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Religion

Kommentar: Religion, sag nein zur Gewalt!

Der Besuch von Papst Franziskus in Kairo war ein Zeichen gegen die Gewalt, in dem immer wieder vom Terror erschütterten Ägypten, aber auch ein Signal an die Ökumene, meint Christoph Strack.

Es war ein Besuch der Ermutigung für Ägypten und seine koptischen Christen. Aber der zweitägige Kairo-Reise von Papst Franziskus war viel mehr als das. Das Oberhaupt der katholischen Kirche, der religiöse Repräsentant des Westens, ging bei seiner unter Sicherheitsaspekten gewiss heiklen Reise in ein Land, das immer wieder von Terror erschüttert wird.

Und er nahm den Großscheich der islamischen Al-Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyeb, eine der religiösen Autoritäten des sunnitischen Islam, mit ins Boot und mit in die Pflicht. Zusammen verurteilen sie Hass und Gewalt im Namen von Religion, den Missbrauch, die Beleidigung des Namen Gottes. Gegen eine "Ideologie des Bösen und der Gewalt". Es ist zu hoffen, dass der Appell in die Region wirkt.

Hassprediger entlarven

Gewalt ist, so betont Franziskus, "die Verneinung jeder authentischen Religiosität". Sie kann nie religiös begründet werden. Gott sei dagegen bedingungslose Liebe. Der Papst erinnert an die biblische Überlieferung, dass Moses die Zehn Gebote auf dem Sinai im heutigen Ägypten empfangen habe - und zitiert ein einziges: "Du sollst nicht töten." Das in einer Stadt und Region, in der immer wieder unter Berufung auf Religion getötet wird. Es gelte, so Franziskus, die Hassprediger zu "entlarven", ihrer Barbarei entgegenzutreten. Aber das erfordere Begleitung der Jugend über Generationen. Und Franziskus - da in seiner klassischen Rolle - erinnert daran, "dass die Geschichte denen nicht verzeiht, die die Gerechtigkeit verkünden und die Ungerechtigkeit praktizieren".

Christoph Strack (DW)

DW-Redakteur Christoph Strack

Ein Kernpunkt der Reise war, dass Franziskus das Leid des ganzen ägyptischen Volkes ansprach. Ja, Christen seien Opfer des Terrors - noch vor knapp drei Wochen starben bei blutigen Anschlägen auf Kirchen 40 Menschen - aber oft auch Muslime, die unbekannt blieben. Ägypten sei das Land von Muslimen und Kopten, so der Papst, der die christliche Glaubensgemeinschaft damit aus der Ecke der "religiösen Minderheit" herausholte. Für Franziskus ist das Land am Nil Beispiel einer traditionsreichen Koexistenz.

Solche Worte werden sicher nicht pauschal die islamistischen Terroristen bekehren. Aber der Appell des Papstes wird die gefährdeten Unentschlossenen erreichen und kann die Ägypter wieder ein Stück weit vereinen.

Franziskus lebt die Ökumene

Und zudem hatte diese Reise einen weiteren wichtigen Schwerpunkt. Einen Akzent, der in Deutschland mit seiner durch die Aufklärung abgeklärten Religionsdistanz gerne für unwichtig erachtet wird. Franziskus lebt geradezu Ökumene, so sehr ist ihm die Annäherung der Kirchen Verpflichtung. In Kairo traf er sich als Papst der lateinischen West-Kirche mit Towadros, dem Papst der Kopten, so dessen offizieller Titel, und mit dem Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Bartholomaios. Drei Kirchenführer, ein historischer Moment.

Franziskus hatte Bartholomaios bereits in Rom, Istanbul und Jerusalem sowie auf Lesbos getroffen und nun in Kairo. Und wenn dieser Bartholomaios Ende Mai nach Deutschland kommt und einen Ehrendoktor der evangelischen Theologie bekommt, wird ihn gewiss ein Glückwunsch aus Rom erreichen. Franziskus, der fromme Revolutionär, der orthodoxe Unorthodoxe - so, wie er seine Kirche aufmischt, wirbelt er auch den oft zu zähen, müde anmutenden Dialog der Kirchen auf. Chapeau. Es braucht die Bewegung, die Ungeduld.

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