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Politik

Kommentar: Sicherheit in Afghanistan ist selten

Die Bundeswehr hat das ISAF-Kommando im Norden Afghanistans übernommen. Allerdings verfügt die internationale Staatengemeinschaft immer noch nicht über ein effektives Gesamtkonzept, findet Peter Philipp.

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Ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan

Viereinhalb Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes scheint Afghanistan von innerem Frieden und neuer staatlicher Ordnung weiter entfernt denn je: Weltweite Hilfe für das Projekt Afghanistan ist teilweise versickert, bevor sie vor Ort umgesetzt werden konnte. Und die Taliban sind längst wieder dabei, den Kopf zu erheben und der Zentralregierung wie auch ihren internationalen Helfern das Leben schwer zu machen: Nach jüngsten Schätzungen sollen die fanatischen "Koran-Schüler" bereits wieder über 12.000 Bewaffnete im Süden des Landes verfügen - einer Gegend, in der die gegenwärtig knapp 3000 US-Soldaten durch ein doppelt so starkes Kontingent der NATO abgelöst werden sollen.

Gerade dieser Süden Afghanistans zeigt, wie erfolglos die Veränderungsbemühungen im Grunde waren: Obwohl diese Gegend die Hochburg der Taliban - auch während ihrer Herrschaft in Kabul - war, ist die Autorität der Zentralregierung dort kaum hergestellt worden. Und die bisher dort agierenden US-Truppen schienen sich auch nicht sonderlich darum zu kümmern: Ihnen ging es hier - wie auch im nordöstlichen Grenzgebiet zu Pakistan - in erster Linie darum, Osama bin Laden und Anhängern seiner El-Kaida-Organisation nachzujagen.

Alles beim Alten?

In anderen Gegenden des Landes profitierten ebenfalls alte Kräfte von der offenkundigen Unfähigkeit des Auslandes und der Regierung Karzai, Ruhe und Ordnung herzustellen: Die alten Warlords kamen in ihren Gegenden wieder an die Macht und selbst wenn Präsident Hamid Karzai einige von ihnen inzwischen abgelöst hat: Afghanistan lebt weiterhin vom alten System regionaler Herrscher, das immer schon die Zentralregierung zur Farce und die Lage im Land zu einem ernsthaften Unsicherheitsfaktor gemacht hat.

Manches wäre wahrscheinlich besser verlaufen, wenn das Ausland seinen Einsatz besser geplant und koordiniert hätte. So aber sind nicht nur die Hilfsmaßnahmen oft ins Leere gegangen und Gelder bei den Helfern oder korrupten Regierungsbeamten hängen geblieben, statt bei den Bedürftigen anzukommen. So ist es nicht gelungen, den Drogenanbau zu reduzieren, im Gegenteil: Afghanistan ist weltweiter "Marktführer" auf diesem Gebiet. Die Sicherheitslage verschlechtert sich zusehends wegen unzureichender Planung auf Seiten der ausländischen Truppen sowie unzureichender Ausbildung und Stärke der afghanischen Streitkräfte.


Trügerische Ruhe?

Wenn die Bundeswehr am Donnerstag (1.6.2006) das Kommando in Masar-i-Scharif übernommen hat, dann mag noch tröstlich sein, dass dies bisher eine relativ ruhige und sichere Gegend war. In Afghanistan herrscht aber Übereinstimmung, dass seit dem Sturz der Taliban solche Gegenden im Land immer seltener werden. Und ohne ausreichendes - und effektives - Gesamtkonzept werden wohl auch in Masar Ruhe und Frieden von begrenzter Dauer sein.

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