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Kommentare

Kommentar: Republikaner schlittern in Existenzkrise

Auch beim "Super Tuesday" hat Donald Trump abgeräumt und scheint kaum mehr zu stoppen. Doch hat er gegen Hillary Clinton eine Chance? Ines Pohl meint: Die Republikaner haben ein kaum lösbares Problem.

Hillary Clinton ist die eindeutige Siegerin dieses Superdienstags. Eigentlich ist sie jetzt nicht mehr zu stoppen. Zu viele Delegierte hat sie direkt gewonnen oder als Superdelegierte hinter sich versammeln können, als dass Bernie Sanders ihr noch ernsthaft Konkurrenz machen könnte. Auch wenn er in respektablen vier Staaten Mehrheiten hinter sich bringen konnte.

Wenn man in diesem ganzen Wahlwahn kurz innehält, sieht man das Bemerkenswerte in diesem Augenblick, an dem Geschichte geschrieben wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit steht mit diesen Ergebnissen fest: Hillary Clinton wird die erste Frau sein, die in den Vereinigten Staaten zu einer Präsidentschaftskandidatin gekürt wird.

Seit Jahrzehnten kämpft sie vorbehaltlos um den Einzug ins Weiße Haus. Keine Demütigungen konnten sie aufhalten, weder die Sex-Affären ihres Mannes noch politische Rückschläge. Von ihr ist zu lernen, dass es nicht schlimm ist, vom Pferd zu fallen. Und der einzige Fehler wäre es, liegen zu bleiben.

Republikanische Partei ist die große Verliererin

Diese Frau ist Disziplin und Wille pur. Es wäre nicht gerecht, diesen Willen zu gestalten, allein auf den Hunger nach Macht zu reduzieren. Mit großer Kontinuität kämpft Clinton für ihre Vorstellungen von einer besseren und gerechteren Welt. Ohne ihre Vorarbeit hätte es Obama Care, die Gesundheitsversicherung für alle, nie gegeben.

Nun muss man mit ihren politischen Konzepten und wirtschaftlichen Grundannahmen nicht übereinstimmen. Gleichwohl ist heute ein Tag, an dem dieses Engagement gewürdigt werden sollte. Denn auch in diesem Jahr 2016 ist Amerika mehr als Donald Trump.

Was uns nun zwangsläufig zur großen Verliererin dieses Abends bringt. Es ist die Republikanische Partei. Wie erwartet hat Trump in ganz großem Stil abgeräumt und in sieben von zwölf Staaten gewonnen. Ted Cruz kann zwar durch seinen erwarteten Gewinn in Texas und die kleine Überraschung durch seinen knappen Sieg in Oklahoma Punkte gut machen. Aber es müßte schon sehr Erstaunliches passieren, damit er Trump tatsächlich noch die Spitzenreiterposition abknüpfen kann.

Marco Rubio bleibt abgeschlagen. Und auch wenn viele moderate Republikaner sich verzweifelt an die Hoffnung geklammert hatten, dass der Senator aus Florida durch seine jüngsten Attacken gegen Trump doch noch punkten würde. Diese Schlacht scheint geschlagen.

Und damit wird es jetzt ganz, ganz heikel für die Republikaner, die sich selbst als die "Grand Old Party" (GOP), die "grandiose alte Partei", bezeichnen.

Einen anderen Kandidaten küren?

Soll man einen Donald Trump tatsächlich zum Präsidentschaftskandidaten küren, wenn die Partei zu ihrem großen Parteitag zusammenkommt und die Delegierten den Kandidaten nominieren? Namhafte Politiker fangen jetzt an, mehr oder weniger offen über die Möglichkeit nachzudenken, ihm diese Unterstützung zu verweigern. Also schlicht einen anderen, einen eigenen Kandidaten zu bestellen.

Aber welches Demokratieverständnis würde das widerspiegeln, wenn sich die Delegierten aus den einzelnen Bundesstaaten nicht an das Votum der Wählerinnen und Wähler halten würden?

Bei allem Verständnis für die Nöte der Partei: Wer Wahlen ernst nimmt, muss Ergebnisse akzeptieren, auch wenn sie weh tun.

Zudem hat Donald Trump schon sehr früh angekündigt, dass er im Zweifelsfall auch als unabhängiger Kandidat im eigentlichen Wahlkampf antreten würde. Also ohne Parteibuch aber mit dem dann erbrachten Beweis, dass er sich von niemandem stoppen lässt. Auch nicht von einer Partei, für die er in den Wahlkampf ging und die durch eine solche Entscheidung womöglich in existentielle Glaubwürdigkeitsprobleme schlittern würde. Ein Dilemma, wie es im Buche steht.

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