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Kommentar: Schelte unangebracht

Deutschland ist raus. Die hochgehandelte Nationalelf scheitert im EM-Halbfinale an Gastgeber Frankreich. Was fehlte, waren mehr Durchschlagskraft im Angriff und das nötige Glück, findet DW-Sportredakteur Jens Krepela.

Bitteres EM-Aus für die deutsche Nationalelf – so schreiben es die Eilmeldungen und Überschriften in die Welt. Und üblicherweise ist dabei auch ganz schnell ein Schuldiger gefunden. Trainerschelte, Spielerschelte, Schiedsrichterschelte – irgendeiner muss doch richtigen Mist gebaut haben! Gehen wir also kriminalistisch vor und nehmen uns eines nach dem anderen vor.

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DW-Sportredakteur Jens Krepela

Ist der Trainer schuld?

Da wäre der Verdächtige Joachim Löw. Schon einmal hat es der Bundestrainer vergeigt: Bei der EM anno 2012 gegen Italien stellte er ebenfalls im Halbfinale sein bis dahin fabelhaftes Team um und verlor 1:2. Und diesmal? Löw vertraute gegen Frankreich auf seine Viererkette, schwörte auf Routinier Bastian Schweinsteiger und brachte Emre Can als Unterstützung ins Mittelfeld. Der Plan ging auf, die deutsche Elf kontrollierte fast über die gesamte Spielzeit die Zentrale. Die Defensive ließ wenig zu und im Angriff erspielte sich sein Team Torchancen. Nur rein wollte keiner. Später wechselte Löw offensiv, brachte Götze und Sané. Doch rein ins Tor wollte noch immer kein Ball. Das Löw zum Vorwurf zu machen, wäre weit hergeholt. Durch die Verletzung von Mario Gomez fehlte dem Coach eine durchschlagskräftige Spitze, die möglicherweise einen Unterschied hätte ausmachen können. Doch Löw hat weder die falsche Taktik gewählt, noch falsch gewechselt. Und auch seine umstrittene und aus der Fernsicht riskante Kaderplanung um die zunächst verletzten Schweinsteiger und Hummels ist nicht zu bemängeln. Fazit: Freispruch!

Wurde die deutsche Elf verpfiffen?

Der nächste Verdächtige ist ganz klar Nicola Rizzoli. Der Schiedsrichter. Aus Italien! Und das unmittelbar nach dem deutschen Erfolg im Elfmeterdrama gegen die Squadra Azzurra! Diese Ansetzung durch die UEFA ist kritikwürdig, die Leistung von Rizzoli im Halbfinale eher weniger. Zwar saßen die gelben Karten gegenüber den deutschen Spielern gefühlt sehr locker. In der entscheidenden Szene lag der Italiener aber richtig: Bastian Schweinsteiger spielte den Ball klar mit der Hand im Strafraum. Es war kurios, es war dämlich, es war ein völlig unglücklicher Zeitpunkt, aber es war ein Handspiel. Der Strafstoß, der zum 0:1-Rückstand aus deutscher Sicht führte, war eine richtige Entscheidung. Fazit: Freispuch!

UEFA EURO 2016 - Halbfinale | Frankreich vs. Deutschland - Gelbe Karte Schweinsteiger

Schiedsrichter Rizzoli: nicht der entscheidende Faktor

Hat es Schweinsteiger verpatzt?

Bleiben also die Spieler. Wen könnte man denn da aufs Korn nehmen? Schweinsteiger natürlich, der den Elfmeter verschuldete. Doch der Kapitän machte ansonsten eine gute Figur, beruhigte das Spiel nach der hektischen Anfangsphase und eroberte die Bälle im Mittelfeld. Da gibt's wenig zu meckern. Das gilt ebenso für Joshua Kimmich. Sein einziger Fehler in der Defensive leitete das 2:0 der Franzosen ein. Dabei sorgte er über seinen rechten Flügel im Angriff für viel Betrieb und setzte einen beherzten Schuss an den französischen Außenpfosten. Für die beiden gilt: im Zweifel für die Angeklagten.

Überlegenheit bringt noch keine Tore

So leicht das für uns Journalisten häufig ist: Nach dieser Niederlage Trainerschelte, Schiedsrichterschelte oder Spielerschelte zu betreiben wäre in diesem Fall zu schlicht. Die deutsche Mannschaft hat über das gesamte Turnier, bis ins Halbfinale nicht geglänzt aber doch überzeugende Leistungen gezeigt. Dabei gelang es Löws Elf sogar nach großem Kampf das jahrzehntelange Italien-Trauma zu brechen. Das 0:2 im Halbfinale ist ein brutales Ergebnis, das dem Spielverlauf nicht entspricht. Und dennoch war die Pleite verdient. Letztlich bleiben zwei Dinge, die im entscheidenden Moment gefehlt haben: Es war die Fähigkeit des hochtalentierten deutschen Angriffs, die spielerische Überlegenheit auch in Tore umzumünzen. Gerade in dieser Hinsicht waren die Deutschen von den letzten großen Turnieren verwöhnt. Die Verletzung von Gomez wiegt in dieser Hinsicht schwer. Das nun ausgerechnet der Fan-Liebling Thomas Müller sinnbildlich für die Torflaute steht, ist auch für ihn persönlich tragisch. Gerade, weil er trotzdem mit großer Leidenschaft bei der Sache war.

Hinzu kommt ein Faktor der sich rationaler Betrachtung naturgemäß entzieht: das Glück. Auch das fehlte in diesem Halbfinale hier und da. Vielleicht war es in dem Moment aufgebraucht, als im Viertelfinale der entscheidende Elfmeter von Jonas Hector Zentimeter unter dem Körper von Italiens Keeper Gianluigi Buffon durchrutschte. Man weiß es nicht. Aber das ist ja auch das Schöne im Fußball.

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