind.

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