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Kommentar: Rio, erbarme Dich!

Endlich Südamerika! Endlich Brasilien! Die Olympischen Spiele in Rio werden nicht perfekt, sondern brasilianisch. Genauso soll es sein. Eine Abkehr vom Gigantismus des IOC ist überfällig, meint Astrid Prange de Oliveira.

Rio de Janeiro ist ein ganz besonderer Ort. Brasiliens heimliche Hauptstadt übt deswegen auch eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Anhänger von Großveranstaltungen aus. Klimaschützer, Karnevalisten,

Katholiken

, Fußballfans und olympische Athleten: Alle träumen von einem Trip an die Copacabana.

Noch genau eine Woche, dann werden in Rio de Janeiro die Olympischen Spiele eröffnet. Es sind die ersten in Südamerika. Seit dem Beginn der Austragung der Olympischen Spiele in der Neuzeit 1896 in Athen fand das Sportereignis 21-mal in Europa, viermal in Asien, sechsmal in Nordamerika und zweimal in Australien statt.

Endlich Südamerika

Es ist also mehr als gerechtfertigt, das größte Sportereignis der Welt auch einmal in einem aufstrebenden Schwellenland auszurichten. Wo, wenn nicht in Brasilien, könnte der olympischen Bewegung neues Leben eingehaucht werden?

In einem Land, das trotz aller Unkenrufe 2014 eine

erfolgreiche Fußball-WM

ausrichtete. In einem Land, in dem die einheimischen Fans nach ihrer spektakulären Niederlage gegen die deutsche Mannschaft die Größe hatten, den Siegern zu gratulieren statt zu randalieren.

Prange de Oliveira Astrid Kommentarbild App

DW-Autorin Astrid Prange de Oliveira

Angesichts der Dauerkritik an den Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen reiben sich viele Cariocas, wie die Einwohner Rios sich nennen, die Augen. Jahrelang haben sie die Großbaustellen in ihrer Stadt ertragen und müssen dann zusehen, wie eine hysterische Debatte über den

Zika-Virus

dazu führt, dass laut über eine Verlegung der Spiele nachgedacht wird.

Sie müssen sich Klagen von Delegationen über Unterkünfte in schlechtem Zustand anhören, während bei anderen Olympischen Spielen Probleme in ganz anderer Größenordnung auftraten: In Athen 2004 wurden die Stadien nicht rechtzeitig fertig, Peking 2008 stand im Zeichen des ständigen Smogalarms und in Sotschi wurden mit rund 40 Milliarden Dollar die teuersten Winterspiele der Welt ausgerichtet.

Nicht alles perfekt - aber anderen fehlt der Mut

Richtig: Auch in

Rio ist nicht alles perfekt

. Die malerische Bucht von Guanabara, an der die Stadt liegt, ist immer noch verdreckt. Die neue U-Bahn-Linie, die zum Olympiapark weit außerhalb des Zentrums führen soll, ist kürzer ausgefallen als geplant und fährt voraussichtlich nur im Testbetrieb. Und für den Bau der olympischen Stätten mussten viele Einwohner Rios unfreiwillig umziehen.

Doch die Olympischen Spiele finden in Südamerika und nicht in Europa statt. Und im Gegensatz zu Südamerika haben sich ausgerechnet wohlhabende Städte in Europa wie Hamburg, München, Stockholm und St. Moritz in Volksabstimmungen gegen die Ausrichtung der Spiele ausgesprochen. In Norwegen zog sogar die Regierung selbst die Kandidatur Oslos wegen der hohen Anforderungen des IOCs zurück.

Rio wird begeistert und gastfreundlich sein

Dass eine Metropole mit gravierenden sozialen Problemen wie Rio de Janeiro dennoch die Olympischen Spiele ausrichtet, ist deshalb umso respektabler. Mehr noch: Es ist bewundernswert, wie die

Cariocas trotz Pessimismus und politischer Krise

im eigenen Land an der olympischen Idee und ihrer traditionellen Gastfreundschaft festhalten.

Rio und seine Einwohner werden diese Spiele prägen und ihnen einen brasilianischen Stempel aufdrücken. Gott sei dank! Denn Olympische Spiele sollten sich an die Gegebenheiten des Gastgeberlandes anpassen und nicht an die immer höheren Anforderungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Rio und seine Einwohner werden beweisen, dass nicht Gigantismus, Kommerzialisierung und Perfektion erfolgreiche Spiele ausmachen, sondern Gastfreundschaft und sportliche Begeisterung. Wenn in dieser besonderen Stadt dieser überfällige Paradigmenwechsel eingeleitet würde, wäre viel gewonnen - für Brasilien und für die olympische Idee.

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