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Kommentare

Kommentar: Russland gegen den Rest der Welt

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz treten die Vertreter der russischen Regierung aggressiv auf und lassen die Beobachter einigermaßen ratlos zurück, sagt Kommentatorin Dagmar Engel.

Lawrow auf der Sicherheitskonferenz in München (Foto: dpa)

Der russische Außenminister Sergej Lawrow bei der 51. Sicherheitskonferenz im Hotel Bayerischer Hof

Nicht einmal 36 Stunden stand die Münchner Vereinbarung für Syrien, da riss der russische Außenminister mit seiner Rückseite wieder ein, was er vorn mit aufgebaut hatte: Er glaube nicht daran, dass die Vereinbarung, das Feuer einzustellen, greifen werde. Und überhaupt, die US-Amerikaner würden auch gar nicht wirklich mit den Russen zusammenarbeiten wollen. Er sehe die Chancen für ein Gelingen bei 49 Prozent, raunzte Moskaus Chefdiplomat Sergej Lawrow auf Nachfrage. Wie bitte?

Engel Dagmar (Foto: DW)

Dagmar Engel, Leiterin des DW-Hauptstadtstudios

Die Auftritte der offiziellen russischen Teilnehmer waren aggressiv und im Grundton beleidigt. Schuld sind immer die anderen: Die Ukraine hält die Zusagen von Minsk nicht ein, die NATO verstärkt grundlos die Truppen an ihren Ostgrenzen und verletzt damit die Grundakte von 1997, und für Krieg, Flüchtlingselend und IS in Syrien sind die verantwortlich, die sich in die inneren Angelegenheiten des Landes eingemischt haben. Nicht Baschar al-Assad. Und schon gar nicht Russland: Russische Bomben auf Aleppo werden bestritten, die Annexion der Krim totgeschwiegen. Der russische Ministerpräsident Medwedjew und sein Außenminister Lawrow liegen stramm auf der Linie ihres Präsidenten, Wladimir Putin. Wobei diese Linie alles andere als gerade ist.

Verlässlich, berechenbar – Fehlanzeige

Russland verzettelt sich wieder einmal in Taktik. Es könnte in den Konflikten derzeit Großes leisten, zieht sich aber stattdessen wahlweise auf Drohungen, Mahnungen oder Gekränktsein zurück. Und fliegt in der Zwischenzeit weiter Luftangriffe in Syrien. Im Kern, so sagen viele Experten, gehe es den Russen um Augenhöhe, um Augenhöhe vor allem mit den USA, um eine Zusammenarbeit auch als militärischer Partner. Die aber werden sie so nicht bekommen, unter anderem ausgerechnet wegen ihrer taktischen Spiele. Auf einen Partner muss man sich verlassen können; und wenn er schon nicht immer ehrlich ist, sollte er wenigstens berechenbar sein. Es wäre auch schön, verstünde man, was er eigentlich wirklich will.

Hinter den Kulissen der Sicherheitskonferenz soll sich die russische Delegation übrigens wesentlich verbindlicher verhalten haben. Es droht wohl doch noch kein neuer kalter Krieg oder gar ein dritter Weltkrieg, den der russische Ministerpräsident in seiner Rede dräuen sah. Vielleicht gibt es sogar einen Hauch Hoffnung für Syrien. Der deutsche Außenminister sah die Erfolgschancen kurz vor den Einlassungen Lawrows bei 51 Prozent.

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