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Standpunkt

Kommentar: Schluss mit der Relegation!

Die Relegation sollte Spannung ins Bundesliga-Finale bringen. Das Konzept geht nicht auf, meint DW-Sportreporter Matt Ford. Und das liegt nicht nur an der Fan-Gewalt.

Philipp Pentkes Job ist es, Tore zu verhindern. Bei der Ausübung seines Berufs kam am Dienstagabend eine weitere Tätigkeit hinzu: das Ausweichen vor fliegenden Tribünensitzen und Metallstäben. Der Torwart von Jahn Regensburg stand in den Schlussminuten des Zweitliga-Relegations-Rückspieles zwischen 1860 München und Regensburg unter Beschuss. Nur waren es nicht anfliegende Bälle, sondern wesentlich gefährlichere Geschosse. Es waren gewalttätige und beschämenden Szenen in der Münchener Allianz Arena. Und sie sollten ein Nachspiel haben.

Matt Ford Kommentarbild

DW-Sportreporter Matt Ford: "Die zusätzliche Vermarktung der Spiele bringt Millionen - aber keinen sportlichen Mehrwert."

Längst ist eine Diskussion entbrannt, die über die jüngsten Ausschreitungen hinausgeht. Es geht um die Relegationsspiele als solche. In diesen Alles-oder-nichts-Spielen entlädt sich leider immer wieder der blanke Hass, die Wut, die Teile der so genannten Fan-Szene mit ins Stadion trägt. Nur eine Nacht zuvor stürmten Eintracht-Braunschweig-Anhänger das Spielfeld nachdem ihre Mannschaft den Aufstieg im Bundesliga-Relegations-Match gegen Wolfsburg nicht geschafft hatte. Die Fan-Gewalt ist und bleibt ein großes Problem des deutschen Fußballs. Aber sie ist nicht der Grund, warum die Relegation abgeschafft werden sollte. Denn die Ausschreitungen beschränken sich nicht auf Relegationsspiele.

Fast immer ein ungleiches Duell

Seit ihrer Wiedereinführung in Deutschland in der Spielzeit 2008/2009 gewannen sieben Mal die Klubs aus der höheren Liga. Die ohnehin in Selbstauflösung befindlichen Münchener Löwen bilden da eine Ausnahme. Und das ist kein Zufall: Denn die Finanzstrukturen der ersten, zweiten und dritten Fußballliga in Deutschland schaffen Ungleichheit - die höheren Spielklassen sind stets im Vorteil. Es ist keine gute Idee, zwei völlig unterschiedlich finanzierten Teams um Auf- oder Abstieg spielen zu lassen. Der Drittletzte gegen den Drittbesten ist ein ungleiches Duell.

2. Bundesliga TSV 1860 München - Jahn Regensburg (picture-alliance/dpa/P. Kneffel)

Tumulte statt Spannung: Die Relegation sollte reformiert werden.

Der VfL Wolfsburg ist da ein gutes Beispiel: Über die gesamte Saison hinweg enttäuschten die Wölfe aus der Autostadt und hörten damit auch in den beiden Relegationsspielen nicht auf. Doch die individuelle Klasse des millionenschweren Vieirinha machte den Unterschied - Wolfsburg bleibt erstklassig, Braunschweig zweitklassig. Der ganze Relegations-Zirkus ist sinnlos und dient ohnehin nur Profit-Interessen der Bundesliga. Die zusätzliche Vermarktung der Spiele bringt Millionen - aber keinen sportlichen Mehrwert.

Was ist Fußball ohne Unvorhersehbarkeit?

An dieser Stelle lohnt ein Blick nach England: Dort gibt es ebenfalls ein Relegationssystem, aber eines, das Spannung bringt. Denn in der 2. Liga auf der Insel spielen der Dritte, Vierte, Fünfte und Sechste den Aufsteiger untereinander aus. Es ist ein dramatischer und fairer Vergleich zum Saisonfinale, der kein Team benachteiligt. Gleiche treffen auf Gleiche. So macht Relegation Sinn. Und der Fußball bekommt seine Schlüsseleigenschaft zurück: seine Unvorhersehbarkeit.

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