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Wirtschaft

Kommentar: Schlechte Gewohnheiten führen zum Verfall des Dollar-Kurses

Der Euro ist so teuer und der Dollar zu billig wie noch nie. Vieles spricht dafür, dass sich so schnell nichts an der aktuellen Dollarschwäche ändert, meint Rolf Wenkel.

Themenbild Kommentar

Rolf Wenkel

Rolf Wenkel

Das Vertrauen in den US-Dollar sinkt zusehends. Abzulesen ist das unter anderem am Wechselkursverhältnis zum Euro. Die Zeiten, als man 95 US-Cent für einen Euro bekam, gehören längst der Vergangenheit an. Heute kann man für einen Euro Waren und Dienstleistungen im Gegenwert von 1,50 US-Dollar kaufen. Das ist nicht nur schön für europäische Touristen, die in den USA oder in solchen Ländern Urlaub machen, deren Währung an den Dollar gekoppelt ist.

Ein treffliches Kostensenkungsprogramm

Es ist auch schön für die europäische Industrie. Denn die ist traditionell von Rohstoffen, Energieträgern und Vorprodukten abhängig – und diese Importe werden überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein treffliches Kostensenkungsprogramm also für die Europäer, das ihnen hilft, die exorbitant gestiegenen Preise für Rohstoffe und Energie auf dem Weltmarkt zu verkraften.

Trotzdem gibt es Stimmen, die vor einem allzu starken Euro und damit verbundenen Wachstumseinbußen warnen. Denn die Kehrseite des billigen Dollars ist, dass er europäische Waren und Dienstleistungen teurer macht. Rezessionstendenzen in den USA - verbunden mit einem starken Euro - werden also auch hierzulande die Exporte in den Dollarraum vermindern und so Bremsspuren beim Wirtschaftswachstum hinterlassen.

Gefahren werden übertrieben

Doch diese Gefahren für die europäische und speziell für die deutsche Wirtschaft werden meistens hoffnungslos übertrieben. Denn erst einmal: Den dicksten Brocken des Außenhandels – ungefähr zwei Drittel – wickeln die Europäer untereinander ab, dort also, wo der Dollar überhaupt keine Rolle spielt. Nicht einmal ein Fünftel aller Exporte geht in die USA, in Deutschland sind es gar nur acht Prozent.

Zweitens kommt hinzu, dass Exporteure, die Kunden in den USA haben, nicht dumm sind. Sie hatten genug Zeit, sich mit Devisentermingeschäften gegen einen fallenden Dollar abzusichern.

Und drittens gehen immer mehr Firmen dazu über, Produktionsstätten dort aufzubauen, wo ihre Waren gefragt werden – also auch im Dollarraum. Insofern berührt sie der schwache Dollar überhaupt nicht – im Gegenteil. Wer Produktionsstätten im Dollarraum hat, profitiert vom schwachen Dollar genauso wie die amerikanischen Exporteure, deren Waren und Dienstleistungen durch den billigen Dollar immer günstiger werden.

Allerdings: Viel haben die US-Amerikaner nicht, was auf dem Weltmarkt begehrt ist. Na gut, Waffen, Flugzeuge, Software. Schon ihre Computertechnik ist eigentlich kein amerikanisches Produkt mehr, denn die wird in Taiwan oder Korea zusammengebaut, da kommt nur ein amerikanisches Logo drauf. Aber sonst? Eine Hamburger-Kette und eine Kaffeehaus-Kette gibt es noch, zudem ein paar Filme aus Hollywood.

Leben auf Pump braucht Vertrauen

Doch das ist nichts gegen die riesige Armada asiatischer Containerschffe, die täglich Amerikas Häfen anläuft und die Konsumenten mit Waren überschüttet. Meistens fahren diese Schiffe leer zurück – höchstens gefüllt mit Verpackungsmaterial für die nächste Warenlieferung. Amerika kauft und konsumiert mehr, als es selber produziert und verkauft. Mit anderen Worten: Der US-Konsument lebt auf Pump, der Staat lebt auf Pump, die US-Wirtschaft lebt auf Pump.

Wer auf Pump lebt, muss jemanden finden, der ihm Geld leiht. Geld wird in der Regel nur im Vertrauen auf eine Rückzahlung plus Zinsen verliehen. Doch dieses Vertrauen schwindet zusehends. Genau das ist es, was den Dollar an den internationalen Devisenmärkten fallen lässt. Und daran wird sich in nächster Zeit vermutlich nichts ändern – zumindest, solange die Amerikaner nichts gegen ihre gigantischen Defizitie im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz unternehmen. Dazu aber müssten sie sich abgewöhnen, ständig auf Pump zu leben.

Doch danach sieht es momentan nicht aus. Denn es ist ziemlich schwer, schlechte Gewohnheiten abzulegen. Warum soll es da Amerikanern anders gehen als zum Beispiel Rauchern?

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